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Dem demografischen Wandel begegnen

Öffentliche Verwaltungen als neue Trendarbeitgeberinnen

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Sich von Negativem lösen und Chancen ergreifen

Unter dem „War of Talents“ leidet auch der private Sektor, aber der entscheidende Unterschied ist, dass Unternehmen immer noch die besseren Karten in der Hand haben, wenn es um Gewinnung von Nachwuchskräften geht. Den ersten Platz der Unternehmen, die wirtschaftlich erfolgreich und zugleich bei der Belegschaft beliebt sind, ist laut der Vermittlungsplattform Glassdoor übrigens nicht Facebook oder Google – es ist Porsche in Deutschland.

Es geht nicht darum, die Privatwirtschaft in den Himmel zu loben – auch dort gibt es Baustellen. Die eine Sache allerdings, für die die Öffentliche Verwaltungen ihre Fenster weit geöffnet lassen sollten, ist der frische Wind, der seit geraumer Zeit durch die Labs und Start-ups weht. Der Wind, der das neue Zeitalter des New Work einleitet und die Augen der Millennials zum Strahlen bringt. Es wäre jedoch fatal, Arbeitskulturen eins zu eins aus der Privatwirtschaft übertragen zu wollen. Womit wir bei dem letzten Punkt angelegt wären: Chancen ergreifen.

Dass Verwaltungen dringenden Nachholbedarf in Bereichen „moderner“ Arbeitsorganisation, Gehaltsniveau, Karrieremöglichkeiten und IT-Ausstattung haben, ist unbestreitbar. Viele dieser Baustellen sind grundlegenden, strukturellen und zum Teil politischen Herausforderungen geschuldet und können nur schwer binnen kürzester Zeit behoben werden. Doch neben diesen Großbaustellen, stehen viele kleine, versteckte Potenziale, die nicht oder nicht ausreichend genutzt werden. Jeder noch so kleine Schritt bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung verbesserte Arbeitgeber­attraktivität.

Die Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine „aktive“ Pflege der Attraktivität Öffentlicher Verwaltungen aussichtsreich wäre. Es gilt daher greifbare Potenziale auszuschöpfen, die sich als Wettbewerbsvorteil sinnvoll nutzen lassen, um sich gegenüber potenziellen Nachwuchskräften zu positionieren. Anknüpfungspunkte gibt es dafür genug, zum Beispiel:

  • Sinnstiftung: Rechtsstaatlich sind Öffentliche Verwaltungen auf Beständigkeit und Berechenbarkeit ausgerichtet. Oft vernachlässigt wird ihre tragende Rolle in unserem demokratischen Staat und die Auswirkungen ihrer Arbeit auf unser Zusammenleben und die so vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten unserer Gesellschaft, die sich dadurch ergeben. Öffentliche Verwaltungen haben viel Platz für gesellschaftliche und politische Leidenschaft der Millennials. Geld verdienen ist gut, etwas verändern noch besser, aber beides zusammen ist unschlagbar.
  • Arbeitsplatzsicherheit: Die erwähnten Studienergebnisse belegen, dass ein sicherer Arbeitsplatz insbesondere für die jüngere Generation wichtiger geworden ist. Das war auch schon vor dem Ausbruch der Pandemie so, aber das Thema hat in den letzten Monaten deutlich mehr an Bedeutung gewonnen.
  • Fortschritte in Digitalisierung: Der Ausbruch der Pandemie hat der Digitalisierung einen erheblichen Schub im öffentlichen Dienst verliehen. Vieles, was jahrzehntelang undenkbar war, gehört in immer mehr Öffentlichen Verwaltungen plötzlich zum Alltag: Mobiles Arbeiten, Nutzung digitaler Kommunikationstools und digitale Workflows. Insbesondere verstärkt die Möglichkeit des mobilen Arbeitens die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, auf die Nachwuchskräfte besonders viel Wert legen.

Öffentliche Verwaltungen haben ein Image-Problem. Dass es auch anders geht, haben einige Verwaltungen gezeigt (Praxisreport Verwaltung der Zukunft der Initiative Neue Qualität der Arbeit). Die einzelnen Leuchttürme reichen jedoch noch nicht aus, um ein positives Image zu prägen. Durch strategische Employer-Branding-Maßnahmen müssen sich Öffentliche Verwaltungen daher extern sowie intern als attraktive Arbeitgeber positionieren. Das wichtigste dabei ist ein authentisches, transparentes Auftreten. Offen zeigen was man hat, aber auch was man nicht hat – ganz im Sinne einer offenen Fehlerkultur. Nur dadurch können Öffentliche Verwaltungen die Nachwuchskräfte gewinnen, die sie dringend brauchen werden: Menschen mit Haltung und Persönlichkeit. Charakterköpfe, die nicht nur unsere Gesellschaft vorantreiben, sondern Öffentliche Verwaltungen „von innen“ gestalten und positiv verändern wollen.

Mehr Informationen zur Beschäftigungs- und Nachwuchssituation im Public Sector liefert das Nachwuchsbarometer.

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