Digitale Plattformen

Öffentliche Verwaltung setzt auf Online-Dienste

| Redakteur: Julia Mutzbauer

Bei einer Sudie im Auftrag der Sopra Steria Consulting zum Thema digitale Plattformen bewerten 59 Prozent der Entscheider der öffentlichen Verwaltungen und der Energie- und Wasserversorger digitale Plattformen als wichtiges bis sehr wichtiges Thema.
Bei einer Sudie im Auftrag der Sopra Steria Consulting zum Thema digitale Plattformen bewerten 59 Prozent der Entscheider der öffentlichen Verwaltungen und der Energie- und Wasserversorger digitale Plattformen als wichtiges bis sehr wichtiges Thema. (© AndSus - stock.adobe.com)

Aus der Studie „Potenzialanalyse Digitale Plattformen“ von Sopra Steria Consulting geht hervor, dass das Thema digitale Plattformen aktuell ein wichtiges Thema für die Entscheider der öffentlichen Verwaltungen ist. Das Ziel der Akteure der öffentlichen Verwaltungen sei eine Verbesserung des digitalen Service für Bürger und Kunden. Außerdem gehe es darum kommerziellen Plattformen in bestimmten Bereichen eine öffentlich finanzierte Alternative zu bieten.

Jedoch sind digitale Plattformen in Verwaltungen kein neues Thema mehr. Beispielsweise zählt Elster (elektronische Steuererklärung) zu den bekanntesten Plattformen im Bereich der Bürgeranwendungen. Hier handelt es sich um ein gemeinsames online Portal aller Länder und und des Bundes zur Abwicklung der Steuererklärung und Steueranmeldung.

Ein weiteres Beispiel ist die Plattform OSI (Online-Service-Infrastruktur) des öffentlichen IT-Dienstleisters Dataport. Diese ermöglicht ein zentrales Servicekonto, mit dem sich Bürger und Unternehmen anmelden, ein Postfach für Eingaben und Bescheide, eine Bezahlfunktion sowie eine Anbindung an Fachverfahren. In Hamburg wird OSI für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes eingesetzt. Mit der Verbindung von OSI und der Urban Data Plattform (LGV) will die Stadt zusätzlich Mehrwertdienste unter anderem in den Bereichen Verkehr und Mobilität sowie Bildung und Kultur. Auch in anderen großen Städten gibt es Mobilitätsplattformen auf denen die Angebote verschiedener Anbieter gebündelt werden.

Alternativen zu US-Plattformen

In Bezug auf große Plattformvorhaben sollen die Verantwortlichen in der öffentlichen Verwaltung und Versorger verstärkt nach Partnern und Teilnehmern suchen. In der Studie gaben 84 Prozent der Befragten an, dass sie der Meinung sind, öffentliche digitale Leistungen nur noch im Verbund mit anderen Unternehmen und öffentlichen Partnern erbringen zu können. Hier setze man auf offene, aber öffentlich-rechtlich kontrollierte Plattformansätze.

Einer der wichtigsten Ansätze sei Alternativen zu kommerziellen US-Plattformen wie Google, Appel, Facebook und Amazon zu schaffen und so deren Marktmacht zu begrenzen. 87 Prozent der Befragt gaben an, dass sie kritische Abhängigkeiten

durch dominierende Plattformen befürchten.

Um das zu verhindern hat im vergangenen Jahr der ARD-Chef Ulrich Wilhelm den Vorschlag Jahr gemacht, eine Allianz aus Verlagen, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Institutionen und Verbänden zu schmieden mit dem Ziel eines öffentlich-rechtlichen Medien-Ökosystems. Diese digitale Plattform soll zum Beispiel eine Suchmaschine mit „bürgerfreundlichen“ Algorithmen enthalten, die eine Interaktion mit Nutzern ähnlich wie bei Facebook ermöglichen sowie gemeinsame Identitätssysteme nutzen soll.

„Die Umsetzung der Idee in die Praxis wird zur Herkulesaufgabe“, meldet Thomas Walsch, Director Digital Transformation bei Sopra Steria Consulting. Öffentlich-rechtliche Plattformstrategien seien generell im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen schwerer zu verwirklichen. Vor allem im internationalen Bereich. Es müssten viele Interessen berücksichtigt und gesetzliche Anpassungen vorgenommen werden. Dazu käme, dass die Algorithmen, auf denen Ergebnisse und Empfehlungen öffentlicher Suchmaschinen auf sozialen Netzwerken basieren, schärfere Transparenzanforderungen erfüllen müssen. Walsch erläutert: „Staatliche Kontrollinstanzen müssen im Namen der Bürgerinnen und Bürger genau nachvollziehen könnnen, wie Ergebnisse zustande kommen. das erfordert erhebliche Investitionen in Explainable AI (erklärbare Künstliche Intelligenz).“

Ergänzendes zum Thema
 
Über die Studie

Auch die Branche der Energie- und Wasserversorger sei ebenfalls in der Plattformökonomie aktiv. Die RWE-Tochter Innogy positioniere sich beispielsweise als Smart-Home-Portal. Und andere Konzerne beteiligen sich an Internet-of-Things-Plattformen. Für Stadtwerke sei die Rolle des Betreibers einer eigenen Plattform besonders interessant. Diese würden sich als digitale Drehscheibe für kommunale und regionale Leistungen für Bürgerinnen und Bürger verstehen.

Zum Beispiel wollen die Stadtwerke in München ein digitales Ökosystem zur Verfügung stellen und dabei eine Kombination aus eigenen und fremden Produkten und Services als Gesamtpaket anbieten. Auch ist vorstellebar künftig digitale Leistungen der Stadtverwaltung zu integrieren, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Ein weiteres Beispiel sind die Stadtwerke in Burg, die einen Rahmen eines Open-Innovations-Wettbewerbs skizzieren, welche Services eine digitale Plattform beinhalten kann. Dazu zählen eigen Leistungen wie die Hilfe beim Suchen von Parkplätzen, die Buchung von Umzugs- und Sperrmüllservices sowie eine Shopping-Plattform mit Produkten aus der eigenen Region mit Sonderkonditionen für Einzelhändler. Auch das Einbinden von Mobilitätspartner wie Bus-, Bahn- und Taxiunternehmen gehört dazu sowie Kreditrechner der ansässigen Banken und Sparkassen. Auch IT-Services wie ein Dokumentensafe gehören dazu. Der Ansatz reiche bis zur eigenen Währung für das Versorgungsgebiet, dem Burg Coin.

„Stadtwerke sind im Prinzip prädestinierte Plattformbetreiber. Als etablierter Dienstleister für Strom, Wasser Telekommunikation und Mobilität verfügen sie bereits über langjährige Kundebeziehungen, die sich neue Plattformdienstleister erst einmal aufbauen müssen“, so Michael Niebergall, zuständig für den Bereich Digital Energy von Sopra Steria Consulting. „Problematisch ist allerdings die Skalierung. Der mögliche Nutzerkreis ist in weiten Teilen bereits geografisch vorgegeben. doe Leistungen sollten sich daher an möglichst viele Menschen und Unternehmen innerhalb der eigenen Reichweite richten, um so einen maximale Skalierung zu erreichen“, erklärt Niebergall.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Potenzialanalyse Digitale Plattformen

www.soprasteria.de

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 46107334 / Kommunikation)