Digitale Lernplattform in Bayern Noch immer Stress mit Mebis

Autor: Julia Mutzbauer

Die Online-Lernplattform Mebis zur Unterstützung des Distanzunterrichts an bayerischen Schulen steht weiterhin in der Kritik. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte seinen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) vor Weihnachten dazu aufgefordert, die technischen Probleme des Systems bis zum Schulstart nach den Weihnachtsferien am 11. Januar beseitigen zu lassen. Doch aktuell scheint das System noch immer nicht richtig zu funktionieren.

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Die digitale Lernplattform sorgt offenstichtlich immer noch für Probleme
Die digitale Lernplattform sorgt offenstichtlich immer noch für Probleme
(© Shangarey – stock.adobe.com)

Die Lernplattform ist ein datenschutzkonformes Lernmanagementsystem und das Kernstück eines Portals, auf dem Lehrkräfte Schülern Aufgaben zuweisen und Lernmaterialien zur Verfügung stellen können. Mebis wurde auf der Basis des weltweit eingesetzten Kursmanagemensystems Moodle programmiert und gibt Lehrkräften zudem die Möglichkeit, mit Schülern zu chatten und interaktive Lerninhalte zu erstellen.

Bis heute jedoch sind die Probleme mit der Plattform nicht gelöst. Zwar wurde das System, wie es aus dem Kultusministerium in München heißt, von IT-Experten vor Weihnachten noch einmal überprüft. Bei diesem Stresstest konnten die Experten nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks jedoch lediglich die bereits bekannten Performance-Probleme bestätigen: So läuft die Software bei gleichzeitiger Nutzung vieler Teilnehmer nicht stabil. Schwierigkeiten treten besonders massiv beim Log-in zwischen 7 Uhr 45 und 9 Uhr 00 Uhr auf – zu einer Zeit also, in der sich viele Lehrer und Schüler aufschalten wollen, um mit dem Distanzunterricht zu beginnen. Dies war von Oppositionsparteien im Bayerischen Landtag scharf kritisiert worden. Der FDP-Bildungsexperte Matthias Fischbach hat deshalb bereits den Rücktritt von Piazolo gefordert.

Dieser hatte vor Weihnachten versprochen, unter anderem mit der Bereitstellung zusätzlicher Server-Kapazitäten und der fachlichen Unterstützung externer IT-Spezialisten, alles für einen reibungslosen Start der Lernplattform Anfang Januar zu unternehmen. Allerdings wollte der Minister nicht garantieren, dass „eine so komplizierte IT“, wie er gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte, tatsächlich auch pünktlich funktionieren werde. Daher empfahl er den Schulen, die Nutzung von Mebis zu Jahresbeginn zeitlich zu entzerren und nicht alle Schüler zu veranlassen, sich bereits in den frühen Morgenstunden einzuloggen. Deshalb stelle der Freistaat auch eine Lizenz von MS-Teams zur Verfügung, um eine Systemüberlastung der Plattform zu vermeiden. Darüber hinaus könnten Lehrer im Dialog mit Schülern ja auch Mails und das Telefon nutzen.

Auf Nachfrage von eGovernment Computing beim Bayerischen Kultusministerium zum aktuellen Leistungsstand der Software erklärt die Behörde, dass aktuell „durch die Hinzufügung von neuen Servern, die Anpassung der Verteilung von CPU-Kernen und die Umstrukturierung von Komponenten von einer Verdoppelung der Leistungsfähigkeit der Hardwareressourcen ausgegangen“ werden könne.

Zum Schulstart am 11. Januar prognostiziert das Ministerium sogar eine Verdreifachung der Leistungsfähigkeit im Vergleich zur Situation vor Weihnachten. So werde die Anzahl der Server in diesen Tagen von 36 auf 92 ausgebaut, die physisch im IT-DLZ stehen und dort unterhalten werden (zum Beispiel Energieversorgung, Klimatisierung und weitere IT-Systeme wie Storage, Firewalls und Proxysysteme). Letztlich sei auch die Anzahl der virtuellen CPUs von 298 auf jetzt 720 gesteigert worden.

Man darf gespannt sein, ob der Stress mit Mebis damit erledigt ist.

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Redaktion, eGovernment Computing