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Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern Niedriger IT-Reifegrad erschwert Digitalisierung

Autor: Manfred Klein

Im Allgemeinen haben die Betreiber von Krankenhäuser in Deutschland ein großes Interesse daran, ihr Geschäft zu digitalisieren, wie die Verfahren zur elektronischer Patienten- und Fallakte belegen. Dennoch tun sich viele Häuser mit der Einführung digitaler Verfahren schwer, wie eine Studie jetzt belegt.

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Deutschlands Kliniken kämpfen mit der IT-Umsetzung
Deutschlands Kliniken kämpfen mit der IT-Umsetzung
(Bild: © bakhtiarzein - Fotolia)

So werden die Verfahren zur Verwaltung elektronischer Patienten- und Fallakten sowie zur fallbezogenen Materialerfassung werden von 87 Prozent der Verantwortlichen als nützlich bewertet, da sie Abläufe beschleunigen und Kosten senken. Das geht aus der Untersuchung der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Beratung Inverto hervor. Die Studie belegt allerdings auch, dass den Häusern die Implementierung der notwendigen Technik schwerfällt: Der durchschnittliche Reifegrad der IT in den Krankenhäusern ist oft viel zu niedrig.

Zu den wichtigsten Ursachen zählen organisatorische Mängel. So gaben 67 Prozent der befragten Führungskräfte an, die IT-Abteilung werde in ihrem Krankenhaus überwiegend als Dienstleister verstanden, der höchstens in Störungsfällen konsultiert würde. Eine gute und vor allem strategische Zusammenarbeit zwischen der IT und anderen Fachbereichen bescheinigten dagegen nur 23 Prozent der Befragten ihrem Krankenhaus.

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Danach gefragt, welche weiteren Hürden und Risiken sie mit Blick auf die Einführung neuer, digitaler Technologien sehen, nannten die Befragten außerdem fehlende Mittel für Investitionen (61 Prozent bewerteten dies mit „sehr hoch“ oder „hoch“), fehlende Kapazitäten innerhalb der hauseigenen IT-Abteilung (54 Prozent), heterogene IT-Strukturen (48 Prozent), Schwierigkeiten beim Datenschutz (38 Prozent), sowie die mangelnde Bereitschaft der Mitarbeiter (31 Prozent).

Insgesamt geht die Mehrheit der Befragten jedoch davon aus, dass der Nutzen von Digitalisierungsvorhaben die damit verbundenen Schwierigkeiten bei weitem übersteigt. So stimmten 87 Prozent der Befragten einer entsprechenden Aussage „voll“ beziehungsweise „überwiegend“ zu.

Inverto untersuchte nicht nur die grundsätzliche Haltung zur Digitalisierung beziehungsweise deren Organisation, sondern befragte Führungskräfte auch, in welche digitalen Technologien sie investieren würden. Die Resultate zeigen Unterschiede zwischen den verschiedenen Krankenhausarten.

So schätzen Universitätskliniken Verfahren zur fallbezogenen Materialerfassung oder den Einsatz von Unique Device Identification (UDI) als wichtiger ein als nicht-universitäre Maximal- und Schwerpunktversorger oder als Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Auswertung der Antworten nach Kalkulationsvereinbarung: Krankenhäuser mit Vereinbarung bewerten zwar die fallbezogene Materialerfassung ebenso hoch wie Häuser ohne, messen aber dem UDI-Einsatz mehr Wert bei als Letztere.

Beim Blick auf die Voraussetzungen der verschiedenen Krankenhäuser zur Digitalisierung, haben die beiden Gruppen erneut einen Vorsprung: Universitätskliniken verfügen häufiger (67 Prozent) über eine Schnittstelle zwischen dem Krankenhausinformationssystem (KIS) und dem Materialwirtschaftsystem (MaWi) als Maximal- und Schwerpunktversorger (50 Prozent) beziehungsweise Grund- und Regelversorger (53 Prozent).

Zudem setzen Universitätskliniken häufiger (78 Prozent) Barcode-Scanner zum Einlesen von Material- oder Geräteinformationen ein (gegenüber 54 beziehungsweise 59 Prozent).

Beides verschafft ihnen Vorteile in puncto Digitalisierung: Die Anwendungsintegration ist eine wesentliche Voraussetzung für die Einführung fallbezogener Materialverfolgung, die Barcode-Scanner ermöglichen die Implementierung von UDI.

Auch Krankenhäuser mit Kalkulationsvereinbarung verfügen über bessere Voraussetzungen: Sie verknüpfen das KIS und MaWi öfter als Häuser ohne Vereinbarung (72 gegenüber 36 Prozent) und planen häufiger UDI-Anwendungen einzuführen (54 gegenüber 10 Prozent).

„Damit das digital integrierte Krankenhaus Wirklichkeit werden kann, brauchen Kliniken IT-gestützte Fall- beziehungsweise Patienteninformationen, IT-gestützte Einkaufsabläufe und IT-gestützte Material- und Geräteverfolgung. Zudem muss eine vollständige Integration der entsprechenden Systeme umgesetzt werden“, erklärt Jan-Christoph Kischkewitz, Principal bei Inverto und Hauptverantwortlicher für die Studie.

„Universitätskliniken und Krankenhäuser mit Kalkulationsvereinbarung machen vor, wie diese Voraussetzungen geschaffen werden können. Aber auch sie haben noch einige Arbeit und IT-Investitionen vor sich“, so Kischkewitz weiter.

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