GIS-Initiative

Niedersachsen wird in 3D vermessen

| Autor: Manfred Klein

Auch Niedersachsen ist nicht nur flach – auch wenn es manchmal den Anschein hat, wie es hier der Blick auf das Rathuas von Hannover suggeriert
Auch Niedersachsen ist nicht nur flach – auch wenn es manchmal den Anschein hat, wie es hier der Blick auf das Rathuas von Hannover suggeriert (Bild: © Mapics - Fotolia)

Aktuell wird die Oberfläche für das gesamte Land Niedersachsen von oben in 3D ver­messen. Hintergrund: Damit Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser, Lärm und Luftschad­stoffen optimal funktionieren, müssen vorab Prognosen erstellt und Schadensfälle simuliert werden. Dafür braucht das Land möglichst genaue 3D-Daten der Geländeoberflächen.

Diese werden aktuell durch Überfliegen des Landes erhoben. Das Land hat mehrere Millionen Euro für die Herstellung der Laserscanning-Daten durch das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) bereitgestellt.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius will dass die Kommunen von den 3D-Daten profitieren
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius will dass die Kommunen von den 3D-Daten profitieren (Bild: Niedersachsen)

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius: „Die Rechnung ist einfach: Je präziser die Daten, desto sicherer die Prognose und umso größer der Schutz der Bürgerinnen und Bürger. Bisher hatten wir in den digitalen Daten eine Genauigkeit von einem halben Meter im freien Gelände, im Wald sogar nur von ein bis zwei Metern. Durch die aktuell erhobenen 3D Daten können wir Berechnungen und Prognosen mit einer Genauigkeit von 20 Zentimetern erstellen. Das ist ein Riesenschritt, insbesondere für die Sicherheit bei Katastrophenszenarien.“

Bereits seit dem vergangenen Jahr werden die Daten bei Flügen über der Küsten-, Weser- und Elberegion erhoben und verarbeitet. 2016 sind Mittel- und Südniedersachsen dran, im kommenden Jahr werden alle bis dahin noch nicht erfassten Gebiete im Rahmen der dritten Kampagne erfasst, Niedersachsen wird dann komplett und fast zentimetergenau erfasst sein.

Sinnvoll ist der Einsatz der präzisen Modelle beispielsweise beim Thema Überschwemmungen. Mithilfe der Daten kann simuliert werden, wie sich ein Hochwasser bei unterschiedlichen Pegeln in der Region ausbreitet. Wird eine Hochwasserprognose aufgrund eines solchen Modells berechnet, kann der zu erwartende Wasserstand vor Ort angezeigt werden und den Verantwortlichen helfen, im Ernstfall die richtigen Maßnahmen zu treffen.

Dazu Pistorius: „Wir haben im Juni 2013 erlebt, wie ein Hochwasser das Land im Griff haben kann und ganze Landstriche bedroht dadurch bedroht sind. Bei zukünftigen Szenarien werden wir auf solche Ereignisse noch besser reagieren können.“

Aber auch diverse andere Bereiche werden von den präzisen 3D-Daten profitieren. So können die Lärmausbreitung entlang stark frequentierter Verkehrswege oder eine mögliche Ausbreitung von Schadstoffen nach Industrieunfällen mit Hilfe der 3D-Modelle exakt simuliert werden. Aus den Daten lassen sich 3D-Stadt- und Gebäudemodelle generieren.

Diese sind in Kombination mit weiteren Geobasisdaten Grundlage für sogenannte Smart-Cities-Projekte. Kommunen können zudem die detaillierte Darstellung der Gebäudedächer zur Erstellung von Solarpotenzialkatastern nutzen. Nicht zuletzt sind auch Archäologen begeistert, weil bislang unbekannte kulturhistorische Stätten durch das Scannen der Erdoberflächenform sichtbar werden.

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