Digitale Infrastruktur

Niedersachsen holt bei Digitalisierung auf

| Redakteur: Manfred Klein

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sieht Nieder­sachsen beim Thema Breitbandausbau auf einem guten Weg. Die Versorgung auf dem Land ist jedoch noch ausbau­fähig
Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sieht Nieder­sachsen beim Thema Breitbandausbau auf einem guten Weg. Die Versorgung auf dem Land ist jedoch noch ausbau­fähig (© Jörg Lantelme – stock.adobe.com)

Der Ausbau digitalen Infrastruktur in Niedersachsen hat enorm zugenommen. Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft meldete, dass noch im Jahr 2017 weniger als ein Prozent aller Gebäude mit einem Gigabitanschluss für schnelles Internet ausgestattet waren. Derzeit gehe der Ausbau in Niedersachsen mit 230 geförderten Maßnahmen und einer Summe von mehr als 2 Milliarden Euro deutlich voran, so das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann äußerte: „Beim Breitbandausbau liegen wir gut im Rennen. Unser Ziel bleibt die vollständige Versorgung aller Haushalte in Niedersachsen mit gigabitfähigen Anschlüssen bis 2025.“ Althusmann merkte an, es gehe nicht ohne zusätzliches Engagement der Telekommunkikationsanbieter.

Der Digitalpartner Vodafone habe zugesagt rund 65 Prozent aller Haushalte im Land über das Kabelnetz bis Ende 2020 mit Gigabitanschlüssen zu versorgen. Außerdem startete im Juni eine neue Förderrichtlinie um öffentliche Einrichtungen und Plätze wie Schulen, Universitäten, niedersächsische Seehäfen und Gewerbegebiete bis Ende 2021 mit gigabitfähigen Anschlüssen zu versorgen. Laut dem Ministerium für Wirtschaft stehen hierfür 220 Mio. Euro zur Verfügung.

Auch bei dem Thema Mobilfunk soll Niedersachsen aufholen. Hierbei sei das Bundesland das erste, das eine realistische Versorgung geplant hat. Gemeinsam mit den Mobilfunkanbietern wurden Versorgungskarten erstellt. Althusmann betont „ Die noch verbliebenen weißen Flecken im Land, in denen mobiles Internet (136), mobiles Telefonieren (99) nicht möglich sind, müssen bis Ende 2021 verschwinden“. Althusmann verweist hierbei auf den Ausbau der landeseigenen Mobilinfrastruktur (BOS-Funkstationen), die 20 Mio. Euro Mobilfunkförderung und auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau der Industrie.

Dabei bleibt der Bürokratieabbau für den Ausbau der digitalen Infrastruktur eines der zentralen Themen des Wirtschaftsministeriums.

Die Landesregierung hat vor elf Monaten den Masterplan Digitalisierung gestartet. Nicht nur der Ausbau der Infrastruktur für schnelleres Internet, freies WLAN und Mobilfunk seien dabei entscheidend, es gäbe auch weiteren Handlungsbedarf in Wirtschaft und Gesellschaft. Für die Digitalstrategie der Landesregierung wird mit einer Summe von 1 Mrd. Euro gerechnet.

Mit einem Digitalbonus, der ab August startet, haben kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit bis zu 10.000 Euro für Investitionen in IT-Sicherheit und Hard- und Software zu beantragen. Dafür stehen 5 Mio. Euro bis Ende 2021 jährlich bereit. Zudem bietet die Digitalagentur Niedersachsen seit Dezember 2018 Unterstützungsangebote zur Förderung und Beratung an. Diese sind sehr gefragt bei Mittelstand und Handwerk. Damit man qualifizierte Mitarbeiter für die Umsetzung der digitalen Transformation zur Verfügung habe, startete mit 2 Mio. Euro im April das Förderprogramm „Weiterbildung in Niedersachsen“ mit dem Schwerpunkt Digitalisierung.

Der schnelle Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bleibt eine fortwährende Herausforderung. Für sogenannte dezentrale „Digital-Hubs“ ist eine Förderung von 3 Mio. Euro geplant. Diese Hubs haben die Aufgabe digitale Innovationen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Blockchain, Telematik oder Open Data voranzubringen. Außerdem sind in Niedersachsen die ersten 17 Digitalprofessuren besetzt. Laut Althusmann wird das Thema Klimaschutz die Digitalisierung weiter voran treiben: „Ich gehe davon aus, dass die Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und Klimaschutz die Art und Weise, wie wir leben, lernen und arbeiten in Zukunft noch stärker als bisher beeinflussen werden.“

Durch den DigitalRat Niedersachsen, der aus Experten unterschiedlicher Professionen besteht, soll es kontinuierlich neue Anregungen von außen geben. Prof. Dr. Gerhard Wegner ein der Mitglied fordert eine neue Bildungsbewegung zum erlernen Digitaler Souveränität. Hierzu merkte er an: „Wir müssen den Maschinen sagen können, was sie mit uns gemeinsam tun sollen. Algorithmen kennen keine Barmherzigkeit“. Ein weiteres Mitglied des DigitalRates Peter Leppelt fordert Informatik als Pflichtfach und besonders das Vermitteln von Erkenntnistheorie in den Schulen. „Jeder Einzelne muss lernen, Fakten von Meinungen und Unsinn zu unterscheiden“, so Peter Leppelt.

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