IT-Investitionsprogramm

Nicht nach dem Prinzip Gießkanne

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eGovernment und Verwaltungsreform brauchen mehr Marketing

Jochen Baier von Steria Mummert Consulting pflichtete dem bei: „Als die USA den Hoover-Staudamm gebaut haben, war Idee ja nicht, die Bauindustrie zu stützen. Verfolgt wurde die Idee, mit dem Staudamm eine gewisse Wirkung zu erzielen. Der Damm sollte Strom für Industrie und Privathaushalte produzieren. Der Bau möglichst vielen Menschen Arbeit geben, damit sie mit dem verdienten Geld Autos kaufen und Häuser bauen. Das ist die Grundidee jedes Konjunkturprogramms. Wenn man überlegt, weshalb man Geld in die Informationstechnologie pumpen sollte, wird schnell klar, dass man das deshalb tun sollte, weil sich in den letzten fünf bis zehn Jahren Möglichkeiten aufgetan haben, die wir vorher nicht hatten. Die Dienstleistungsrichtlinie und die 115 wären mit der Technologie von vor fünf Jahren schwierig umzusetzen gewesen. Dieser Fortschritt bietet einfach viele Chancen.“

Hinzu komme, so Baier, dass in der Bevölkerung, und damit natürlich auch bei den Bediensteten der Verwaltungen, sich die bekannten demografischen Veränderungen einstellen. „In den nächsten zehn Jahren wird ein Drittel der öffentlich Bediensteten in Rente gehen. An den Aufgaben wird sich aber nicht viel ändern. Deshalb denken die Verantwortlichen auch über neue Dienstleistungsformen, über Outsourcing zum Beispiel, nach. Plötzlich wird es auch für die Verwaltung attraktiv, Dinge online erledigen zu lassen. Gleiches gilt für die Haushalts-und Personalsituation der Kommunen. Da wird sich langfristig nicht viel verändern. Wir hatten da jetzt ein Zwischenhoch, aber langfristig zeigt der Trend auch hier nach unten.“

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Dirk Thomas Wagner meinte zu der Diskussion über den Nutzen der IT: „Vielleicht lässt sich das an der wirtschaftlichen Bedeutung der EU-Dienstleistungsrichtlinie und der 115 erläutern. CSC hat dazu eine interessante Studie vorgestellt, in der in den 27 EU-Mitgliedstaaten abgefragt wurde, welche hauptsächlichen Ziele die einzelnen Staaten mit den Projekten verbinden. Das Ergebnis ist recht interessant. Es wird nämlich erst an vierter Stelle die Intention genannt, externe Unternehmen anzusiedeln. An erster Stelle rangiert die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen, gefolgt von der Elektronifizierung von Verwaltungsprozessen und die Ansiedlung von inländischen Unternehmen. Die aktuelle Zielsetzung hat sich also relativ weit von der ursprünglichen entfernt. Meine These lautet daher, man sollte versuchen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen, auch wenn die Produktion nicht unbedingt in Deutschland stattfindet, denn das intellektuelle Kapital sitzt hier. Wenn man es schafft, hier eine Spitzenposition einzunehmen, dann hat das ungeahnte Auswirkungen auf den Standort Deutschland.“

Pia Karger gab sich mit dieser Einschätzung jedoch nicht zufrieden: „Ich würde ihnen allen gerne einmal die Frage stellen, ob sie als Industrievertreter nicht darüber nachdenken wollen, wie dieses Thema in die Öffentlichkeit zu transportieren ist. Und vor allem, was sie selbst dazu beitragen können?“

Jon Abele erwiderte darauf: „Zum Beispiel, indem wir diese Frage zum Thema einer Beiratssitzung machen.“ Abele stimmte jedoch mit Pia Karger darin überein, dass die Frage, was man darüber hinaus noch tun könne, noch nicht beantwortet sei. Auf jeden Fall müsse das Thema an die Öffentlichkeit gebracht werden. Dazu gehöre Lobbyarbeit in jeder Form. Hier sei aber auch die Bundesregierung gefordert.

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