IT-Investitionsprogramm

Nicht nach dem Prinzip Gießkanne

Seite: 6/9

Firmen zum Thema

115 und EU-DLR als Blaupause der Reform

Jon Abele meinte zu diesem Aspekt: „Bei beiden Programmen, sowohl der 115 als auch der Dienstleistungsrichtlinie, ist der entscheidende Punkt, das dahinterstehende One-Stop-Government-Konzept. Beide sind nicht deswegen interessant, weil man dazu ein Call Center braucht, über das möglicherweise ein italienischer Friseur sein Gewerbe anmelden kann. Sondern deshalb, weil beide Projekte die Neuausrichtung der deutschen Verwaltungslandschaft entscheidend nach vorne bringen werden. Wir haben in Deutschland eine Situation, die es eigentlich dringlich erforderlich machen würde, die Prozesse der Verwaltung – gerade in den Kommunen – zu optimieren. Künftig müssen die anfallenden Aufgaben in einer sehr viel arbeitsteiligeren Form bewältigt werden.“

Am besten lasse sich diese Entwicklung derzeit an den strukturschwachen Gebieten in Ostdeutschland darstellen, die wegen der Abwanderung großer Bevölkerungsteile zum Teil bereits heute enorme Schwierigkeiten hätten, im kommunalen Bereich den Einwohnern Dienstleistungen bürgernah zukommen zu lassen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

„Betrachtet man die Projekte D 115 und EU-Dienstleistungsrichtlinie unter diesem Gesichtspunkt wird schnell klar, dass mit den zugrundeliegenden Konzepten auch sehr viele andere Dienstleistungen erbracht werden können. Es muss nicht immer die Gewerbeanmeldung sein. Werden diese Überlegungen umgesetzt, dann führt das in allen Landes- und Kommunalverwaltung zu einem deutlichen Modernisierungsschub. Das ist eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte!“ Außerdem sei es absolut legitim, so Abele, als Verwaltungsmodernisierer die Finanzkrise opportunistisch zu nutzen, in dem man darauf hinweise, dass die Krise auch eine Chance biete.

Michael Tschichholz ergänzte an dieser Stelle noch, dass es für die von Abele genannten Projekte wichtig sei, den Aspekt der Standardisierung weiter voranzubringen. Es gebe zwar beim Bund ein Standardisierungsprojekt. Dieses habe auch bereits – etwa durch das XÖV-Repositority – eine sehr tragfähige Basis geschaffen. Da aber im Zuge der Integration sehr viele Schnittstellen zu standardisieren seien, sei auch in diesem Bereich ein Mangel an ausreichenden Ressourcen festzustellen. So habe ein Fraunhofer-Projekt gezeigt, dass für den simplen Vorgang einer Fahrzeuganmeldung alleine in den Kommunen etwa 130 Schnittstellen standardisiert werden müssten. Vergleichbar dürfte die Schnittstellenproblematik auch beim angesprochenen One-Stop-eGovernment sein.

Nächste Seite: Warum die Wirtschaftskrise auch eine Chance ist?

(ID:2020806)