IT-Investitionsprogramm

Nicht nach dem Prinzip Gießkanne

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Völlig neue Geschäftsmodelle

Michael Tschichholz von Fraunhofer FOKUS ergänzte: „Ich unterstütze diese Aussagen. Die Aktivitäten in Sachen Verwaltungsmodernisierung, die im Augenblick beim Bund laufen, schaffen die Voraussetzungen dafür, dass man künftig Verwaltungsprozesse effektiver gestalten kann. Das ist keine reine Investition in die IT, sondern das berührt viele andere Themen wie zum Beispiel das Change Management, Fragen der Personalsteuerung oder der Prozessoptimierung. Das ist also eine Investitionen mit einer großen Breitenwirkung.“

Dirk Thomas Wagner, bei Oracle Vertriebsdirektor Public Sector, äußerte zu der Frage, in welche Bereiche die Mittel fließen sollten: „Investitionen in Straßen sind per se sicher nicht verkehrt. Wer sich wie ich durch eine Innenstadt quälen muss, der weiß, dass eine Umgehungsstraße unter Umständen hochwillkommen ist. Auch wenn sie hinterher unterhalten werden muss. Allerdings muss man natürlich überprüfen, ob sich Investitionen in neue Straßen auch rechnen. Ich fand die Überlegung, den elektronischen Personalausweis gleich bei seiner Einführung mit einer Signatur auszustatten, sehr interessant. Da eine solche flächendeckende Ausstattung des Bürgers völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen würde, wäre dies aus meiner Sicht eine sinnvolle Antwort auf die Krise. Ansonsten sollte man den Eindruck vermeiden, die Krise zu instrumentalisieren, um doch noch zu bekommen, was wir die vergangenen fünf Jahre vergeblich versucht haben umzusetzen.“

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Auf der Suche nach dem richtigen Gesamtkonzept

Zum Thema Nachfragestau ergänzte Willi Kaczorowski: „Ich glaube in diesem Zusammenhang lautet eines der entscheidenden Stichworte Breitband. Der Städte- und Gemeindebund spricht in diesem Zusammenhang inzwischen von einer völlig veränderten Situation. Viele Bürgermeister haben sich mittlerweile dazu gezwungen gesehen, Bürgerversammlungen einberufen, in denen 200, manchmal 250 Bürger forderten: Wir wollen endlich den Anschluss an die Datenautobahn. Das ist der erste Nachfragestau, denn das Konjunkturpaket jetzt auch zu Recht auflösen will. Das zweite Thema, das mir einfällt, ist D 115. Die 115 ist im Augenblick als Sparprojekt angelegt. Die gesamte erste Phase des Projektes lief auf Sparflamme, weil man sagte, wenn wir schon wenig Mittel haben, dann müssen wir uns auf die Infrastruktur konzentrieren, die bereits in den Kommunen vorhanden ist. Wenn man aber diese Infrastruktur als Grundlage nimmt, lassen sich zwar in einem eng begrenzten Bereich Call Center errichten, diese sind aber nur in der Lage, begrenzte Auskünfte zu geben. Mit mehr Finanzmitteln tun sich ganz andere Möglichkeiten auf, zum Beispiel virtuelle Call Center. Dann muss nicht jeder Bürgermeister in seine Turnhalle Schreibtische stellen und mit eigenem Personal die Anfragen bearbeiten. Wir haben Beispiele aus dem Ausland, die auf Virtualität und Voice over IP setzen und bewiesen haben, dass sich sogar Profitorganisationen an einer modernen Call-Center-Lösungen für die Öffentliche Hand beteiligen können.“

Stefan Kondmann präzisierte: „Dazu es gibt unterschiedliche Perspektiven. Eine zusätzliche finanzielle Unterstützung könnte der D 115 vielleicht nicht den entscheidenden aber doch einen sehr wichtigen Schub geben. Die Frage ist, ob dies das nachhaltige Programm ist, das wir alle suchen. Alleine die 115 ist es sicher nicht. Und der Einheitliche Ansprechpartner ist es sicher auch nicht. Das Projekt D 115 ist sehr wichtig, da das Projekt in vielen anderen Bereichen der Verwaltungsmodernisierung Impulse setzen kann. Ein wirksames Gesamtkonzept entsteht für mich aber nur im Konzert mit Infrastrukturmaßnahmen, wie der Breitbandinitiative. Wenn ich die Grundlage habe, dann kann darauf arbeiten. Wenn ich jedoch den zweiten vor dem ersten Schritt tue, laufe ich Gefahr, zu stolpern.“

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