IT-Investitionsprogramm

Nicht nach dem Prinzip Gießkanne

Seite: 2/9

Firmen zum Thema

Informationstechnologie erhöht die Rendite

Jon Abele, beim Beratungsunternehmen BearingPoint zuständig für den Public Sector, erklärte dazu: „Grundsätzlich sollte es das Ziel jeder Maßnahme sein, die zur Bekämpfung der Finanzkrise aufgesetzt wird, Konsum, Kaufkraft und Investitionen zu fördern. Um den Arbeitsmarkt voranzubringen, sollten es aber vor allem nachhaltige Ausgaben sein. Der Versuchung, hier wieder in Beton investieren, sollte man widerstehen. Wir müssen uns überlegen, wie man den Standort Deutschland wirklich weiter bringt. Nach meiner Meinung sind Investitionen in IT – und hier besonderes in die Verwaltungsmodernisierung – besonders geeignet, weil es sich hier um Investitionen handelt, die sich rechnen. Denn nach der Wirtschaftskrise wird die Öffentliche Hand wieder eine strenge Haushaltskonsolidierung betreiben müssen. Da die Verwaltung mit IT-Investitionen Einsparungen in den Folgejahren realisieren kann, macht sie das attraktiv. Zum anderen erzeugen diese Investitionen nach unserer Auffassung eine Art Umwegrendite, da sie dafür sorgen, dass durch den Einsatz von IT Bürokratiekosten tatsächlich gesenkt werden. Eine solche Vorgehensweise würde den Standort Deutschland sehr viel attraktiver machen und auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft deutlich erhöhen.“

Jon Abele vertrat die Überzeugung, dass es eine ganze Reihe von Projekten gibt, die die beschriebenen Renditen erbringen könnten. „Wenn zum Beispiel der elektronische Personalausweis eingeführt wird und man sich im Rahmen der Förderprogramme dazu entschließen könnte, ihn eben doch mit der elektronischen Signatur auszustatten, dann könnte dies ganze Geschäftszweig dazu ermutigen, ihre Authentifizierungswerkzeuge darauf abzustellen und entsprechende Geschäftsmodelle zu entwickeln. Daher ist ein solches Investitionsprogramm – da es nachweislich Renditen erwirtschaftet und Multiplikationsfaktoren schafft, geeignet, die Wirtschaft in der Krise zu unterstützen.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Neue Straßen sind kein Weg aus der Krise

Edda Peters, Geschäftsführerin von subreport, unterstützte diese Ansicht, indem sie ausführte: „Neue Straßen zu bauen ist kein Weg aus der Krise. Der Staat ist bereits heute nicht in der Lage, sein bestehendes Straßennetz zu unterhalten.“

Peters wandte sich damit ebenfalls gegen jene Kräfte, die Fördermittel ausschließlich in traditionelle Infrastrukturprojekte investieren wollen. Leider seien jedoch im Rahmen der Konjunkturpakete weiterer Straßen ausgeschrieben worden. Ein erheblicher Teil der Investitionen gehe nun in den Straßenbau.

Jon Abele unterstützte sie in dieser Einschätzung, indem er anmerkte, dass ein solches Investitionsverhalten – im Gegensatz zur Verwaltungsmodernisierung, die durch den Bürokratieabbau Kosten senke – weitere Folgekosten nach sich zöge.

Dazu Abele: „Im Sinne einer Wirtschaftsförderung, die sich die Modernisierung Deutschlands auf die Fahnen geschrieben hat, ist das kontraproduktiv. Bei einem allzu konservativen Ansatz ist diese Gefahr unserer Meinung nach besonders groß.“ Sinnvoller sei es, die vielen eGovernment- und Verwaltungsmodernisierungsprojekte, von denen nicht wenige – trotz nachgewiesener Qualität – an einer Unterfinanzierung leiden würden und deswegen nicht vorankämen, zu fördern. Zu diesen unter einem gravierenden Ressourcenmangel leidenden Projekten gehörten auch viele gute Projekte des Bundes.

Nächste Seite: Konsolidierung kostet Geld

(ID:2020806)