Sachsen-Anhalt verabschiedet IT-Strategie Neukonzipierte IT-Steuerung soll Verwaltungsmodernisierung fördern

Redakteur: Manfred Klein

Sachsen-Anhalt hat eine von Staatsminister Rainer Robra vorgelegte IT-Strategie verabschiedet. Laut Aussage der Staatsregierung liegt damit ein umfassendes und ressortübergreifendes Konzept zur Modernisierung der Informations- und Kommunikationstechnologie der Landesverwaltung vor. eGovernment Computing stellt die Grundzüge des neuen Konzeptes vor.

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Konsolidierung. Staatsminister Rainer Robra setzt auf die Vereinheitlichung der Landes-IT
Konsolidierung. Staatsminister Rainer Robra setzt auf die Vereinheitlichung der Landes-IT
( Archiv: Vogel Business Media )

Anlässlich der Verabschiedung der IT-Strategie erklärte Staatsminister Rainer Robra: „Eine leistungsfähige Verwaltung ist ohne verbesserte Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie heute nicht mehr vorstellbar.“ Ziel sei die Optimierung der IT-Steuerung in der Landesverwaltung im Zusammenspiel mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen.

Zur Begründung heißt es in der Strategie: „Die Öffentliche Verwaltung Sachsen-Anhalts vollzieht einen vielschichtigen Modernisierungsprozess auf allen Ebenen. Vorrangiges Ziel dieser Modernisierung im Land ist die Stärkung Sachsen-Anhalts durch den Ausbau des Dienstleistungscharakters einer modernen, leistungsstarken, rechtsstaatlichen Öffentlichen Verwaltung für Bürger, Politik und Wirtschaft. Die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit sind dabei – auch angesichts der Haushaltslage des Landes – wesentliche Rahmenbedingungen.“

Ziele der Strategie

Weiter heißt es dazu: „Ziel der Verwaltungsmodernisierung im Land Sachsen-Anhalt ist die Stärkung des Standortes. Die IT-Strategie zielt dabei auf den unterstützenden, auf Kontinuität und Wirtschaftlichkeit zielenden Einsatz einer leistungsfähigen und modernen Informations- und Kommunikationstechnologie (IT). Der IT fällt aufgrund der sich rasant verändernden technischen Möglichkeiten eine Schlüsselrolle zu, wo möglich und nötig die Modernisierung der Verwaltung auch als Ordnungsfaktor zu begleiten; der Einsatz der IT ist dabei nie Selbstzweck.“

Staatsminister Robra erklärte dazu: „Die Menschen interessiert weniger, wer für was zuständig ist. Sie wollen ihre Verwaltungsangelegenheiten möglichst zügig und unbürokratisch online erledigen. Hier sind Land und Kommunen gleichermaßen gefordert. Das Land ist dabei insbesondere in der Pflicht, Standardlösungen zu entwickeln und den Kommunen anzubieten.“

Zur Erreichung dieser Vorgaben legt die verabschiedete Strategie folgende Maßnahmen fest:

  • Elementarer organisatorischer Bestandteil der IT-Strategie ist die Ausrichtung auf einen zentralen IT-Dienstleister für die gesamte Landesverwaltung. Die Landesverwaltung soll so über einen Dienstleister verfügen, der vom Betreiben zentraler IT-Aufgaben bis hin zur Abwicklung von eGovernment-Prozessen alles erbringt und eine wesentliche Reduzierung der derzeit rund 300 IT-Betriebsstätten möglich macht. So soll durch den Aufbau einer zentralen diensteorientierten IT-Architektur eine offene, skalierbare und sichere Basis für die Unterstützung der Prozesse der Landesverwaltung durch die IT geschaffen werden.
  • Zweiter Baustein der IT-Strategie ist die konsequente Standardisierung von Soft- und Hardware und der Einsatz von offenen Standards und Open-Source-Produkten in der Landesverwaltung. Bei allen IT-Verfahren hat die Verwendung von Standardsoftware und existierenden Lösungen Vorrang vor Neuanschaffungen oder Eigenentwicklungen.
  • Ein dritter Schwerpunkt ist der Ausbau des IT-Controllings. Der zielgerichtete Einsatz der jährlichen IT-Mittel in Höhe von über 50 Millionen Euro erfordert eine umfassende Steuerung aufgrund einheitlicher Vorgaben. Durch die einheitliche IT-Strategie des Landes sollen mittel- und langfristig die Grundlagen für die IT-Konsolidierung in der Landesverwaltung gelegt und damit der weitere wirtschaftliche Einsatz der Haushaltsmittel ermöglicht werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Strategie sind die Schaffung bestmöglicher Sicherheitsstandards sowie die Institutionalisierung der umfassenden Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen.

Um diese Vorgaben zu erreichen, strebt die IT-Strategie des Landes an, bei der Nutzung der Informationstechnologie einen hohen Grad der Prozessintegration über Anwendungs- und Behördengrenzen hinweg zu ermöglichen und durch Bereitstellung gemeinsam genutzter Basisdienste für die gesamte Öffentliche Verwaltung die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die technische Modernisierung der Erledigung von Verwaltungsaufgaben zu schaffen.

Weiter heißt es dazu: „Die Festlegung und Anwendung einheitlicher IT-Standards innerhalb der Landesverwaltung ist von fundamentaler Bedeutung für einen zukunftssicheren, wirtschaftlichen IT-Einsatz und den Aufbau der ressortübergreifenden IT-Infrastruktur.“

Weiter sollen durch die höchstmögliche Vereinheitlichung der Arbeitsplatzausstattung Kostenvorteile bei der Beschaffung und im Betrieb erschlossen werden. Im Dokument heißt es dazu: „Die zentrale Beschaffung von Standard-Hardware hat sich bewährt, sie wird künftig über den zentralen IT-Dienstleister abgewickelt und ausgebaut. Eine einheitliche Hardwarearchitektur für die Landesverwaltung gewährleistet, dass die ausgewiesenen Softwarestandards umgesetzt und die Querschnitts- und Fachanwendungen effizient betrieben werden können. Der Einsatz von offenen Standards und Open-Source-Produkten wird in der Landesverwaltung weiter vorangetrieben. Für den ungehinderten Informationsfluss innerhalb der Verwaltung sind die zu verwendenden Datenformate zu standardisieren.“

Zudem habe bei der Einführung von IT-Verfahren die Verwendung von Standardsoftware, existierenden Lösungen oder die Beteiligung an Entwicklerverbünden Vorrang vor Eigenentwicklungen.

Wie in einigen anderen Bundesländern strebt Sachsen-Anhalt durch die Bereitstellung und Nutzung von geeigneten Steuerungsinstrumenten an, Optimierungspotenziale zu erschließen. Dazu soll das Controlling weiter ausgebaut werden. Einsparungseffekte soll auch die verbindliche Regelung zwischen den Ressorts und dem zentralen IT-Dienstleister als Kunden-Lieferantenbeziehung hinsichtlich Leistungsanspruch, Leistungserbringung und Kosten erbringen. Auf der Basis dieser Festlegungen sollen auch Vergleiche mit am Markt angebotenen IT-Dienstleistungen ermöglicht werden.

Teil der Gesamtstrategie

Die IT-Strategie baut auf dem IT-Leitbild auf, das am 20. März 2000 von der Landesregierung verabschiedet wurde. Darin wurde die IT als Schlüsseltechnologie und Innovationstreiber für die Verwaltungsmodernisierung sowie als Medium für Führungsentscheidungen definiert. Mit der IT-Strategie sollen Ziele des Leitbildes für die Mittelfristplanung konkretisiert und mit substanziellen Maßnahmen untersetzt werden.

Zudem nimmt die IT-Strategie des Landes zentrale Anforderungen aus dem eGovernment-Aktionsplan der Landesregierung aus dem Jahr 2004 auf und initiiert ressortübergreifende Maßnahmen zu dessen Umsetzung. Die Planungen aus dem IT-Konzept der Landesverwaltung von 2005 sollen mit der vorliegenden IT-Strategie entsprechend der aktuellen Erfordernisse weiterentwickelt und fortgeschrieben werden.

Grundlage aller Aktivitäten ist ein zwei Jahre altes externes Gutachten über die Zusammenführung aller zentralisierbaren Rechenzentrumsdienstleistungen, das wichtige Empfehlungen für die Modernisierung der IT gegeben hat.

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