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eGovernment aus Bayern Neues Strategiekonzept für übergreifende Dienstleistungen

Redakteur: Manfred Klein

Ohne großes Aufsehen hat der Freistaat bereits im Herbst des vergangenen Jahres zentrale Elemente seiner neuen eGovernment-Strategie auf den Weg gebracht. Ambitioniert an den Plänen ist nicht nur der enge Terminplan. Sollte alles nach den Vorstellungen der Planer laufen, wird Bayern vermutlich zu den führenden eGovernment-Playern in Deutschland aufrücken.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Während die Spitze der Bayerischen Staatsregierung zur Zeit täglich für Schlagzeilen und das Bayerische Innenministerium mit publikumswirksamen Äußerungen zum Thema Killerspiele von sich reden macht – auch wenn man auf deren Sachverstand nicht unbedingt vertrauen mag – macht sich hinter den Kulissen der Staatskanzlei in Sachen eGovernment Aufbruchsstimmung breit. Haben doch die Bayern im vergangenen Jahr nicht nur die Anschaffung einer speziellen Suchmaschine für das in Planung befindliche Landesportal beschossen, sondern auch gleichzeitig eine Um-setzungsstrategie für das Portal und ein Strategiepapier zum geschäftsprozessorientierten eGovernment auf den Weg gebracht (eGovernment Computing berichtete). Damit sind die Grundlagen für die eGovernment-Infrastruktur im Freistaat auf eine neue Basis gestellt worden.

eGovernment-Architekturkonzept

Das Architekturkonzept dazu fußt zum einen auf der im Herbst 2005 durch den Ministerrat verabschiedeten IuK-Landesstrategie und zum anderen auf dem schon erwähnten Strategiepapier zum geschäftsprozess-orientierten eGovernment. Die eGovernment-Architektur soll dazu dienen, das eGovernment-Portal des Freistaates zu etablieren, die Verwaltungsdienstleistungen Bürgern und Unternehmen schnell und unkompliziert bereitzustellen sowie die damit verbundenen Verwaltungsprozesse optimal unterstützen.

Zielvorgabe

Zu dieser Zielsetzung formuliert das Architekturkonzept der Bayern: „Gemäß der Bayerischen eGovernment-Strategie, die Beziehung zwischen der Verwaltung und den Bürgern Bayerns grundlegend neu zu gestalten, leiten sich verschiedene Ziele ab. So sollen neben der für den Bürger verbesserten Transparenz der Verwaltungsarbeit durch Einsatz der elektronischen Verwaltung Arbeitsabläufe für Bürger und Behörden erleichtert beziehungsweise effizienter gestaltet werden.“ Und weiter heißt es: „Die Bayerische Staatsregierung versteht eGovernment als eine Serviceerweiterung des Staates für Bürger und Unternehmen. eGovernment ist deshalb ein strategisch wichtiger Pluspunkt im weltweiten Standortwettbewerb.“

Zur technischen Umsetzung dieser Ziele verfolgen die Bayern einen Ansatz, der dem Konzept serviceorientierter Architekturen folgt. Damit sollen grundsätzlich drei Ziele erreicht werden: Die Wiederverwendbarkeit von Verfahrenskomponenten in verschiedenen Verwaltungsprozessen, das einfache Zusammenstellen von bestehenden Diensten zu neuen eGovernment-Prozessen beziehungsweise die „inkrementelle Erstellung und Auslieferung von Lösungen“, eine klare Definition der Anwendungstopologie.

Problemlösung

Beheben will der Freistaat damit auch ein Problem, das nach Meinung der Verantwortlichen heute noch auf viele eGovernment-Anwendungen und -Projekte zutrifft. Im Architekturkonzept werden die damit verbundenen Schwierigkeiten so beschrieben: „Heutige eGovernment-Infrastrukturen versuchen, durch ein themenorientiertes Informationsangebot nach dem Lebenslagenkonzept, dem Bürger beziehungsweise dem Mitarbeiter in Unternehmen den Zugang zu Behörden und Verwaltungsdiensten zu erleichtern. Hierbei werden aktuell noch die vorherrschenden organisatorischen Struk-turen der Institutionen und Behörden abgebildet. Die abgebildeten Verwaltungsprozesse sind in einer solchen Umgebung vertikal geschnitten und delegieren bestenfalls weiterführende Aufgaben und Informationen an partizipierende Behörden, ohne eine behördenübergreifende Prozesssteuerung zu realisieren.“ Der nächste Schritt, um die Qualität und Effizienz zu erhöhen, sei daher die Abbildung von ganzheitlichen, behördenübergreifenden, horizontalen Prozessen, welche den Bedarf des Bürgers in den Vordergrund stellen und die organisatorische Strukturen im Wesentlichen verborgen hält, heißt es dazu zusammenfassend in der Architekturplanung.

Womit die Verfasser, zwar etwas verklausuliert, aber dennoch deutlich den Umstand ansprechen, dass eGovernment ohne Verwaltungsreform wenig bringt.

Umsetzung der Strategie

Neben allgemeinen Erwägungen spielt besonders das Landesportal eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Strategie. Auf der allgemeinen Ebene haben die Verantwortlichen ein SOA-Steuerungsgremium zu etablieren. Dazu heißt es im Architekturkonzept: „Die Kernkomponenten einer serviceorientierten Architektur sind Portal-, Prozess- und Integrationsdomäne (Portal-, Prozess- und EBS-Server) und sollten daher frühzeitig in den entsprechenden Projekten zum Einsatz kommen, damit im Rahmen einer SOA Governance entsprechende Richtlinien und Vorgehensweisen etabliert und erprobt werden können.“ Zudem müsse aufgrund des eng gesteckten Zeitplans zur Realisierung der eGovernment-Infrastruktur gewährleistet sein, dass die eingesetzten Komponenten kompatibel zueinander seien. Die Autoren der Architekturplanung drängen daher darauf, „das Produktset eines Herstellers für die Realisierung zu verwenden“, um so Verzögerungen von Interoperabilitätsproblemen zu verhindern. Weiterhin müsse dieses Produktset in der Lage sein, zukünftige Skalierungsanforderungen zu meistern. Bleibt die spannende Frage, für welchen Anbieter man sich in der Staatskanzlei entscheiden wird.

Fazit

Beim Aufbau des Portals ist – neben der Suchmaschine – dem bayerischen Behördenwegweiser eine besondere Rolle zugedacht. Der Wegweiser, der in den vergangenen Jahren zum Teil unter erheblichen Geburtswehen gelitten hatte, scheint dieses Mal auf einem guten Weg zu sein. Jedenfalls sind die Verantwortlichen davon überzeugt (siehe dazu auch die Interviews). Für diesen Optimismus spricht, dass der eGovernment-Pakt mit den Kommunen des Landes nun ebenfalls langsam Fahrt aufnimmt, da diese für die angestrebte übergreifende horizontale Funktionalität unbedingt gebraucht werden. Über den Erfolg werden die nächsten Monate entscheiden.

(ID:2001825)