Digitale Agenda

Neue Strategien für eine ­digitalisierte Welt

| Autor / Redakteur: von / Manfred Klein

Die Herangehensweise

Die „Welt-an-sich“ ist immer komplexer als unsere Auffassungsgabe. Gefühlt wird sie also komplexer, wenn die Theorien und Frameworks, die wir nutzen, um in der Welt zu handeln, nicht mehr funktionieren. Die strukturelle Logik unserer Zeit ermöglicht Organisationen und Prozesse, die anders geschnitten sind als im 20. Jahrhundert. Wo es im 20. Jahrhundert darum ging, 1-zu-n Beziehungen (Massen-Technologien) zu organisieren (ob das Radio, Fernsehen oder das Fließband war), geht es im 21. Jahrhundert darum, n-zu-n Netzwerke (Internet, social media, development communities) zu strukturieren.

Und das heisst, dass sich die Aufmerksamkeit weg vom Zentrum, hin zum Nutzer bewegt. Diese Verschiebung bringt massive Veränderungen mit sich. Ganze Industrien verändern sich, ob das die Enzyklopädie (von Britannica zu Wikipedia), die Musikindustrie (von Napster bis Spotify), Fernsehen (Youtube, Vimeo), Mobilität (Car-Sharing, Ride-Sharing) oder die Hotel-Industrie (Couch-Surfing, AirBnB) ist.

Zweitens, das Potenzial von Organisationen, die durch n-zu-n Beziehungen strukturiert sind, ist so groß, dass zu erwarten ist, dass sowohl Unternehmen, Verwaltungen, als auch zivilgesellschaftliche Gruppen fundamental anders geführt und ge-managed werden. Dies geschieht allerdings nicht automatisch, sondern muss strategisch angegangen werden. Verkürzt geht es darum, dass man Offenheit strategisch einsetzt. Ein Thema wie Offenheit und Transparenz ist plötzlich auf der Tagesordnung und Verfassungsänderungen stehen an. Die Ersetzung des Amtsgeheimnisses durch eine aktive Veröffentlichungspflicht erscheint in vielen Ländern als ein weiterer Schritt zu „mehr Demokratie”. Die Grundidee von Offenheit hat strategisches Potenzial und ist allerdings auch jenseits der Transparenzdebatte relevant. Denn Offenheit als Mittel ermöglicht neue strategische Ansätze, neue Organisationsformen und neue Formen der Führung.

Erste Anzeichen dafür sind Open Data, Open Access, OpenStreetmap, Open Science oder Open Government, aber implizit auch bei Themen wie Big Data, Cybersecurity, Bring-your-Own-Technology (BYOT) und Cloud-Computing.

Es ist heute wichtiger denn je, dass sich Entscheider in Organisationen (Management/Politik) mit diesen Fragen auseinandersetzen, um die Potenziale die ein strategischer Einsatz von Offenheit mit sich bringt, zu realisieren. Nur wenn wir Offenheit als Mittel einsetzen werden wir es schaffen, unsere Organisationen und Gesellschaften erfolgreich im 21. Jahrhundert zu führen.

Um erfolgreich Komplexität zu managen, die durch die Möglichkeit entstanden ist, Organisationen durch n-zu-n Beziehungen zu strukturieren, müssen wir Strategie, Management und Führung anpassen. Wo setze ich Offenheit ein, um meine Ziele zu erreichen, welche Plattformen sind dafür geeignet, wie führe ich „Communities“, die ich nicht durch vertraglich abgesicherte Anreize/Sanktionen managen kann und wie sichere ich die Qualität des Outputs?

Die Kombination einer neuen Technologie (dem Internet und allem was damit zu tun hat) mit neuen organisatorischen Ansätzen (Globalisierung und allem was damit zu tun hat) konfrontiert uns mit der Herausforderung, dass wir unsere Verantwortung in Bezug auf die Digitalisierung unserer Lebenswelten wahrnehmen müssen.

Nur so können wir die Komplexität unserer Zeit meistern. Die Aufgabe, mit der wir heute konfrontiert sind, ist, um in den Worten von Angela Merkel zu bleiben, „Management im Neuland.“

Wir brauchen strategische Ansätze, die diese logische Veränderungen in konkrete Maßnahmen übersetzen. Nur so werden wir es schaffen, die europäische Sensibilität für Rechstaatlichkeit und gesamtgesellschaftlichem Ausgleich in die globale Informationsgesellschaft übersetzen. Wichtig ist, dass wir das Potenzial der Digitalisierung angehen und dabei die Grenzen, die wir uns als Gesellschaft setzen wollen klar im Blick haben. Die entscheidende strategische Frage für das anbrechende Zeitalter, ist, „wie offen soll unsere Offenheit sein?“ In den Worten des Dichter und Denkers Kurt Tucholsky: „Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“

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Danke, Dominik! Gute Punkte, die weiter ausgearbeitet werden müssen. - Philipp Müller  lesen
posted am 14.03.2014 um 07:22 von Unregistriert

I like! Sehr gute Zusammenfassung! Ich hätte mir neben Logik und Strategie noch explizitere...  lesen
posted am 10.03.2014 um 13:41 von Unregistriert


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