Digitale Agenda

Neue Strategien für eine ­digitalisierte Welt

| Autor / Redakteur: von / Manfred Klein

(Foto: 1200_Dreaming-Andy - Fotolia.com)

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer digitalen Agenda. Diese soll Deutschland auf allen Gebieten den Weg in eine digitalisierte Gesellschafts eben. Dazu braucht es jedoch auch neue Strategiekonzepte in Politik und Verwaltung. Davon ist der Autor, Dr. Philipp Müller, überzeugt.

Wir leben in einem Zeitalter der Digitalisierung aller wesentlichen Infrastrukturen, Organisationen und Lebenswelten unserer Gesellschaft. Sie verändert Prozesse und Geschäftsmodelle nachhaltig, ob in der Energiewirtschaft, dem Gesundheitswesen, der Bildung, der Mobilität, der Gesellschaft, oder im Staat. In der Privatwirtschaft wird dies zur Zeit mit dem Begriff Industrie 4.0 beschrieben.

Eine vollständig digitalisierte, auf die Interaktion mit den Nutzern ausgerichtete, zur Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Stakeholdern befähigte Staatlichkeit, die durch Entscheider und Mitarbeiter geprägt ist, die eine solches Organisationsmodell leben, liegt allerdings noch in weiter Ferne. Es gibt technische, bürokratische, organisationelle, aber auch juristische, politische, kulturelle und philosophische Hürden auf dem Weg dorthin.

Eine digitale Agenda für Deutschland?

Denn, wenn es um die konkrete Ausgestaltung der digitalen Agenda geht, herrscht noch keine Einigkeit. Politik, Verwaltung, Unternehmen, Universitäten und die Zivilgesellschaft haben in den letzten zehn Jahren oft aneinander vorbeigeredet, wenn es um die Themen eGovernment, Digitalisierung, Netzwerkgesellschaft und das Internet als gesamtgesellschaftliches Phänomen ging. Zuständigkeiten sind über Ministerien und föderale Ebenen verteilt. Es fehlt ein Verständnis für das Zusammenspiel zwischen der strukturellen Logik und den Gestaltungsräumen, die für Informationsgesellschaft kennzeichnend ist – ob das im IT-Planungsrat oder in den Fachministerkonferenzen, in den Ländern oder den Ressorts ist. Aber genau dieses Zusammenspiel ist notwendig, wenn wir den Schritt in die Netzwerkgesellschaft tun wollen.

Denn jede Einzelmaßnahme, ob das eine sichere Identität im Netz, die elektronische Akte, die Langzeitdatenarchivierung, Regelungen für Datenschutz und Eigentum, sichere Kommunikationswege oder der Ausbau der Netze ist, bleibt Stückwerk, solange sie nicht Teil einer orchestrierten digitalen Agenda ist.

Modular gewordene ­Mega-Trends

Denn die digitale Dividende kann nur gehoben werden, wenn auch digital-vernetzt gedacht wird. Und die grundsätzliche Logik ist nicht kompliziert. Sie besteht aus vier sehr unterschiedlichen, aber im Zusammenspiel modular gewordenen historischen Kräften, die unsere Netzwerkgesellschaft bedingen:

  • 1. Die Fähigkeit Daten zu erheben und zu verarbeiten erlaubt uns unsere Welt anders zu verstehen und zu steuern - Datafizierung.
  • 2. Die Fähigkeit Systeme miteinander zu vernetzen, erlaubt uns anders zu organisieren und kollaborieren - Vernetzung.
  • 3. Die Perspektiv-Verschiebung von Aufgabe zu Prozessen erlaubt uns organisationsübergreifend über das Erreichen von Wirkung nachzudenken – Prozess- und Architekturdenken.
  • 4. Die Fähigkeit pragmatisch und meritokratisch im kleinen, wie im großen Entscheidungen zu treffen, a la „rough consensus and running code“ der Internet Engineering Task Force 0 der Multistakeholder-Governance Ansatz.

Grundsätzlich kann man annehmen, dass diese vier Megatrends die Gestaltungskompetenz eher dezentralisieren als zentralisieren und die Unterscheidung zwischen Produzent und Konsument, also auch zwischen Staat und Bürgern beziehungsweise und Nutzern relativieren.

Das heißt, die für Politik und Verwaltung epistemologisch relevanteste Einheit um diese Transformation zu denken sind „die Bürger“ und/oder allgemeiner gesprochen die „Nutzer“. Das Potenzial von Organisationen, die durch vernetzte Daten strukturiert sind, ist so groß, dass zu erwarten ist, dass sowohl Unternehmen, Verwaltungen, als auch zivilgesellschaftliche Gruppen fundamental anders geführt und ge-managed werden. Dies geschieht allerdings nicht automatisch, sondern muss strategisch angegangen werden.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Danke, Dominik! Gute Punkte, die weiter ausgearbeitet werden müssen. - Philipp Müller  lesen
posted am 14.03.2014 um 07:22 von Unregistriert

I like! Sehr gute Zusammenfassung! Ich hätte mir neben Logik und Strategie noch explizitere...  lesen
posted am 10.03.2014 um 13:41 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42535822 / Projekte & Initiativen)