OZG-Umsetzung

Neue Register für ein benutzerfreundliches eGovernment

| Autor: Manfred Klein

Ist das No-Government-Modell die Zukunft?l
Ist das No-Government-Modell die Zukunft?l (© contrastwerkstatt – stock.adobe.com)

In ihrem Bestreben, möglichst präzise zu formulieren, gerät den Verfassern von Behördenformularen ihr Werk gerne ein wenig umständlich. Ähnliches gilt auch für so manches Behördenportal. Die Suchfunktion und fehlende innere Logik haben schon manchen Nutzer zur Verzweiflung gebracht. Da erstaunt es nicht, dass die Bürger, laut „Digital Government Barometer 2018“ des Beratungsunternehmens Sopra Steria sich weniger Verwaltungsdeutsch und mehr Übersicht auf den Online-Portalen wünschen.

So wünscht sich laut Studie sich die Bevölkerung in Deutschland einfachere Verfahren bei Behördengängen. 85 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind für sprachliche Vereinfachungen bei Behördenangelegenheiten, beispielsweise für weniger Fachausdrücke und weniger Textwüsten im Internet. 88 Prozent würden gerne im Internet begonnene Vorgänge, wie die Ummeldung des Wohnsitzes, online auch final abschließen können. Fast genauso viele Menschen in Deutschland hätten gerne eine zentrale digitale Plattform und eine einheitliche Navigation auf Onlineportalen, um sich besser auf einzelnen Internetseiten der Öffentlichen Verwaltung zurechtzufinden.

Die Bürgerinnen und Bürger in den untersuchten Staaten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Spanien sind sich laut den Verfassern der Untersuchung einig: Online-Verfahren helfen aus ihrer Sicht nur, wenn die Inhalte allgemein verständlich und zügig navigierbar sind. Erste Ansätze dazu gibt es bereits. so wird eine bürgernahe Amtssprache in Deutschland vor allem in der Finanzverwaltung vorangetrieben. Etwa in Nordrhein-Westfalen: Hier hat das Finanzministerium rund 600 Vordrucke überarbeiten lassen, um sie lesbarer und übersichtlicher zu machen.

„Eine digitale Verwaltung zeichnet sich dadurch aus, dass Texte auf den Web-Portalen gezielt für das Internet geschrieben sind und Erklärungen möglichst durch Bilder oder sogar Videos unterstützt werden“, sagt Ronald de Jonge, Leiter Management Consulting für den Geschäftsbereich Public Sector von Sopra Steria Consulting. „Für die Öffentlichen Verwaltungen kommt es nun darauf an, den Spagat aus internetgerechten und rechtssicheren Inhalten und Prozessen zu schaffen.“

One-Stop-Shopping ist beliebt

Vereinfachungen erhoffen sich die Bürgerinnen und Bürger generell bei allen Behördengängen: Acht von zehn Befragten in Deutschland wünschen sich eine fallabschließende Bearbeitung ihrer Anträge, Anfragen und Einsprüche direkt über das Internet. Die Mehrheit ist für ein so genanntes One-Stop-Shopping. So können mehrere Anliegen, die sich aus derselben Lebenslage ergeben, gemeinsam erledigt werden.

Das Beispiel Unternehmensgründung zeigt nach Ansicht der Autoren die gesellschaftliche Relevanz dieses Ansatzes: Die Integration notwendiger Verfahrensschritte – Führungszeugnis (Bundesjustizministerium), Meldebescheinigung (Einwohnermeldeamt) Handelsregistereintrag (Amtsgericht), Gesellschaftervertrag (Notar), Unternehmensanmeldung (Gewerbeamt) und die Steuer-ID (Finanzamt) – in ein intelligentes und medienbruchfreies Gesamtverfahren verspräche einen spürbaren Mehrwert.

Darüber hinaus wäre es für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland eine große Erleichterung, wenn sie beispielsweise sämtliche Schritte beim Ummelden des Wohnsitzes oder den Antrag auf Kindergeld in einer gewohnten digitalen Umgebung mit gelernten Abläufen durchführen könnten. Diese Anforderung hängt eng mit dem Wunsch nach einem digitalen Bürgerkonto zusammen, das Zugriff auf alle Informationen und die wichtigsten Behördendienstleistungen bietet.

Zukunft in digitale Verwaltung gleich einbauen

Mit dem gerade entstehenden Portalverbund sollen Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen genau diese Vorzüge erhalten und alle Verwaltungsservices erreichen – unabhängig davon, wo sie danach suchen. Um dieses Ziel zu erreichen, so die Autoren, und durchgängig digitalisierte Verwaltungsprozesse zu ermöglichen, sei die Harmonisierung und Modernisierung der Register sowie ein behördenübergreifendes Datenmanagement unerlässlich.

„Die Anforderungen der Menschen im Land zu erfüllen, bedeutet in einem föderalen Staat wie Deutschland besonders große Anstrengungen für Bund, Länder und Kommunen“, so de Jonge. „In erster Linie sind säulenübergreifende Kooperationen und eine enge Abstimmung erforderlich, eine kontinuierliche Berücksichtigung neuster Technologien sowie Managementansätze für eine nutzerorientierte Einführung.“

Ein nutzerorientierter Ansatz der Zukunft ist zum Beispiel das sogenannte No-Government. Gemeint ist, dass nicht die Verwaltungskunden aktiv werden, um zum Beispiel den Reisepass zu verlängern, sondern die Behörden die Initiative ergreifen und zusätzlich erforderliche Daten, Dokumente und Ähnliches gezielt anfordern. Die Bevölkerung würde derartige Verbesserungen laut Studie begrüßen: 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie mehr Zeit für andere Dinge hätten, wenn sie Behördengänge via Computer, Smartphone oder Tablet erledigen könnten. 52 Prozent sehen den Vorteil, dass Behörden durch digitale Prozesse und Vernetzung Zeit gewinnen und dadurch Fälle schneller bearbeiten könnte. Zudem versprechen sich 43 Prozent der Bundesbürger, dass Online-Prozesse die öffentlichen Haushalte entlasten würde.

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... um zum Beispiel den Reisepass zu verlängern ..: ein deutscher Reisepass kann nicht verlängert...  lesen
posted am 30.01.2019 um 11:32 von MTonndorf


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