CeBIT und Public Sector Parc 2011 Neue Lösungen für die Öffentlichen Verwaltungen

Redakteur: Gerald Viola

Cloud Computing war auf der CeBIT unübersehbar. Und auch im Public Sector Parc konnten die Besucher der Wolke nicht entrinnen. Was sonst noch wichtig für die Öffentliche Verwaltung ist, hat die eGovernment-Redaktion in der neuen Printausgabe zusammengestellt, die heute erscheint. Sie können sich hier bereits online informieren.

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eGovernment: IT statt Papier
eGovernment: IT statt Papier
( Foto: Deutsche Messe )

Zugegeben: Die passende AusweisApp kommt erst Ende des Jahres und die bisher zertifizierten Lesegeräte können mit einer elektronischen Signatur im neuen Personalausweis noch nichts anfangen. Aber: Der Vorstoß, den Hessen bei den Online-Anträgen zur EU-Dienstleistungsrichtlinie unternimmt, ist beispielhaft und könnte eGovernment umkrempeln und medienbruchfreie Prozesse in den Öffentlichen Verwaltungen voranbringen.

Auf der CeBIT (hier geht es zur Bildergalerie) zeigten das Land Hessen, die Bundesdruckerei und SAP, wie eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) innerhalb weniger Minuten auf den neuen Personalausweis übertragen und genutzt werden könnte. Bisher dauert der Antragsprozess für eine digitale Signatur fünf bis zehn Arbeitstage. Die Daten des Anwenders müssen dabei erst digital und nach einem persönlichen Identifikationsvorgang per Post bei einem akkreditierten sogenannten Trustcenter eingehen. Erst dann dürfen sie bearbeitet werden.

Um innerhalb von Minuten eine QES beantragen und nutzen zu können, muss sich der Anwender online mit seinem neuen Personalausweis authentifizieren. Die Daten gehen verschlüsselt direkt an ein Trustcenter, wie beispielsweise das der Bundesdruckerei: „D-TRUST“. Dort wird umgehend ein Zertifikat erstellt und dieses über eine angepasste Version der „AusweisApp“ zurück auf den Personalausweis gespielt.

Signieren statt drucken

Die medienbruchfreie Abwicklung der Anträge wird bisher von gesetzlichen Schriftformerfordernissen unterbrochen, die eine persönliche, handschriftliche Unterschrift verlangen. Besitzt der Antragsteller keine elektronische Signatur, muss er die Unterlagen ausdrucken, unterschreiben und per Post an den Einheitlichen Ansprechpartner senden. Um die neue medienbruchfreie Verfahrensweise zu realisieren, „spendiert“ Hessen den Antragstellern eine zeitlich befristete elektronische Signatur und senkt damit deutlich die Verfahrenskosten, da die Prozesse komplett elektronisch ablaufen können.

Und auch für das Online-Banking bietet sich das Verfahren an: Eine Bank könnte ihren Kunden zeitlich begrenzte elektronische Signaturen (beispielsweise für jeweils zwölf Monate) zur Verfügung stellen. Die Kunden könnten dann mit nPA-PIN und Signatur-PIN Zahlungsaufträge signieren und ohne PIN/TAN sicher mit dem nPA agieren.

Neu im Portfolio der Bundesdruckerei sind darüber hinaus Systeme zur Echtheitsprüfung von Dokumenten für den privatwirtschaftlichen Markt, wie für Mobilfunkunternehmen, Autovermieter oder Banken: „VISOCORE Verify“ soll mithilfe moderner Dokumentenlesegeräte und passender Software Betrug und Identitätsmissbrauch bei Vertragsabschlüssen unterbinden.

Als erstes Unternehmen hat die Deutsche Messe eine konkrete Anwendung für den neuen Personalausweis angeboten. Inhaber des Ausweises mit freigeschalteter Online-Funktion erhielten für einen Tag freien Eintritt zur CeBIT. „Knapp 1.000 Besucher haben sich bequem und hochmodern ihr Ticket mit dem neuen Personalausweis gezogen“, so das Messe-Fazit. Freude bei bremen online services, die die Anwendung entwickelten. Das Projekt soll zur Hannover Messe wiederholt werden.

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Mach startet M2

„Zukunftsfähige Software muss trotz umfangreicher Funktionalität leicht bedienbar und schnell zu erlernen sein. Diese Anforderung setzen wir konsequent um“, sagte Dr. Margrit Müller-Ontjes, Vorstand der MACH AG, und präsentierte in Hannover die neue Softwaregeneration MACH M2. Die Vorteile der vollständig webbasierenden Software nach Herstellerangaben:

  • attraktives Benutzerdesign
  • überzeugende Benutzerführung
  • hervorragende Balance zwischen Funktionalität und Bedienbarkeit
  • offen für neue Technologien und Betriebsmodelle, etwa mobile Anwendungen und Cloud Computing
  • einfache Installation und Administration
  • geringer Schulungsaufwand
  • höchste Flexibilität
  • Lösung wächst und wandelt sich mit den Anforderungen
  • modernste Entwicklungstools auf der Basis von anerkannten Standards
  • überzeugendes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Prokurist Jochen Michels: „Neben der neuen Generation wird MACH C/S als bewährtes und am Markt erfolgreiches Produkt weiter gepflegt und entwickelt. Jeder Kunde entscheidet selbst, ob und wann er umsteigen möchte. Schließlich handelt es sich bei MACH C/S um eine überaus bewährte Lösung für die Öffentliche Verwaltung.“

Shared Storage

DataCore Software stellte die Storage-Virtualisierungssoftware SANsymphony-V R8 erstmals einem breiten Publikum vor. Auf dem „Virtualisation & Storage Forum“ informierte der Anbieter von Speichervirtualisierungssoftware über den optimalen Einsatz mit Server- und Desktopvirtualisierungen. SANsymphony-V macht aus konventionellen Speichergeräten leistungsstarke Shared-Storage-Lösungen für Infrastrukturen mit dynamischer Desktop- und Servervirtualisierung. Die neue Generation der Software beseitigt dabei die typischen Performance-Probleme und Ausfallzeiten auch bei geschäftskritischen Applikationen wie Datenbanken oder eMail-Servern.

SANsymphony-V verarbeitet dabei eine Vielzahl unterschiedlicher Workloads automatisch und simultan, ohne dass Veränderungen in der Speicherplatzzuweisung zu Ausfällen, Verzögerungen oder Geschwindigkeitsengpässen führen.

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Hybrid-Kommunikation

In Kombination mit Microsoft Windows Server 2008 R2 Hyper-V und Microsoft System Center unterstützt DataCores SANsymphony-V Anwender bei der Reduzierung der Storage-Kosten und liefert gleichzeitig eine bessere Performance und Verfügbarkeit“, sagte Mike Schütz, Senior Director of Product Management für die Server- und Cloud-Division bei Microsoft. Und Parag Patel, Vice President, Global Strategic Alliances,

VMware: „Durch unsere Partnerschaft mit DataCore kann VMware die Vorteile einer einfachen, ergänzenden und hochverfügbaren Storage-Lösung liefern, die für den Einsatz mit der VMware-Plattform optimiert ist. SANsymphony-V hilft die Vorteile der VMware-Lösung zu erweitern, einschließlich verbesserter Hardware-Flexibilität, zusätzlicher Speicherplatzauslastung und Hochverfügbarkeit.“

Materna präsentierte die aktuelle Version ihrer Lösung „eAkte-Basispaket“ für die elektronische Aktenführung. Das eAkte-Basispaket ermöglicht eine elektronische Aktenführung und ist vollständig in die Microsoft-Office-Umgebung integriert.

Damit ist für Kommunen, Landes- und Bundesbehörden erstmals eine Lösung verfügbar, um elektronische Akten direkt aus einer Microsoft-Anwendung heraus zu nutzen. Das eAkte-Basispaket basiert auf Microsoft SharePoint 2010. Organisatorische Einheiten können direkt eingesehen werden und Aktenpläne, Akten, Vorgänge, Geschäftszeichen sowie die Suche werden problemlos abgebildet. Diese ermöglichen somit das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten bis hin zur elektronischen Ablage.

Dank der standardisierten Office-Bedienoberfläche kann der Anwender auch das eAkte-Basispaket intuitiv bedienen: Mitarbeiter können beispielsweise direkt aus Word, Excel oder Outlook auf die elektronische Akte zugreifen.

Mit dem ePostbrief der Deutschen Post können Bürger, Wirtschaft und Verwaltung zuverlässig und vertraulich elektronisch kommunizieren. Der Dortmunder IT-Dienstleister Materna GmbH hat für die CeBIT eine Integration von ePostbrief und Microsoft Office realisiert. Damit können Anwender aus Unternehmen und Verwaltungen ePostbriefe schnell und sicher direkt aus ihrer Microsoft-Office-Arbeitsoberfläche heraus verschicken. Materna zeigte die Integration anhand verschiedener Anwendungsszenarien im Public Sector Parc.

Zehn Jahre „doMap”

Im Public Sector Parc stellte der IBM-Geschäftsbereich Öffentlicher Dienst mit Kunden und Partnern Lösungskonzepte in den Bereichen „Open Government“, „Trägerübergreifende Zusammenarbeit“, „eGovernment Framework“, „Moderne Verfahrenswege“ und „Cloud-Dienste“ vor.

Nach zehn Jahren intensiver Zusammenarbeit zwischen IBM und der Stadt Dortmund ist aus einer Informationsplattform die sogenannte „doMap“ (Dortmunder Arbeitsmappe) entstanden. Dabei handelt es sich um ein System mit voll integrierten Verwaltungsprozessen, bei dem die EU-DLR umgesetzt und SOA-Strukturen verwendet wurden. Um die Front- und Backoffice-Strukturen zu stärken, übernimmt doMap anstelle des sonst erforderlichen Behördengangs die Anliegen der Bürger und sorgt für ihre Erledigung. D

urch die Einbettung der Verwaltungsprozesse und eines integrierten Wissensmanagements können zum Beispiel bereits heute Schüler auf einfachem Weg eine Fahrtkostenbefreiung beantragen. Aktuell besteht doMap aus 435 Produkten mit 232 Geschäftsvorfällen und wird erstmalig bei einem Kommunen übergreifenden IT-Dienstleister (GKD) eingesetzt. Auf der CeBIT wurde die nächste Stufe gezündet: Recklinghausen ist beigetreten. Gemeinsam werden nun übergreifende Behördenprozesse entwickelt.

Die Auswertung und das Verständnis der Kommunikation im Internet sind der Schlüssel für die erfolgreiche Interaktion mit Bürgern und Medien. IBMs Social-Media-Analyse setzt automatisierte Textanalysen ein, um Webinhalte rund um die Uhr zu erfassen und in Echtzeit auszuwerten. Partnerlösungen demonstrieren vielfältige Visualisierungsfunktionen, die Entscheidern in Politik und Verwaltung helfen, Chancen und Risiken zu erkennen und gezielt zu interagieren. Die IBM Pressestelle 2.0 optimiert mit Web-2.0-Technologien verwaltungskonform das interne Kommunikations- und Wissensmanagement.

Module wie die Sprachregelung 2.0 helfen Pressesprechern, dass ihre Organisation, besonders wenn es um streitbare Themen geht, den Medien gegenüber mit einer Stimme spricht.

Und natürlich gab’s bei IBM auch Cloud Computing: Mit dem ShowCase „Cloud für die einheitliche Behördenrufnummer D115“ demonstrierte das Unternehmen eine sichere Servicecenter-Anwendung aus einer Public Cloud heraus. Dabei nutzt das System automatisch Datenquellen der Öffentlichen Verwaltung wie den Zuständigkeitsfinder und lokale Internetseiten.

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Für lange Zeit sicher

Im Mittelpunkt der CeBIT-Präsentation der iTernity GmbH stand die rechtskonforme Langzeitarchivierung mit iCAS. Diese Lösung iCAS bietet als Content-Archiv-Software einerseits die Vorteile objektorientierter Speichersysteme und andererseits höchste Flexibilität mit einem direkten Zugriff auf die Daten über ein Dateisystem. iCAS verwendet die von iTernity patentierte Content-Storage-Container-Technologie. Diese erstellt aus den Archiv- und Metadaten einen unveränderbaren Archivcontainer, in dem die Daten für den definierten Aufbewahrungszeitraum sicher gespeichert werden. Externe wie auch interne Compliance-Anforderungen lassen sich damit einfach einhalten und differenziert verwalten.

Mittels eines 512-bit-Hashwerts hat jedes Objekt eine unveränderbare Datenidentität und ist vor Manipulationsversuchen geschützt. iCAS ist darüber hinaus mit einer Self-Healing-Funktionalität ausgestattet. Diese überprüft bei replizierter Datenhaltung den Archivbestand, erkennt gegebenenfalls korrupte Daten und kann sie automatisiert durch valide Daten ersetzen. Durch den objektorientierten Ansatz wird eine Unabhängigkeit von Speicherort und Speichermedium erreicht.

Verschlüsseln mit SIM-Karte

Giesecke & Devrient (G&D) und Vodafone Deutschland zeigten auf der CeBIT Pilotprojekte für mobile Sicherheitsanwendungen im Mobilfunk. Dabei wird die SIM-Karte zum Schlüssel – beispielsweise für den mobilen Zugriff auf das Behördennetz. Sie dient als Sicherheitselement zur Authentifizierung und Verschlüsselung. Der Vorteil: Die Nutzung von mobilen Authentifizierungs- und Verschlüsselungslösungen wird noch bequemer und einfacher.

Ein Anwendungsbeispiel, das die beiden Unternehmen zeigten, ist die Authentisierung im Firmennetz basierend auf der SIM-Karte. Der Schlüssel befindet sich dabei sicher gespeichert hinter dem Krypto-Prozessor der SIM-Karte und wird genutzt, um eine sichere Verbindung über ein VPN aufzubauen. Das entwickelte Konzept eignet sich für eine Vielzahl weiterer Anwendungen. So kann mittels der SIM-Karte der komplette Sprach- und eMail-Verkehr per Smartphone zusätzlich verschlüsselt werden. Außerdem werden Mobiltelefone in Verbindung mit der sogenannten „Near Field Communication“ damit künftig zum Sicherheitszugang für neue Bezahl- oder Zutrittssysteme.

Ausweis statt Captcha

Und noch mal neuer Personalausweis: Auf der Website des Kompetenzzentrums neuer Personalausweis (www.ccepa.de) steht seit der CeBIT ein neuer Broschüren-Dienst bereit, bei dem sich Bürger mit der Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises einfach und schnell für den Download von Informationsmaterial legitimieren können. Die von Fraunhofer FOKUS, der ]init[ AG für Digitale Kommunikation und der Bundesdruckerei GmbH realisierte Anwendung demonstriert die Vorteile der Online-Ausweisfunktion gegenüber Captcha-Verfahren zur Authentisierung.

Dies betonen Jens Fromm, Leiter des Test-und Demonstrationszentrums neuer Personalausweis am Fraunhofer FOKUS, Dirk Stocksmeier, Vorstandsvorsitzender ]init[ AG und Dr. Matthias Merx, Bereichsleiter Trusted Solutions bei der Bundesdruckerei GmbH anlässlich der Freischaltung des neuen Dienstes. Mit dem gemeinsamen Angebot soll Bürgern der praktische Nutzen des neuen Personalausweises bei alltäglichen Interaktionen im Internet verdeutlicht und so die Akzeptanz der Online-Ausweisfunktion weiter gesteigert werden.

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