Milliardengrab eGK bald mit Organspende

Neue elektronische Gesundheitskarte in fünf Jahren schon Makulatur

| Redakteur: Gerald Viola

Gesundheitskarte: Mit Foto, aber sonst nichts Neues
Gesundheitskarte: Mit Foto, aber sonst nichts Neues (Foto: AOK)

Wie viel Milliarden Euro das Projekt elektronische Gesundheitskarte bisher verschlungen hat, weiß wohl keiner mehr. Sicher aber ist: In fünf Jahren werden die neuen Karten umgetauscht und sollen dann zum Organspendeausweis werden. Der Ärztetag („Kartentechnologie aus den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts“) sagt: „Das Projekt ist gescheitert.“

Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem hatte schon 2009 in der Sendung „Monitor“ gesagt: „Die Karte wird jetzt primär aus politischen Gründen an den Start gehen, ökonomisch wird sie ein Minus-Geschäft sein, weil die freiwilligen Anwendungen, die das Ganze erst zu einem Gewinn machen würden, erst mal gar nicht mit dabei sind. Und zahlen müssen dieses Minus-Geschäft letztlich die Versicherten.“

Der 115. Ärztetag beschloss in der vergangenen Woche: „Das politische Projekt elektronische Gesundheitskarte (eGK) ist gescheitert. Der gigantomanische Anspruch, durch eine flächendeckende Elektronifizierung der Patientenversorgung unter der Führung der Krankenkassen sowohl transparente Patienten als auch transparente Ärzte herzustellen, widerspricht elementaren ärztlichen Grundwerten.“

Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik), bewertete die Präsentation der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur auf dem 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg dennoch als Erfolg. „In vielen intensiven und konstruktiven Gesprächen vor Ort mit Ärzten und Kammervertretern aus nahezu allen Bundesländern konnten wir über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) diskutieren und bestehende Missverständnisse ausräumen.“

Die Ärzte allerdings sehen die Gesundheitskarte letztlich als nutzlos an: „Der derzeitige Nutzen liegt bei einigen Wenigen, bei Kontrollinteressen von Kassen und Politik und der nach neuen Märkten suchenden Industrie. Der Schaden sowie der Aufwand bleiben bei Versicherten, bei Ärztinnen und Ärzten in Klinik und Praxis und bei medizinischem Personal.“

Die Ärztevertreter weiter:

„Die eGK-Tests sind in allen Aspekten gescheitert. Mehrfache Versuche des ''Neustarts'' ziehen sich seit sechs Jahren hin, haben bisher schon Milliarden verschlungen und verdienen keine weiteren Wiederholungen.

Die Verwandlung von Arztpraxen und Klinikambulanzen in Online-Außenstellen der Kassen für das verpflichtende Versicherten-Stammdatenmanagement (VSDM) in Arztpraxen und Kliniken wird von der Ärzteschaft bundesweit abgelehnt.

Das ganze eGK-Projekt behindert seit Jahren eine fortschrittliche Weiterentwicklung der Kommunikation im Gesundheitswesen. Die veraltete Kartentechnologie stammt aus den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und hat sich in den Tests als wahres Hindernis für Praktikabilität erwiesen.

Gelder in Kliniken und Praxen sollten investiert werden in moderne Datenhaltung und deren Schutz vor Ort. Des Weiteren benötigt man für die elektronische ärztliche Kommunikation verschlüsselte Mails, VPN-Leitungen und sichere dezentrale Speichermedien in der Hand des Patienten. All dies ist ebenso für einen geringen finanziellen Mitteleinsatz vorhanden wie die elektronische Signatur.“

Trotz dieser eindeutigen Haltung des Ärztetages lässt die gematik in einer Pressemitteilung Dr. Franz-Joseph Bartmann, Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer, so zu Wort kommen: „Die gematik hat mit ihrem Stand auf dem Deutschen Ärztetag einen ersten Beitrag dazu geleistet, der kritisch bis ablehnenden Haltung in der Ärzteschaft gegenüber der eGK Rationalität und gute Argumente entgegenzusetzen.“

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Wenn ich mir überlege, dass mein Zahnarzt noch heute die Karteikarte aus meiner Kindheit nutzt und...  lesen
posted am 30.05.2012 um 10:30 von Unregistriert


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