Evangelisches Krankenhaus Kommunikation und klinische Prozesse Netzwerk-Arznei hält die Klinik immer gesund

Redakteur: Gerald Viola

IT-Therapie. Im Evangelischen Krankenhaus Elisabeth Herzberge (KEH) Berlin sind Schwestern und Pfleger über ihr mobiles IP-Telefon von Cisco überall auf der Station erreichbar. Oberärzte in der Psychiatrie halten Besprechungen vorzugsweise per Videokonferenz an ihrem Desktop ab. Und während der Visite werden Diagnosen oder Therapieanordnungen direkt am Krankenbett via Wireless LAN in die zentrale Kliniksoftware eingegeben. Und das ist noch nicht alles ...

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Schnell, mobil, effizient – das neue Gigabit-Netzwerk des KEH verbessert die Erreichbarkeit und Kommunikation (Quelle: Cisco=
Schnell, mobil, effizient – das neue Gigabit-Netzwerk des KEH verbessert die Erreichbarkeit und Kommunikation (Quelle: Cisco=
( Archiv: Vogel Business Media )

Die gesamte Telefon- und Videokommunikation läuft im KEH über dasselbe Cisco-Netzwerk, das auch CT- und Röntgenbilder, Laborbefunde sowie Patientendaten transportiert. Sogar Überwachungskameras sind inzwischen integriert. Zeiterfassungs- und Gebäudezutrittssysteme sollen in Kürze folgen. Das Berliner Traditionskrankenhaus nutzt sein intelligentes Cisco-Netzwerk als Universalplattform für vernetzte Hightech-Medizin, effiziente Klinikabläufe sowie für qualitativ neuartige Formen der Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Pflegepersonal und Verwaltungsmitarbeitern.

Die imposanten Klinkerbauten in der weitläufigen Parkidylle lassen die wechselvolle Geschichte des Evangelischen Krankhauses Elisabeth Herzberge, kurz KEH, erahnen: 1893 nahm hier, im heutigen Berliner Stadtbezirk Lichtenberg, die Nervenklinik Herzberge ihren ersten Patienten auf. Hundert Jahre später fusionierte das Haus mit dem 1843 gegründeten Königin-Elisabeth-Hospital, welches seit Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Gelände residiert. Heute arbeitet das KEH als gemeinnützige GmbH im Verbund der von Bodelschwinghschen Anstalten. Das Haus bietet 607 Betten und Behandlungsplätze in neun Fachabteilungen und zwei psychiatrischen Tageskliniken.

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Prozessgefüge von Grund auf neu durchdacht

Hinter den historischen Fassaden spielt sich seit einiger Zeit ein faszinierender Innovationsprozess ab, der das KEH Schritt für Schritt in eine umfassend vernetzte „digitale Klinik“ verwandelt. „Das alles begann 2004, als die Telefonanlage aus der Wartung fiel. Statt die alte Technik nun einfach durch eine gleichartige Neulösung zu ersetzen, haben wir seinerzeit unseren langfristigen Kommunikationsbedarf gründlich analysiert und alle involvierten klinischen und administrativen Abläufe neu überdacht. Das Ganze mündete dann in einem umfassenden, zukunftsorientierten Infrastrukturkonzept“, berichtet Ralf Korzendorfer, der IT-Leiter im KEH.

Kerngedanke des Konzepts war die Zusammenführung der Sprach- und Datenkommunikation in einem gemeinsamen IP-Netzwerk, das bereits im Folgejahr seine neuen Aufgaben übernahm. Die Konkretisierung und Umsetzung der Ideen hat der Berliner Lösungsintegrator globits GmbH übernommen.

„Trotz der Größe der Aufgabe haben wir uns aufgrund unserer positiven Erfahrungen mit der einzusetzenden Technologie gern dieser Herausforderung gestellt“, erinnert sich Dr. Andreas Barsch, Geschäftsführer der globits GmbH. Da auch Laborsysteme und medizinische Geräte in die Infrastruktur eingebunden werden sollten, wurde die Übertragungskapazität auf ein Gigabit pro Sekunde erhöht.

Diese Bandbreite steht in Einzelfällen sogar direkt beim Nutzer zur Verfügung, zum Beispiel in der Radiologie, wo digitale Röntgenbilder und Computer-Tomografie-Aufnahmen via Netzwerk in einem zentralen PACS (Picture Archiving and Communication System) verwaltet werden.

Plattform für jegliche Art digitaler Information

Anstelle der ausrangierten Telefonanlage stellt heute der Cisco Unified Communications Manager sämtliche Vermittlungsdienste bereit – „nicht nur für die Sprachkommunikation“, fährt Korzendorfer fort, „sondern verstärkt auch für Videokonferenzen, mit denen beispielsweise Oberärzte in der Psychiatrie ihre Besprechungen am eigenen Desktop abhalten, ohne ihr Büro zu verlassen.“ In IP-Netzwerken werden Videobilder auf die gleiche Weise als Internet-Datenpakete übertragen wie Voice-over-IP und normale Computerdaten auch.

Das gilt prinzipiell für jede beliebige digitalisierte Information – für Steuerungssignale technischer Anlagen genauso wie für Medizintechnik oder Gebäudeleitsysteme. Nichts lag also näher, als auch die Überwachungskameras und Videosysteme zum Patienten-Monitoring in das Cisco-Netzwerk zu integrieren. „Künftiger Investitionsbedarf und zusätzlicher Managementaufwand für eine separate Video-Infrastruktur entfallen bei uns komplett“, so der IT-Leiter. „Der Weg in Richtung vollständiger Integration der gesamten Gebäudeleittechnik ist klar vorgezeichnet. Als nächstes werden wir Zeiterfassungs- und Zutrittskontrollsysteme an das Cisco-Netz anbinden.“

Insbesondere die Integration medizintechnischer Anwendungen hat auch für Patienten greifbare Vorteile. Zum Beispiel, kann der Radiologe auch während seiner Abwesenheit im Krankenhaus zu Hause radiologische Bilder zu jeder Zeit befunden (Teleradiologie).

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Mobilität auf dem Vormarsch

Nahtlos angebunden an das festverkabelte Cisco-Catalyst-Netzwerk ist ein Wireless LAN, das drahtlosen Netzzugang in allen Gebäuden und auch in Außenarealen bietet. „Dank mobiler Cisco IPPhones sind Ärzte und Pflegekräfte überall auf der Station telefonisch erreichbar, und nicht nur wie früher im Schwesternzimmer. Das alte Pipersystem für Ärzte haben wir längst ausgemustert“, erläutert Falk Siebke, Leiter Technik im KEH.

Auch Patientenrufe sollen automatisch auf die IP-Telefone der Pflegekräfte umgeleitet werden. Rund 200 Cisco IP Phones sind derzeit im Einsatz. Ab 2009 sollen sogenannte Dual-Band-Handys hinzukommen, mit denen dann zum Beispiel bei Krankentransporten unterwegs via GSM und innerhalb des Klinikgeländes via Wireless LAN telefoniert werden kann.

Ein erstes Einsatzbeispiel für die Lokalisierungsmöglichkeiten drahtloser Clients bietet das Schwesternnotrufsystem: Dank Ortung eines Tags im Wireless LAN ist in Gefahrensituationen sofort der Aufenthaltsort einer Pflegekraft bekannt. Prinzipiell lässt sich zudem jedes bewegliche medizinische Equipment mit Tags kennzeichnen – und darüber bis auf wenige Meter genau im Wireless LAN lokalisieren.

Insgesamt zählt das drahtlose Kliniknetzwerk zurzeit gut 400 Cisco Aironet Access Points (APs). „Die richtige Positionierung der APs und deren Parametrierung konnte erst in einer bis dahin einmalig komplexen Funkausleuchtung durch unsere Techniker ermittelt werden“, erklärt Kurt Behrens, Account Manager der globits GmbH. Neben verbesserter Erreichbarkeit dient das WLAN auch dem mobilen Zugang zum Klinikinformationssystem (KIS).

Bei der morgendlichen Visite der Neurologie steht dem Stationsarzt per meepl.medicus die komplette digitale Patientenakte zur Verfügung. Diagnosen und geplante Therapieschritte werden unmittelbar am Krankenbett in das zentrale KIS eingegeben.

„Also keine nachträgliche Erfassungsarbeiten mehr“, so Falk Siebke weiter. „Das bringt eine beträchtliche Zeitersparnis für Schwestern und Pfleger, die sich folglich intensiver um die Patienten kümmern können.“

Via Wireless LAN erfasst werden überdies die Essenwünsche der Patienten. Auch im Küchenbereich der Klinik ist Mobilität auf dem Vormarsch. Das aufwendige und kostspielige Handling von Papierlisten verschwindet zusehends aus den KEH-Prozessen.

Einheitlichtes Management, mehr Flexibilität

Auf die Frage, warum das KEH in allen wichtigen Infrastrukturbereichen Netzwerk- und Unified-Communications-Lösungen von Cisco favorisiert, antwortet Ralf Korzendorfer lakonisch: „Weil das Portfolio dieses Anbieters all unsere Anforderungen in umfassender Weise adressiert.“ Zudem böte die langfristige Entwicklungsperspektive, die Cisco für seine Technologie garantiert, dem KEH ein hohes Maß an Zukunftssicherheit und Investitionsschutz.

Mit Bezug auf die laufenden Managementkosten fügt Technik-Leiter Siebke hinzu: „Wir haben heute fast eine homogene Infrastruktur, die sich überwiegend mit Bordmitteln des Cisco-Betriebssystems hocheffizient warten und weiterentwickeln lässt.“ Im Vergleich zur alten Telefonanlage habe sich insbesondere die technische Prozedur bei einem Mitarbeiterumzug um Größenordnungen vereinfacht.

Früher musste ein Spezialist in jedem Einzelfall vor Ort Konfigurationsänderungen an der Anlage vornehmen. Heute meldet sich der Mitarbeiter am IP-Phone seines neuen Arbeitsplatzes an – und schon stehen alle persönlichen Voreinstellungen ohne fremde Hilfe zur Verfügung.

Neben minimiertem Aufwand für die IT-Abteilung bedeutet das vor allem auch sofortige Erreichbarkeit und Arbeitsfähigkeit am neuen Arbeitsplatz. Kein unwichtiger Punkt, immerhin befindet sich das KEH seit Jahren in einer bis 2012 geplanten Sanierungsphase – und da sind Umzüge keine Ausnahme, sondern an der Tagesordnung.

„Das KEH liefert ein exemplarisches Beispiel dafür, wie durch Einsatz innovativer Technologien die Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gesteigert und gleichzeitig die medizinische und pflegerische Betreuungsqualität für Patienten spürbar verbessert werden kann“, kommentiert Axel Barthel, für das KEH zuständiger Account Manager von Cisco.

Ralf Korzendorfer hebt abschließend die Offenheit der Cisco-Plattform hervor, die seinen Worten zufolge erst die Voraussetzung schafft, um Abläufe den individuellen Erfordernissen einer Klink gemäß permanent zu optimieren. Denn für ihn gilt: „Erst kommen die Prozesse, und dann die Technologie.“

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