Evangelisches Krankenhaus Kommunikation und klinische Prozesse

Netzwerk-Arznei hält die Klinik immer gesund

27.05.2009 | Redakteur: Gerald Viola

Schnell, mobil, effizient – das neue Gigabit-Netzwerk des KEH verbessert die Erreichbarkeit und Kommunikation (Quelle: Cisco=
Schnell, mobil, effizient – das neue Gigabit-Netzwerk des KEH verbessert die Erreichbarkeit und Kommunikation (Quelle: Cisco=

IT-Therapie. Im Evangelischen Krankenhaus Elisabeth Herzberge (KEH) Berlin sind Schwestern und Pfleger über ihr mobiles IP-Telefon von Cisco überall auf der Station erreichbar. Oberärzte in der Psychiatrie halten Besprechungen vorzugsweise per Videokonferenz an ihrem Desktop ab. Und während der Visite werden Diagnosen oder Therapieanordnungen direkt am Krankenbett via Wireless LAN in die zentrale Kliniksoftware eingegeben. Und das ist noch nicht alles ...

Die gesamte Telefon- und Videokommunikation läuft im KEH über dasselbe Cisco-Netzwerk, das auch CT- und Röntgenbilder, Laborbefunde sowie Patientendaten transportiert. Sogar Überwachungskameras sind inzwischen integriert. Zeiterfassungs- und Gebäudezutrittssysteme sollen in Kürze folgen. Das Berliner Traditionskrankenhaus nutzt sein intelligentes Cisco-Netzwerk als Universalplattform für vernetzte Hightech-Medizin, effiziente Klinikabläufe sowie für qualitativ neuartige Formen der Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Pflegepersonal und Verwaltungsmitarbeitern.

Die imposanten Klinkerbauten in der weitläufigen Parkidylle lassen die wechselvolle Geschichte des Evangelischen Krankhauses Elisabeth Herzberge, kurz KEH, erahnen: 1893 nahm hier, im heutigen Berliner Stadtbezirk Lichtenberg, die Nervenklinik Herzberge ihren ersten Patienten auf. Hundert Jahre später fusionierte das Haus mit dem 1843 gegründeten Königin-Elisabeth-Hospital, welches seit Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Gelände residiert. Heute arbeitet das KEH als gemeinnützige GmbH im Verbund der von Bodelschwinghschen Anstalten. Das Haus bietet 607 Betten und Behandlungsplätze in neun Fachabteilungen und zwei psychiatrischen Tageskliniken.

Prozessgefüge von Grund auf neu durchdacht

Hinter den historischen Fassaden spielt sich seit einiger Zeit ein faszinierender Innovationsprozess ab, der das KEH Schritt für Schritt in eine umfassend vernetzte „digitale Klinik“ verwandelt. „Das alles begann 2004, als die Telefonanlage aus der Wartung fiel. Statt die alte Technik nun einfach durch eine gleichartige Neulösung zu ersetzen, haben wir seinerzeit unseren langfristigen Kommunikationsbedarf gründlich analysiert und alle involvierten klinischen und administrativen Abläufe neu überdacht. Das Ganze mündete dann in einem umfassenden, zukunftsorientierten Infrastrukturkonzept“, berichtet Ralf Korzendorfer, der IT-Leiter im KEH.

Kerngedanke des Konzepts war die Zusammenführung der Sprach- und Datenkommunikation in einem gemeinsamen IP-Netzwerk, das bereits im Folgejahr seine neuen Aufgaben übernahm. Die Konkretisierung und Umsetzung der Ideen hat der Berliner Lösungsintegrator globits GmbH übernommen.

„Trotz der Größe der Aufgabe haben wir uns aufgrund unserer positiven Erfahrungen mit der einzusetzenden Technologie gern dieser Herausforderung gestellt“, erinnert sich Dr. Andreas Barsch, Geschäftsführer der globits GmbH. Da auch Laborsysteme und medizinische Geräte in die Infrastruktur eingebunden werden sollten, wurde die Übertragungskapazität auf ein Gigabit pro Sekunde erhöht.

Diese Bandbreite steht in Einzelfällen sogar direkt beim Nutzer zur Verfügung, zum Beispiel in der Radiologie, wo digitale Röntgenbilder und Computer-Tomografie-Aufnahmen via Netzwerk in einem zentralen PACS (Picture Archiving and Communication System) verwaltet werden.

Plattform für jegliche Art digitaler Information

Anstelle der ausrangierten Telefonanlage stellt heute der Cisco Unified Communications Manager sämtliche Vermittlungsdienste bereit – „nicht nur für die Sprachkommunikation“, fährt Korzendorfer fort, „sondern verstärkt auch für Videokonferenzen, mit denen beispielsweise Oberärzte in der Psychiatrie ihre Besprechungen am eigenen Desktop abhalten, ohne ihr Büro zu verlassen.“ In IP-Netzwerken werden Videobilder auf die gleiche Weise als Internet-Datenpakete übertragen wie Voice-over-IP und normale Computerdaten auch.

Das gilt prinzipiell für jede beliebige digitalisierte Information – für Steuerungssignale technischer Anlagen genauso wie für Medizintechnik oder Gebäudeleitsysteme. Nichts lag also näher, als auch die Überwachungskameras und Videosysteme zum Patienten-Monitoring in das Cisco-Netzwerk zu integrieren. „Künftiger Investitionsbedarf und zusätzlicher Managementaufwand für eine separate Video-Infrastruktur entfallen bei uns komplett“, so der IT-Leiter. „Der Weg in Richtung vollständiger Integration der gesamten Gebäudeleittechnik ist klar vorgezeichnet. Als nächstes werden wir Zeiterfassungs- und Zutrittskontrollsysteme an das Cisco-Netz anbinden.“

Insbesondere die Integration medizintechnischer Anwendungen hat auch für Patienten greifbare Vorteile. Zum Beispiel, kann der Radiologe auch während seiner Abwesenheit im Krankenhaus zu Hause radiologische Bilder zu jeder Zeit befunden (Teleradiologie).

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