Signaturlösungen ausgewählter EU-Mitglieder im Vergleich

Nationale Eigentümlichkeiten behindern Einführung der eSignatur

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Unklarer Mehrwert für den Nutzer

In Deutschland hingegen sind die meisten Karten, die für die Speicherung qualifizierter Zertifikate geeignet sind, nur zu diesem Zweck zu nutzen. Wie in anderen Ländern werden außerdem ein Chipkartenleser sowie eine Signiersoftware benötigt. Im Gegensatz zu den anderen untersuchten Ländern existiert in Großbritannien kein Konzept für qualifizierte elektronische Signaturen. Im eGovernment, dem Haupteinsatzgebiet elektronischer Signaturen, wird auf andere Arten der Authentifizierung zurückgegriffen.

Je höher der Preis für die Ausrüstung zur Erzeugung einer qualifizierten elektronischen Signatur ist, desto weniger attraktiv ist vermutlich die Nutzung für den Verbraucher. In Deutschland sind die Kosten im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern am höchsten, an zweiter Stelle folgt Österreich und mit Abstand am preiswertesten ist die benötigte Infrastruktur in Finnland. Für Estland waren keine Daten verfügbar.

Eines der wichtigsten Kriterien für den Einsatz elektronischer Signaturen – wenn nicht gar das wichtigste überhaupt – konnte wegen fehlender Daten bedauerlicherweise nicht bewertet werden. Es soll aber genannt werden, um zu verdeutlichen, welche Probleme es in nächster Zeit zu bewältigen gilt, um elektronische Signaturen weiter zu verbreiten. Ein großes Hindernis ist der Mangel an Anwendungen, bei denen eine elektronische Signatur eingesetzt werden kann. Das größte Einsatzgebiet elektronischer Signaturen machen eBanking- und eGovernment-Anwendungen aus. Darüber hinaus gibt es kaum Einsatzmöglichkeiten für qualifizierte elektronische Signaturen. Es liegt auf der Hand, dass die Akzeptanz elektronischer Signaturen davon abhängt, ob sie genutzt werden können.

Auch ist es wichtig zu verstehen, wie der Umgang mit Technik sich von Land zu Land unterscheidet. Es kann davon ausgegangen werden, dass kulturelle Werte oder Normen menschliches Verhalten (beeinflusst) – auch im Umgang mit Informationstechnologie. Allerdings gibt es dafür kaum belastbare empirische Belege.

Deutschland hat im Vergleich zu den anderen untersuchten Staaten sehr hohe Sicherheitsvorschriften für elektronische Signaturen und die zur Erstellung benötigten technischen Komponenten erlassen. So sind die Anforderungen an qualifizierte Zertifikate höher als die der anderen untersuchten Länder. Auffällig ist außerdem, dass Deutschland eines von zwei Ländern ist, das nicht nur die SSEE, sondern auch die Chipkartenleser und die Signiersoftware bewertet. In diesen strikten Vorschriften spiegelt sich eine stark ausgeprägte Sicherheitsmentalität wider.

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