Zeppelin Universität (ZU) Multi-Disziplinarität für künftige eGovernment-Entscheider

Redakteur: Manfred Klein

Was macht eine Hochschule geeignet zur Ausbildung von Verwaltungs-wissenschaftlern, für die eGovernment kein Fremdwort ist und die in der Lage sind, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen?

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Universität und Campus ermöglichen konzentriertes Lernen
Universität und Campus ermöglichen konzentriertes Lernen
( Foto: ZU/Anja Köhler )

In Friedrichshafen lautet die Antwort „Interdisziplinarität“. Als Hochschule, die ihre Absolventen für Wirtschaft, Kultur und Politik gleichermaßen qualifizieren will, bietet sie den Studenten vier unterschiedliche Fachbereiche, die sich gegenseitig ergänzen sollen:

  • Corporate Management & Economics/CME (Wirtschaftswissenschaften),
  • Communication & Cultural Management/CCM (Kommunikations- und Kulturwissenschaften),
  • Public Management & Governance/PMG (Ökonomie, Politik- und Verwaltungswissenschaften) und
  • Sociology, Politics & Economics/SPE.

Die ZU will damit auf folgende Entwicklungen reagieren:

  • in der Lehre auf den rasant steigenden Bedarf an multi-disziplinär ausgebildeten Entscheidern und Kreativen in Institutionen von Wirtschaft, Kultur, Medien sowie Politik und
  • in der Forschung auf die Innovationskraft der Zwischenräume und Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen, um von hier aus gesellschaftlich relevanten Fragen nachzugehen.

Dabei will die, in Form einer privaten Trägerschaft betriebene Zeppelin Universität – wie es in ihrer Selbstdarstellung heißt – eine lernende Universität sein, „die auf die besonderen Leidenschaften und Fähigkeiten ihrer Studierenden und Forschenden fokussiert. Ziel ist die kompromisslose wissenschaftliche Neugier. Alle an der Zeppelin Universität Beteiligten, ob Wissenschaftler, Verwaltung, Gesellschafter, Förderer oder die Studierenden, sehen die Universität als ihre Anregungsarena, in der die eigenen Leidenschaften und Fähigkeiten freiheitlich beim Lernen und Forschen entwickelt werden können – individualisiert, interdisziplinär und im internationalen Kontext“.

Wie ein solcher Ansatz in der Praxis funktioniert, darüber sprach eGovernment Computing mit Prof. Jörn von Lucke von ZU:

In welchem Maße beziehungsweise in welcher Art und Weise werden Studierende der Bachelor- und Master-Studiengänge auf die künftigen Herausforderungen der Verwaltungen vorbereitet?

von Lucke: Im Rahmen unserer Ausbildung an der ZU vermitteln wir selbstverständlich die grundlegenden Kenntnisse rund um die Öffentliche Verwaltung. Insbesondere aktuelle Herausforderungen wie etwa Public Management, Governance, Verwaltungsmodernisierung und eGovernment, aber auch aktuelle Rechtsfragen, Open Government und Open Innovation werden in den verschiedenen Veranstaltungen unserer Dozenten behandelt, die zum Teil auch in der Verwaltungspraxis tätig sind. Zudem machen alle Studenten im Rahmen ihres Studienganges Praktika, sodass sie die Verwaltungspraxis auch aus unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen können. Unsere Studierenden werden zudem während des Studiums von einem Wissenschaftler und einem Praktiker gecoacht.

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Welche Funktion hat die Partnerschaft mit der Deutschen Telekom AG in diesem Zusammenhang und welche Rolle spielt dabei das Smart-Cities-Projekt für den Ausbildungsbetrieb?

von Lucke: Die Deutsche Telekom AG ist der Sponsor des Instituts (TICC). Dieses Engagement trägt aktiv dazu bei, dass den Studierenden der Zeppelin University auch ein umfangreiches Lehrangebot in Verwaltungsinformatik und Informationsrecht angeboten wird und eine eigenständige Forschung möglich ist. An vielen deutschen Hochschulen mit Schwerpunkt Verwaltungswissenschaft, Wirtschaftsinformatik oder Informatik ist ein solches Angebot bis heute leider keine Selbstverständlichkeit.

Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit im Projekt T-City Friedrichshafen. So ist der Institutsdirektor auch der städtische T-City-Projektfeldleiter im Bereich Lernen und Forschen. Das T-City-Kolloquium im Rahmen unseres Lehrangebots dient dazu, dass die Studierenden die Ideen und Überlegungen der T-City kritisch reflektieren und eigene Impulse wie etwa das Stadtwiki (http://www.buergerwiki.net) einbringen können, die wir an alle T-City-Projektpartner weitergeben.

Zudem werden im Kontext der T-City regelmäßig Gutachten für die Deutsche Telekom AG erstellt, die mittlerweile über Friedrichshafen hinaus Bedeutung erlangt haben.

Was bedeutet Interdisziplinarität an der Zeppelin University für die Bereiche Forschung und Lehre?

von Lucke: Die ersten zwei Semester der Bachelor-Studiengänge nennen wir „Foundation Phase“ oder unser „Zeppelin-Jahr“. Dort werden die Theoriegrundlagen in den Bereichen Wirtschaft, Medien, Kultur, Politik und Recht vermittelt. Wenn Studenten sich – wie 45 Prozent aller deutschen Studierenden – bei der Wahl ihres Fachs geirrt haben, dann wechseln sie einfach in einen anderen Studiengang der ZU – ohne Zeit- und Prüfungsverlust.

Interdisziplinäre Module, die sich auch mit Forschungsfragen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven beschäftigen, sind auch im weiteren Studienverlauf bis zur Beendigung der Abschlussarbeit belegbar.

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Welche Berufschancen haben die Absolventen in der Öffentlichen Verwaltung?

von Lucke: Studenten der Zeppelin University sind hoch motiviert. Ich habe dies an anderen Hochschulen in dieser Form bisher noch nicht erlebt. Wir haben hier durch das Auswahlverfahren besonders viele Kurs- und Hochschulsprecher, die ein beachtliches Engagement an den Tag legen. Es macht richtig Spaß, mit den jungen Leuten zusammenzuarbeiten.

Unsere Absolventen haben sich aufgrund des Lehrangebots, der Praktika, ihrer eigenen Projekte, Studien und Abschlussarbeiten die Grundlagen erarbeitet, die heute erforderlich sind, um anspruchsvolle Aufgaben in der Öffentlichen Verwaltung bewältigen zu können.

Die Öffentliche Verwaltung muss sich also um unsere Absolventen bemühen, denn auch Unternehmensberatungen, gemeinnützige Stiftungen sowie Hochschulen im In- und im Ausland sind sehr an ihnen interessiert. Zum Teil gehen unsere Absolventen aber in ihre eigenen Unternehmen und in die von ihnen gegründeten Einrichtungen.

Michael Henkert, einer unserer PMG-Master-Absolventen, ist beispielsweise persönlicher Referent von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan.

Die Zeppelin University plant, in diesem Sommer einen weiteren Executive-Studiengang „Digital Pioneering“ einzuführen. Was hat es damit auf sich?

von Lucke: Die Zeppelin Universität wird zum Herbst 2011 einen neuen berufsbegleitenden Master starten: Den Executive Master of Digital Pioneering.

Dieser interdisziplinäre Studiengang fokussiert auf eine Ausbildung im Unternehmertum von digitalen Geschäftsmodellen. Er ist gemeinsam mit der Deutschen Telekom AG konzipiert worden.

Erste Informationen findet man auf unseren Hochschulseiten im Internet.

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