Datacenter-Standorte

Müssen Rechenzentren auswandern?

| Autor: Ulrike Ostler

Island ist der Top-Standort-Favorit, der aus der Risiko-Analyse von Cushman und Wakefield hervorgeht: der „Data Centre Risk Index 2016“.
Island ist der Top-Standort-Favorit, der aus der Risiko-Analyse von Cushman und Wakefield hervorgeht: der „Data Centre Risk Index 2016“. (Bild: ©2011 Fred Rollison Photography)

Wenn Sie freie Wahl hätten, wo würde Ihr Rechenzentrum stehen? Im Luxusstandort Deutschland? Der „Data Centre Risk Index 2016“ von Cushman und Wakefield jedenfalls empfiehlt Island, Norwegen und Schweden sowie Quebec (Kanada)– also Regionen, in denen es kühl ist. Doch auch die Zuverlässigkeit der Stromversorgung, die Nachhaltigkeit der Energiegewinnung, die politische und geologische Stabilität, die Versorgung mit Datenleitungen sprächen für diese Regionen.

Die Zahlen überschlagen sich geradezu, wenn Datenwachstum, Bandbreitenbedarf, Rechen- und Storage-Volumen für die kommenden Jahre prognostiziert werden. Können die Bestandsrechenzentren mithalten? Die Frage ist eigentlich schon geklärt: Nein. Das Equipment ist veraltet, das Personal denkt in Silos, die Technik und Infrastruktur zu unflexibel, Manager unverständig.

Also: Alles Cloud? Tatsächlich ist laut Cisco die Zahl der Aufgaben pro installiertem Server von 1,5 (2011) auf 2,0 im Jahr 2016 gestiegen, um einmal eine Datacenter-Größe zu nennen. Gleichzeitig ist aber die Zahl der Aufgaben je installierten Cloud-Server von 4,2 (2011) auf 8,5 im Jahr 2016 gestiegen.

Bleibt alles wie gehabt?

Jüngste Zahlen einer Untersuchung von The 451 Group in den Staaten besagen allerdings, dass jedoch noch 83 Prozent aller Unternehmen auf ihre eigene IT vor Ort vertrauen. Nur 17 Prozent vertrauen ihr Geschäft ausschließlich Co-Locator und Cloud-Provider an. Befragt wurden immerhin 1.200 IT- oder Datacenter-Verantwortliche. Ein typischer Konzern dort betreibt übrigens acht Rechenzentren, die durch 15 Server-Räume und 35 Kabinette erweitert werden.

18 Prozent der Befragten wollen in den kommenden zwei Jahren gar neue Rechenzentren bauen. Doch das spiegelt hüben wie drüben nur einen Teil der Entwicklung wieder. Der Grund für Neubauten ist häufig der Wunsch nach Konsolidierung. Zugleich geben dieselben Befragten an, wenn sie nach ihren Plänen gefragt werden, dass sie, sollten sie Kapazitätsengpässen gegenüberstehen, IaaS, SaaS oder PaaS nutzen werden, 41 Prozent, und/oder Co-Location-Fläche anmieten würden, 35 Prozent.

Nach Angaben von Dan Harrington, Research Director bei 451 Research, zeigt die Untersuchung zudem, dass die Hälfte der Organisationen ihre produktiven Anwendungen in der Cloud betreiben werden. Im Jahr 2018 sei es dann soweit: 50 Prozent aller Server-Racks werden dann in Cloud- oder Co-Location-Rechenzentren stehen, 40 Prozent sind es heute.

Jeder sucht nach neuen Rechenzentren

Das aber bedeutet, auch jedes Unternehmen, das IT im eigenen Haus behält oder gar mehrt, sich mit der Frage auseinandersetzen muss, wo, bei wem und unter welchen Bedingungen die zusätzliche Kapazität eingekauft werden soll.

Abbildung 1: Das sind die identifizierten Risiken für Rechenzentren und ihre Bewertung durch die Teilnehmer der Studie "Data Centre Risk Index 2016".
Abbildung 1: Das sind die identifizierten Risiken für Rechenzentren und ihre Bewertung durch die Teilnehmer der Studie "Data Centre Risk Index 2016". (Bild: Cushman und Wakefield)

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Der Data Centre Risk Index will dazu verhelfen, die Frage zu klären. Die Macher des Reports haben sich 2016 insgesamt 37 Länder angesehen, Karten und Tabellen zum Vergleich erstellt sowie einzelne Länder bewertet. Wichtige Kriterien der Beurteilung waren Energiekosten, die Netzanbindung, politische Stabilität, Energiesicherheit, Nachhaltigkeit, Inflation, Steuern, Arbeitsbedingungen und Katastrophenrisiko (siehe: Abbildung 1). Die höchsten Werte wurden für Wasserverfügbarkeit, Bandbreite, Energiekosten und für die Bedingungen, unter denen das Geschäfte machen funktioniert, (Easy of Doing Business) vergeben.

Der Bereich Energie findet sich unter mehreren Gesichtspunkten wieder, die generelle Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit, aber auch bei der Nachhaltigkeit und bei den Steuern. Wie der Bericht darlegt, sind Rechenzentren mittlerweile mit 3 Prozent des globalen Stromverbrauchs (ein Anstieg von 100 Prozent im Laufe der letzten fünf Jahre) bereits jetzt einer der weltweit am schnellsten wachsenden Energieverbraucher. Weltweit entspricht die Energie, die für Daten benötigt wird, dem Stromverbrauch eines Landes, das größenmäßig zwischen Italien und Spanien liegt.

Abbildung 2: Die Rangfolge der Länder mit den niedrigsten Risiken. Deutschland findet sich in dieser Liste auf Platz 16; auf Platz 1 findet sich Island.
Abbildung 2: Die Rangfolge der Länder mit den niedrigsten Risiken. Deutschland findet sich in dieser Liste auf Platz 16; auf Platz 1 findet sich Island. (Bild: Cushman und Wakefield)

Hilfe bei der Datacenter-Bewertung

Das Internet der Dinge (IoT) wird wohl allein in den kommenden vier Jahren 750 Prozent mehr Rechenzentrumskapazität erfordern, als aktuell genutzt wird. Das Analystenhaus IDC geht davon aus, dass weltweit auch der benötigte Platz für Rechenzentren zunehmen wird, von 481 Millionen Quadratmeter im Jahr 2013 auf 591 Millionen Quadratmeter im Jahr 2018. Die Anzahl der Rechenzentren weltweit steigt 2017 auf 8,6 Millionen; danach sinkt die Zahl, so IDC.

Auf Europa und Deutschland übertragen bedeutet das: 2014 lag der Stromverbrauch von Rechenzentren in Westeuropa bereits bei 11,98 Gigawatt. Für das Jahr 2020 wird ein Bedarf von 13,51 Gigawatt prognostiziert.

Doch schon jetzt können nicht mehr alle Länder ähnlich gut für die Qualität des Stroms sorgen. Insbesondere das Netz in Großbritannien hat mit Zuverlässigkeitsproblemen zu kämpfen, was sich an 537 Stromausfällen für 2014 und 505 für 2013 zeigt. Im Vergleich dazu waren es 2012 genau 246 Ausfälle und 2011 kamen Zählungen auf 241.

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