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Müssen eGovernment-Projekte für Unternehmen scheitern?

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Firmen zum Thema

Sechs Grundüberlegungen

Die Langzeitanalyse lässt Schlussfolgerungen für künftige eGovernment-Projekte zu. Die Einschätzung aus Unternehmenssicht, ob ein eGovernment-Projekt erfolgreich ist oder nicht, hängt im Wesentlichen von folgenden Grundüberlegungen ab:

1. Begrifflichkeit nicht eindeutig

eGovernment-Projekte, die das Unternehmen als Adressaten benennen, vernachlässigen in der Regel eine eindeutige Begriffsdefinition der Projektvoraussetzungen und des angestrebten Nutzens. Die Ausgangssituation, dass das Verwaltungshandeln keine automatische Prozesskompatibilität mit Geschäftsprozessen der Unternehmen hat, müssen klarer herausgestellt werden.

Falsch kommunizierte Partizipation am Verwaltungshandeln (Kundenphilosophie) erweckt bei dem Unternehmen eine Erwartungshaltung, die mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der Verwaltung nicht in Einklang zu bringen ist.

2. IT-Lastigkeit von eGovernment-Projekten hindert Akzeptanz

Trotz der Prämisse, dass verbesserte eGovernment-Dienste den Unternehmen ermöglichen sollten, mit der Öffentlichen Verwaltung in Kontakt zu treten, ohne dass sie sich spezielle Kenntnisse in der Informationstechnologie aneignen müssen, vernachlässigen Projekte wie beispielsweise im Vergabe- und Ausschreibungsbereich die sehr heterogene IT-Kompetenz von Unternehmen. Ein weiteres Beispiel ist die Ausstattung für den Einsatz der digitalen Signatur.

3. Mangelnde Detailanalyse des Prozesses

Häufig werden aus der Sicht einzelner Verwaltungen Prozesse mit der Innensicht eigener Zuständigkeit definiert. Typisches Beispiel ist die Komplexität der Gewerbeanmeldung mit den Zusammenhängen der in der Folge beteiligten Institutionen wie beispielsweise der Finanzverwaltung, Berufsgenossenschaften, Kammern etc. Die Unternehmenssicht des optimierten Verwaltungsprozesses umfasst das gesamte Verfahren und endet nicht an Zuständigkeiten einzelner Institutionen.

4. Falsche Prämisse bei der Einschätzung des Nutzerprofils

Der Mitarbeiter des Unternehmens kann ohne Vorkenntnisse der internen funktionellen Organisation der Verwaltung elektronische Angebote nicht nutzen. Folge ist, dass die Applikation nicht als Vereinfachung verstanden und schlechtestenfalls nicht genutzt wird.

5. Ausschnittsweise Betrachtung des Problems

Projekte sollten in ihrer Beschreibung eindeutig die Rahmenbedingungen darstellen, die sowohl für Verwaltungen als auch Firmen relevant sind. Deutliche Hinweise auf Ressourcenverknappung in der Verwaltung durch Personalabbau werden durchaus als Anlass verstanden, eine Teilautomatisierung von Verwaltungsprozessen einzuführen. Eine präzise Darstellung der Grundvoraussetzung bietet zugleich die Chance, in der Unternehmerschaft politische Unterstützung für Vorschläge zur Verwaltungsvereinfachung – wie beispielsweise Reduzierung von Verordnungen und Gesetzen – einzuwerben.

6. Einseitige Aufwandsverlagerung auf den Nutzer vermeiden

Durchaus kritisch wird beobachtet, dass sowohl der Rechercheaufwand als auch der Aufwand, entsprechende technische Ausstattung vorzuhalten, um elektronisches Verwaltungshandeln nutzen zu können, eine einseitige Aufwandsverlagerung darstellen. Dabei beziffern Unternehmen vor allem den zeitlichen Aufwand, Eigenrecherche im Internet durchzuführen, als negative Auswirkung.

Hier wird deutlich abzuwägen sein, ob und wie erklärungsbedürftiges Verwaltungshandeln elektronisch abgebildet werden kann.

Fazit

Nach erster Einschätzung haben eGovernment-Projekte dann deutliche Chancen, von Unternehmen inhaltlich akzeptiert zu werden, wenn sie unter einer klaren Kosten-Nutzen-Interpretation angeboten werden. Unternehmen stellen dabei weniger den einmaligen Sachaufwand für die Anspruchnahme von Verwaltungshandeln in Frage. Sie sehen Electronic-Government-Projekte vorrangig unter dem Gesichtspunkt einer nachhaltigen Verwaltungsvereinfachung, deutlichem Bürokratieabbau und Verringerung der Mehrfachbelastung durch statistische Angaben, Dokumentations- und Berichtspflichten.

(ID:2007093)