Forschungsprojekt „goBerlin“ fördert Vernetzung von Verwaltung und Wirtschaft

Modernisierungsschub für eGovernment

| Autor / Redakteur: Ingrid Britz-Averkamp / Susanne Ehneß

Mit GoBerlin lassen sich Behördengänge sparen und der Umzug einfach von zu Hause organisieren
Mit GoBerlin lassen sich Behördengänge sparen und der Umzug einfach von zu Hause organisieren (Bild: © Yuri Arcurs - Fotolia)

Bürger sparen Zeit und den Gang zum Amt, und Behörden erhöhen die Kundenzufriedenheit durch moderne und ständig verfügbare Dienstleistungen – das Projekt „goBerlin“ verspricht Gewinn für alle Beteiligten. Die Erfahrungen daraus sollen als Grundlage für ähnliche Service-Plattformen unterschiedlicher Verwaltungsvorgänge dienen.

Eines vorweg: Das Thema Daten­sicherheit hat beim Projekt goBerlin, das im Rahmen der Trusted-Cloud-Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ins Leben gerufen wurde, oberste Priorität. Der IT-Dienstleister Atos verantwortet als Projektpartner das Sicherheitskonzept und die Erarbeitung entsprechender Sicherheitsrichtlinien. Dabei stellt er sicher, dass die Weitergabe persönlicher Daten an Dienste verschlüsselt, transparent und nur nach expliziter Freigabe des Bürgers geschieht. Ferner sorgen die Experten dafür, dass Dienste nur gesichert und nach einer Zertifizierung auf dem Marktplatz zur Ausführung kommen. Weil die unterliegende Cloud-Struktur vom Projektpartner ITDZ betrieben wird, wird die Kontrolle über die gespeicherten Daten nicht an Dritte übergeben, wie es sonst bei der Nutzung von Cloud-Diensten üblich ist.

nPA ist wichtiger Baustein

Ein wichtiger Baustein für die ­sichere Identifikation im Internet ist der neue Personalausweis (nPa). Denn über ihn können sich Personen zweifelsfrei und sicher online ausweisen. Der Gang zur Behörde ­erübrigt sich. „Wer den späteren goBerlin-Marktplatz mit dem neuen Personalausweis nutzt, kann damit alle autorisierungsbedürftigen Verwaltungsvorgänge durchführen. Die Marktplatz-Besucher können sogar rechtsgültig unterschreiben, was den Behördengang komplett erspart“, ­bestätigt Siegfried Bublitz, Senior Software and System Engineer und verantwortlicher Projektleiter für goBerlin im Atos C-LAB, der Innovationswerkstatt des IT-Dienstleisters.

Doch selbst wer noch den alten Ausweis besitzt, profitiert vom Marktplatz. Die Nutzer können viele Vorbereitungen schon online erledigen und müssen am Ende anstatt mehrerer zuständiger Stellen im besten Fall nur noch ein Amt persönlich aufsuchen. Die Voraussetzungen für die Nutzung sind denkbar einfach: Ein Computer und ein Internetzugang reichen, um alle Angebote des Marktplatzes in Anspruch nehmen zu können. Wer den neuen Personalausweis einsetzen möchte, benötigt allerdings zusätzlich ein entsprechendes Lesegerät, das im Elektronikhandel erhältlich ist.

Marktplatz-Prototyp

Neu an dem Konzept von goBerlin ist, dass erstmals Dienstleistungen von Behörden und der Wirtschaft in einem One-Stop-Shop zusammengeführt werden – und zwar ohne Medienbrüche bei der Informationsweitergabe. Der Marktplatz beruht auf einer IT-Service-Architektur mit modularen und flexiblen Cloud-Funktionalitäten. Diese können sukzessive eingesetzt werden, sofern sie den Rahmenbedingungen und Anforderungen der Öffentlichen Verwaltung entsprechen. Christian Langenfeld, Projektleiter von goBerlin beim IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ), sieht großes Potenzial: „Auch da, wo eine vollständige Standardisierung der Arbeitsabläufe und IT-Prozesse noch nicht erreicht ist, können einzelne Prozessbausteine in Form von elektronischen Diensten ausgetauscht und wiederverwendet werden.“

Bürger motivieren

Zu überwinden ist auch die Zurückhaltung der Bürger: Zwar steigt die Nutzung von Internetangeboten der Ämter langsam an, aber im ­internationalen Vergleich hinkt Deutschland weit hinter Vorreitern wie Schweden oder unseren österreichischen Nachbarn hinterher. Gerade mal 45 Prozent der deutschen Bürger nutzen laut „eGovernment Monitor“ die vorhandenen Angebote, während es in Schweden schon 70 Prozent und auch in Österreich bereits 67 Prozent sind.

Sucht man nach den Gründen für die Zurückhaltung der Deutschen, wird man bei offensichtlichen Ursachen wie fehlenden Internetzugängen oder mangelndem Interesse nicht so richtig fündig. Zwar ist Deutschland auch bei der Anzahl der Internetnutzer nicht führend, aber immerhin gibt es laut der ARD-ZDF-Onlinestudie hierzulande 53,4 Millionen Deutsche, die regelmäßig im Internet aktiv sind. Das entspricht 75,9 Prozent der Bevölkerung. Wobei 82 Prozent der Haushalte sogar über einen Breitbandanschluss verfügen.

Laut einer Umfrage von Forsa sind rund 51 Prozent der Bundesbürger an ePartizipation interessiert und würden ihre Stimme bei Wahlen auch online abgeben. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 65 Prozent.

Ergänzendes zum Thema
 
Das Projekt

Was also bremst die Entwicklung hierzulande? D21-Präsidiumsmitglied York von Heimburg sieht vor allem einen Mangel an innovativen Angeboten als Ursache. So haben sich behördliche Prozesse seit Jahrzehnten kaum verändert. Der vermeint­liche Fortschritt entpuppt sich oftmals als die Möglichkeit, Formulare herunterzuladen und auszudrucken. Seiner Einschätzung nach ist das größte Hemmnis die fehlende Durchgängigkeit der Angebote.

Im Gegensatz zur immer größeren Vernetzung im Alltag gibt es diese zwischen Behörden und Unternehmen kaum. Es fehlt an Angeboten zur freien Zusammenarbeit, die für alle Seiten offen sind.

Die Offenheit bezieht sich hier aber nicht nur auf die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Unternehmen, sondern auch auf den Zugriff auf Technik und Infrastruktur. Hier setzt goBerlin an: Während bisher eGovernment-Anwendungen im Wesentlichen aus Sicht der Verwaltung entwickelt wurden, stellt das Projektteam goBerlin die Nachfrage der Bürger in den Mittelpunkt.

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