Nutzung sozialer Netzwerke durch Politiker

Modern mit einem Hauch Patina

| Autor: Susanne Ehneß

Auf Plattformen mit überwiegend jungen Nutzern sind Politiker kaum vertreten
Auf Plattformen mit überwiegend jungen Nutzern sind Politiker kaum vertreten (© lev dolgachov - stock.adobe.com)

Für die öffentliche und politische Präsenz sind Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat zu wichtigen Instrumenten geworden. Wie wichtig diese Instrumente mittlerweile tatsächlich sind, hat Blogger und Politikberater Martin Fuchs in einer Sonderauswertung für den Digitalverband Bitkom untersucht.

Im Bundestagswahlkampf haben die Vertreter der Parteien nicht nur auf Plakaten und in Fernsehsendungen, sondern auch in den sozialen Netzwerken Präsenz gezeigt. Bei Facebook und Twitter wurden TV- und Wahlkampfauftritte angekündigt, Inhalte der Wahlprogramme veröffentlicht und Äußerungen der Kontrahenten kommentiert – oft betont salopp und „bürgernah“.

Dass über die sozialen Netzwerke gerade junge Leute gut zu erreichen sind, ist nichts Neues, und dies hat sich in den letzten Monaten auch verstärkt die Politik zu Nutze gemacht. Doch wie aktiv sind Politiker auf Social-Media-Portalen tatsächlich? Politikberater Martin Fuchs hat dies untersucht.

Ergebnisse

608 der derzeit 630 Bundestagsabgeordneten sind in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv (97 Prozent). Am populärsten ist Facebook (580 von 630; 92 Prozent), gefolgt von Twitter (387 von 630; 61 Prozent) und Instagram (196 von 630; 31 Prozent). Bei dem unter Jungwählern besonders beliebten Snapchat sind lediglich 11 von 630 Bundestagsabgeordneten vertreten (2 Prozent).

Über alle Social-Media-Kanäle hinweg am aktivsten sind laut Studie Vertreter der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen (63 von 63; 100 Prozent), gefolgt von SPD (191 von 193; 99 Prozent), Die Linke (62 von 64; 97 Prozent) und CDU/CSU (291 von 309; 94 Prozent).

Twitter

Während Facebook für die Abgeordneten aller Fraktionen eine wichtige Plattform ist, gibt es bei der Nutzung von Twitter und Instagram deutliche Unterschiede. Auf Twitter mit Abstand am aktivsten sind die Grünen-Abgeordneten (58 von 63; 92 Prozent), dahinter folgen nahezu gleichauf Linke (46 von 64; 72 Prozent) und SPD (133 von 193; 69 Prozent).

Von der Unionsfraktion nutzt nur jeder zweite Abgeordnete (149 von 309; 48 Prozent) Twitter.

Instagram & Snapchat

Bei Instagram liegen ebenfalls die Grünen vorne (26 von 63; 41 Prozent), gefolgt von SPD (73 von 193; 37 Prozent), CDU/CSU (84 von 309; 27 Prozent) und Linke (14 von 64; 22 Prozent).

Große Zurückhaltung gibt es quer durch alle Fraktionen gegenüber Snapchat (Grüne: 2 von 63; 3 Prozent; CDU/CSU: 6 von 309; 2 Prozent, Linke: 1 von 64; 2 Prozent; SPD: 2 von 193; 1 Prozent).

Regionale Unterschiede

Die Analyse von Martin Fuchs zeigt regional deutliche Unterschiede in der Social-Media-Nutzung der Bundestagsabgeordneten. Je nach Heimat-Bundesland sind die Mandatsträger unterschiedlich präsent. Am aktivsten sind Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Thüringen mit jeweils 100 Prozent. Schlusslicht sind Mandatsträger aus Bremen mit einer Social-Media-Nutzung von 67 Prozent.

Auch je nach Plattform gibt es regionale Unterschiede. Twitter ist bei Hamburger Abgeordneten am stärksten verbreitet (92 Prozent), gefolgt von den Kollegen aus dem Saarland (88 Prozent) und Berlin (82 Prozent). Weniger aktiv sind Abgeordnete aus Thüringen (50 Prozent) und Bremen (33 Prozent).

Auf Instagram führen mit deutlichem Abstand die Hamburger (69 Prozent) vor den Rheinland-Pfälzern (48 Prozent) und den Berlinern (44 Prozent), hinten liegen die Niedersachsen, Sachsen (jeweils 21 Prozent) und Bremer (17 Prozent).

Ergebnisse nach Parteien:

Fazit

„Für Politiker aller Parteien ist ­Social-Media-Präsenz unverzichtbar, um öffentlich wahrgenommen zu werden, in politische Debatten einzugreifen und mit Bürgern in Dialog zu treten“, kommentiert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Der Kontakt zu Jungwählern scheine für die Abgeordneten jedoch nicht im Fokus zu stehen. „Auf Plattformen mit überwiegend jungen Nutzern sind die Politiker kaum vertreten“, so Rohleder.

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