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Einschätzung einer IDC-Analystin Mobile Business-Anwendungen – Die Zeit zum Handeln ist gekommen

Autor / Redakteur: Jennifer Waldeck / Katrin Hofmann

Software-Verantwortliche von traditionellen On-Premise-Anbietern wissen, dass ihre Unternehmen jetzt in mobile Technologien investieren müssen. Doch es herrscht noch Nachholbedarf und die Ansprüche der Kunden haben sich geändert.

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Jennifer Waldeck, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
Jennifer Waldeck, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
(IDC)

Entwicklungen wie Bring-your-own-Device oder die steigende Leistungsfähigkeit von Cloud-Anwendungen führen IT-Leiter zu einer Erkenntnis: Heutzutage muss geradezu alles, für das sie verantwortlich sind, eine mobile Komponente beinhalten. So ist es nicht weit her, dass auch Entwickler ihre Innovationsabsichten daran ausrichten und insbesondere auf Lösungen bauen, die es Unternehmen ermöglichen, von der zunehmenden Mobilität heutiger Anwender zu profitieren.

IT-Abteilungen, die Anwendungen über einen Public-Cloud-Service beziehen, werden den Wechsel hin zur Nutzung mobiler Anwendungen leichter vollziehen können als solche, die noch ihre gesamte Infrastruktur On Premise bereitstellen. Auch erscheinen neue Business-Modelle, die im Rahmen von Enterprise Mobility wichtig werden, weniger komplex, wenn bereits Erfahrungen mit Cloud-Services gemacht wurden. In diesem Zusammenhang ist die mobile Nutzung von Anwendungen nur eine von mehreren Varianten, auf Anwendungen zuzugreifen. Diese wird allerdings mehr und mehr die bedeutendste werden; sogar die einfachsten Cloud-Bezugs-Modelle haben den mobilen Zugriff inbegriffen. Desweiteren ermöglichen Cloud-Services eine zentrale Bereitstellung und Verwaltung und gleichzeitig eine hohe Geschwindigkeit bei der Einführung mobiler Applikationen.

Kundenerwartungen noch nicht erfüllt

Software-Verantwortliche von traditionellen On-Premise-Anbietern wissen, dass ihre Unternehmen jetzt in mobile Technologien investieren müssen und sie gehen davon aus, diese dabei richtig monetarisieren zu müssen. Dennoch haben sie es bisher nicht geschafft, die „mobilen“ Erwartungen der Kunden zu erfüllen und die Preise so anzusetzen, das Unternehmen einen Anreiz bekommen, das Thema dezidiert anzugehen.

IT-Leiter von Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Cloud-Services gemacht haben und sich nun an den Einsatz mobiler Anwendungen gewagt haben, konnten vor allem eines feststellen: Die konkrete Ermittlung der Bedarfe, die mit einer Erweiterung von On-Premise-Applikationen auf mobile Anwendungen einhergehen, ist nicht so einfach, wie man es von der Einführung von Cloud-Diensten gewohnt ist.

Hohe Komplexität

Das Erfordernis, im Vergleich zur On-Premise-Lösung bei mobilen Erweiterungen weitere darunter liegende Technologie-Layer zu implementieren und zu verwalten, ist einer der Gründe für die höhere Komplexität. Selbst auf der niedrigsten Entwicklungsstufe beinhaltet dies die Anschaffung eines Middleware- oder Anwendungsserver-Layers sowie Mobile-Enterprise -Management-Technologien, namentlich für Device-Management und IT-Sicherheit. Hinzu kommen weitere Kosten für IT-Services, die im Zusammenhang mit der Integration neuer Applikationen anfallen. Diese Kosten können mitunter dreimal so hoch sein wie die eigentlichen Software-Aufwendungen. Da sich dies vor allem durch die derzeit häufig anfallenden individuellen Anpassungen ergibt, gehen Anbieter von einer Relativierung dieser Kosten aus, sobald eine größere Anzahl an Anwendungen verfügbar ist.

Mehr über die Erwartungen der Anwender erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Ansprüche im Wandel

Betrachtet man die mobilen Applikationen als solche, kommt man nicht umhin, die Erwartungen der Anwender näher zu betrachten. Und diese sind auch im Unternehmensumfeld signifikant anders als noch vor einigen Jahren. Mobile Applikationen sollten demnach nativ, einfach zu implementieren und zu nutzen sein sowie ein angenehmes Nutzererlebnis mit sich bringen. Desweiteren wird erwartet, dies alles zu geringen Kosten und einer einfachen Beschaffung durch den Endnutzer umsetzen zu können. Für solche mobilen Anwendungen, die eigentlich nur eine Erweiterung der entsprechenden On-Premise-Lösung sind, ist dies in der Regel nicht gegeben.

Der Ablauf einer Einführung seitens eines dahingehend fortgeschrittenen Anbieters kann wie folgt aussehen: Ein Unternehmen entscheidet sich für eine mobile Applikation und wendet sich mit diesem Anliegen an einen Channelpartner oder direkt an den Anbieter. Sobald das Unternehmen die gewünschte User-Anzahl durchgegeben hat, kann die Anwendung zur Verfügung gestellt werden. Dafür erhält jeder Nutzer eine E-Mail vom Anbieter mit einem Link, sodass er diese über den App-Store selbst herunter laden kann. Ab diesem Punkt läuft dann alles über ein Self-Service-Modell.

Noch im Anfangsstadium

Momentan befinden wir uns noch in der Anfangsphase der Nutzung mobiler Business-Anwendungen. Cloud-Unternehmen sind derzeit noch führend hinsichtlich der Unterstützung von Unternehmen bei der Umsetzung erster Mobility-Strategien zur besseren Versorgung ihrer Mitarbeiter mit mobilen Technologien.

Traditionelle Software-Anbieter haben bisher nur eingeschränkte Möglichkeiten, ihren Kunden klare und einfache Wege hin zu einem Mobile Enterprise anzubieten – dies wird sich bald ändern müssen. Denn Unternehmen erwarten mehr Mobility und Software-Firmen müssen diesen Bedarf decken – unabhängig von ihrer eigentlichen Geschäftsstrategie.

Wenn IT-Leiter heute ihre Mobility-Strategie entwickeln, sollten sie nicht außer Acht lassen, dass entsprechende Geschäftsmodelle sich in den nächsten Jahren stetig weiter entwickeln werden. So ist dies auch ein guter Zeitpunkt, um mit Anbietern das Gespräch über angemessene Preise für mobile Infrastruktur zu suchen. Die Chancen in diesem Markt sind zahlreich und sowohl Anbieter als auch Anwender können von einem frühzeitigen Austausch profitieren.

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