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Interview mit Matthias Meierhofer Mittelstand als Stabilitätsfaktor für die Krankenhaus-IT

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Im Jahr 2014 gab es im Markt für Krankenhaus-IT einige Erschütterungen, die vor allem Kunden größerer Konzerne zu spüren bekamen. Matthias Meierhofer, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Meierhofer AG, sieht viele Vorteile für Kliniken, die bei ihrer IT-Infrastruktur auf eigentümergeführte, mittelständische Unternehmen vertrauen.

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Seit Februar 2008 ist Matthias Meierhofer Vorstandsmitglied des Branchenverbandes bvitg - Bundesverband Gesundheits-IT
Seit Februar 2008 ist Matthias Meierhofer Vorstandsmitglied des Branchenverbandes bvitg - Bundesverband Gesundheits-IT
(Bild: Meierhofer AG)

Herr Meierhofer, was spricht Ihrer Meinung nach für ein eigentümergeführtes Unternehmen als Partner für die Krankenhaus-IT?

Meierhofer: Auf Unternehmensebene ist der Vorteil ganz klar die höhere Stabilität. Wer als Klinikum ein neues KIS einführt, legt sich damit auf Jahre fest. Konzerne, die den Shareholder Value im Auge haben müssen, denken oft nicht in so langen Zeiträumen. Ein Unternehmen wie die Meierhofer AG, für die Gesundheits-IT das Kerngeschäft ist, kann nicht einfach den Markt wechseln, wenn der Return on Investment nicht stimmt. Wir bleiben am Ball, und das bedeutet Stabilität und Berechenbarkeit.

Verfügen internationale Konzerne nicht über mehr Mittel für innovative Entwicklungen?

Meierhofer: Das ist dann die zweite Ebene, die Produktebene. Natürlich können Konzerne eher als Mittelständler riesige Investitionsprogramme stemmen. Die Frage ist, wie viel davon beim Kunden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ankommt. Von einem teuren Entwicklungsprogramm, für das an anderen Stellen gespart wird und das dann bei einem Eigentümerwechsel wieder in Frage gestellt wird, hat der Kunde wenig. Das ist bei Mittelständlern anders. Wir investieren seit Langem jedes Jahr mehrere Millionen Euro in die kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Produkte. Dabei kümmern wir uns auch um Themen, bei denen nicht sofort Gewinne abfallen. Die eMedikation und der Pflegeprozess sind dafür zwei Beispiele. Wir sind überzeugt davon, dass das wichtige strategische Säulen sind, und deswegen entwickeln und investieren wir weiter in diese Themen, auch wenn es sich nicht unmittelbar finanziell auszahlt. Als Mittelständler geht das.

Die Anforderungen an Krankenhaus-IT-Lösungen werden komplexer. Wie können eigentümergeführte Unternehmen bei Themen wie Security oder Cloud-Diensten am Puls der Zeit bleiben?

Meierhofer: Die Argumentation, dass komplexe IT-Anforderungen nur von Konzernen bewältigt werden könnten, kommt alle paar Jahre wieder hoch. Bisher hat sich das nicht bewahrheitet. Ich persönlich glaube nicht, dass die Gesundheits-IT so kompliziert ist, dass sie nur über Konzerne abgewickelt werden kann, zumindest nicht so lange diejenigen, die die Technologie nutzen, quasi selbst Mittelständler sind. Das mag bei Klinikketten oder großen Universitätskliniken anders sein. Im Übrigen gibt es ja auch die Möglichkeit, Kooperationen mit spezialisierten Anbietern einzugehen. So haben wir mit der RZV GmbH schon seit Jahren einen Kooperationspartner, der sich auf IT-Dienstleistungen im SAP-Umfeld spezialisiert hat. Das ist eine Kooperation auf Augenhöhe. Wir hängen nicht am Rockzipfel eines Konzerns. Entsprechend kundenfreundlich sind die Lösungen, die dabei herauskommen.

Ist die Zufriedenheit bei den Kunden eigentümergeführter Unternehmen höher?

Meierhofer: Ich würde es anders herum ausdrücken: Als eigentümergeführtes Unternehmen können wir die Kundenzufriedenheit zum obersten strategischen Ziel machen. Das kommt für uns vor Ertrag und Wachstum, und es zieht sich durch die ganze Unternehmensstrategie. Wir sorgen für einheitliche und konstante Ansprechpartner. Wir bringen unsere Entwickler in engen Kontakt mit den Anwendern, um deren Bedürfnisse optimal zu erkennen. Wir evaluieren ständig unsere Produkte. Das alles erhöht mittelfristig die Kundenzufriedenheit und sorgt für bessere, nutzerfreundliche Lösungen.

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Matthias Meierhofer

Matthias Meierhofer hat noch während seines Studiums der Informatik und Theoretischen Medizin an der TU München im Jahr 1987 die Meierhofer EDV-Beratung gegründet, aus der Ende der neunziger Jahre die Meierhofer AG hervorging. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn wirkte Matthias Meierhofer als Initiator und Architekt des Informationssystems MCC und konzentrierte sich auf dessen Weiterentwicklung.

Seit der Ausrichtung des Unternehmens auf Krankenhausinformationssysteme befasste sich Meierhofer schwerpunktmäßig mit der Unternehmensentwicklung.

Zusätzlich zu seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender verantwortet Matthias Meierhofer die Bereiche Produkt- und Personalentwicklung sowie den Ausbau strategischer Partnerschaften bei der Meierhofer AG.

Seit Februar 2008 ist Meierhofer Vorstandsmitglied des Branchenverbandes bvitg - Bundesverband Gesundheits-IT.

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