Whitepaper zur digitalen Daseinsvorsorge Mit smartem Gemeinwesen zur besseren Gesellschaft

Von Eva Hornauer

Die digitale Daseinsvorsorge umfasst nicht nur die Digitalisierung der OZG-Leistungen. Vielmehr umfasst sie ein weites Spektrum an Pflichten, die Kommunen, Städte und Gemeinden in einer immer ­digitaler werdenden Welt erfüllen müssen. Ein Überblick über die verschiedenen Themenbereiche der digitalen Daseinsvorsorge verschaffen die Whitepaper von Sopra Steria und Prognos.

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Das Potential, das die Digitalisierung in den einzelnen Bereichen birgt, ist immens
Das Potential, das die Digitalisierung in den einzelnen Bereichen birgt, ist immens
(© ipopba – stock.adobe.com)

Die Whitepaper-Reihe „Deutschland kann das“ von Sopra Steria und Prognos stellt digitales Unternehmertum vor, das das Ziel verfolgt, „ein smartes Gemeinwesen zu schaffen, das die Möglichkei­ten der Digitalisierung nicht zum technischen Selbstzweck, sondern allein zur Verbesserung unserer ­Gesellschaft nutzt.“

Themen der vier Whitepaper sind

  • Public Safety,
  • Digitale Verwaltung,
  • Digital Health sowie
  • Smart Mobility.

Jeder dieser Teilbereiche der digitalen Daseinsvorsorge wird vorgestellt, der Vorteil der Digitalisierung im jeweiligen Bereich wird beleuchtet und mit Best-Practise-Beispielen veranschaulicht.

Public Safety

Das Whitepaper zum Thema „Public Safety“ möchte aufzeigen, wie digitale Lösungen die öffentliche Sicherheit und den Katastrophenschutz optimieren können, ohne beim Bürger das Gefühl der ständigen Überwachung auszulösen. Dabei konzentriert sich das Papier auf Warnsysteme, den Einsatz von Robotern, die Verbesserung von Einsatzleitsystemen, die mobile ­digitale Infrastruktur an Einsatzorten und Big-Data-Analysen.

Warnsysteme, die die Bürger als App auf ihrem Smartphone installieren können, haben das Potential, viele Menschen frühzeitig über bevorstehende Katastrophen zu warnen. Die betroffenen Personen können dann Sicherheitsmaßnahmen entsprechend der erhaltenen Warnung vornehmen. In Deutschland gibt es solche Apps bereits. Die bekanntesten Warn-Apps sind hierzulande wohl die Notfall-Informations- und Nachrichten-App (kurz NINA) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die App Katwarn vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme.

Während der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz versagten diese Apps allerdings. Es wurden 150 Warnmeldungen verschickt, erklärte Armin Schuster, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, beim ZDF. Diese kamen aber zu spät oder gar nicht bei den Menschen in den Flutgebieten an. Grund dafür: Die Mobilfunknetze waren überlastet, und die Wassermassen sorgten für Stromausfälle.

Neben den modernen Warnsystemen fokussiert sich das Whitepaper zu Public Safety auch auf den Einsatz von Robotern, smarte Einsatzleitsysteme und mobile digitale Infrastruktur am Einsatzort. Roboter – wie der neue Polizeiroboter Herbie in NRW – können in brenzligen Situationen die Rolle von Menschen übernehmen. Smarte Einsatzleitsysteme kombinieren verschiedene Datenquellen miteinander und bereiten die so erhaltenen Informationen auf, sodass die jeweilige Gefahrensituation möglichst genau abgebildet und eingeschätzt werden kann. Und durch eine mobile digitale Infrastruktur – also zum Beispiel mobile Router – können Einsatzkräfte auf ein stabiles Mobilfunknetz und eine funktionierende Internetverbindung vertrauen.

Digitale Verwaltung

Neben dem Themenkomplex ­Public Safety wird der „Digitalen Verwal­tung“ ebenfalls ein Whitepaper gewidmet. Die Autoren beschäftigen sich hier mit der Frage nach einer serviceorientierteren und effizienteren Verwaltung. Dabei spielen vor allem die digitalen Verwaltungsdienstleistungen, die interne Verwaltungsdigitalisierung, Date-driven Government und digitale Beteiligungsverfahren eine zentrale Rolle.

Digitalisierte Verwaltungsdienstleistungen und eine digitale Verwaltung (interne Verwaltungsdigitalisierung) sind sowohl für die Bürger auf der einen als auch für die Mitarbeiter auf der anderen Seite von Vorteil. Der Normenkontrollrat prognostiziert eine Zeit­ersparnis von 47 Prozent durch die Umsetzungen der 35 wichtigsten OZG-Leistungen für die Bürger.

Die interne Verwaltungsdigitalisierung könne, im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem damit einhergehenden Renteneintritt vieler Beschäftigter im Verwaltungsapparat, ein Game-Changer sein. Bis 2030 rechnet man immerhin mit einem Nettoverlust von 30 Prozent der Beschäftigten in Öffentlichen Verwaltungen – so die Hochrechnung einer Studie von McKinsey. Digitale Prozesse innerhalb der Verwaltungen können die Mitarbeiter dann entlasten, so der Schluss des Whitepapers.

Egal welchen Aspekt von digitalen Verwaltungen man betrachtet, die zentrale Erkenntnis der letzten Jahre lautet wohl: Die Verwaltungsdigitalisierung wird Deutschland noch lange beschäftigen. Denn „Digitalisierung hat kein Enddatum“, wie der CIO von Rheinland-Pfalz, Fedor Ruhose, bereits im ­Interview mit eGovernment Computing feststellte.

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Digital Health

Der Demografische Wandel ist nicht nur für die Öffentliche Verwaltung eine Herausforderung. Auch im Gesundheitssektor werden die Folgen einer immer älter werdenden Gesellschaft zu spüren sein, denn ältere Menschen benötigen oftmals Pflege und zumeist mehr medizinische Behandlungen als junge Menschen.

Mit Hilfe von Krankenhaus­informationssystemen, Telemedizin, Robotik, Big Data & KI sowie Mobile Health könnte das Gesundheitswesen entlastet werden. Im Whitepaper zu Digital Health heißt es dazu etwa: „Smarte Technologien im Gesundheitsbereich versprechen eine Entlastung vor allem für das Management und die Verwaltung, aber auch für die medizinisch-pflegerische Versorgung.“

Eine dieser smarten Technologien ist die Telemedizin. Durch telemedizinsiche Angebote könnte die Gesundheitsversorgung auf dem Land verbessert werden. Außerdem ermögliche Telemedizin die flächendeckende und ortsunabhängige ­Regelversorgung im Bereich Kliniken und Expertenzentren. Ebenso können digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) – „Apps auf Rezept“ – bei der Diagnose und Therapie von Krankheiten sowie bei der Fernüberwachung von Patienten hilfreich sein.

Ob Künstliche Intelligenz (KI) bei der Bilddatenanalyse in der Diagnostik, Robotertechnik im OP oder die digitale Vernetzung von gesundheitsbezogenen und administrativen Daten durch Krankenhausinformationssysteme (KIS) – der Bereich Digital Health hat ein enormes Entwicklungspotential.

Smart Mobility

Zur digitalen Daseinsvorsorge zählt auch der Bereich Verkehrswesen und ÖPNV. Digitalisierung in diesem Bereich drehe sich vor allem um – so das Whitepaper „Smart Mobility“ – die digitale Analyse und Steuerung von Verkehrsräumen, Mobilität als Service, zukunftsfähigen ÖPNV sowie intelligente Wirtschaftsverkehre.

Digitale Verkehrsanalysen können bei der Regelung des Verkehrs oder bei der Schadenserkennung von öffentlichen Straßen helfen. Dafür braucht es aber entsprechende ­Daten. Diese können mithilfe von Sensoren und Kameras im Straßenverkehr erhoben werden.

Die Verkehrswende – die wir zwecks Klimaschutzes dringend vollziehen müssten – kann nur dann gelingen, wenn der ÖPNV zur echten Alternative des Autos wird. Die Attraktivität von Bus, Bahn und Co. kann auch mithilfe von digitalen Lösungen gesteigert werden: So werden in verschiedenen deutschen Städten Check-in/Be-out-Systeme getestet. Diese erkennen die genaue Strecke, die ein Fahrgast mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt hat und buchen dann nur den Betrag für ebendiese Strecke ab. Langwieriges Checken von Ticketpreisen und Geltungsbereichen fällt damit weg.

Ausblick

Die Whitepaper aus der Reihe „Deutschland kann das“ geben einen Überblick über die verschiedenen Themenfelder der digitalen Daseinsvorsorge. Das Potential, das die Digitalisierung in den einzelnen Bereichen birgt, ist immens. Um davon zu profitieren, müssen aber die nötigen Schritte zur Umset­zung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam in Angriff genommen werden.

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