Sicherheitsforschung der TU Darmstadt Mit GhostTouch theoretisch kontaktlos Handys kapern

Von Peter Schmitz

In einem internationalen Forschungsprojekt ist es Forschenden am System Security Lab der TU Darmstadt und der Zhejiang-Universität in Hangzhou zum ersten Mal gelungen, gezielte Angriffe auf kapazitative Touchscreens durchzuführen. Mit dem sogenannten „GhostTouch“ konnten sie durch elektromagnetische Interferenzen (EMI) Berührungen auf dem Display imitieren und so das Smartphone fernsteuern.

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Forscher der TU-Darmstadt konnten demonstrieren, dass Angriffe auf Touchscreens von Smartphones möglich sind.
Forscher der TU-Darmstadt konnten demonstrieren, dass Angriffe auf Touchscreens von Smartphones möglich sind.
(© metamorworks - stock.adobe.com)

Um den „GhostTouch“ Angriff zu realisieren, musste das Forschungsteam zwei wesentliche technische Herausforderungen überwinden: Erstens die Schwierigkeit, den Touchscreen überhaupt durch elektromagnetische Interferenzen zu beeinflussen und zweitens vorhersagbare und kontrollierbare Berührungen zu erzeugen. „Bei unseren Angriffen haben wir die Leistung der EMI-Sendeantenne, die Signalfrequenz und die Distanz zum Handydisplay variiert, um mit der passenden Signalstärke Berührungen wie Tippen oder Wischen auszulösen“, erklärt Richard Mitev, Doktorand am System Security Lab.

Berührungen nachahmen

Um gleichzeitig steuerbare Berührungen zu erzielen, untersuchten die Wissenschaftler im Vorfeld die Bildschirme der getesteten Smartphone-Modelle gründlich. Jedem Gerätemodell liegen bestimmte Bewegungsmuster für Aktionen wie Entsperren, Auswählen oder Scrollen zugrunde. Durch die exakte Abstimmung der Parameter des elektromagnetischen Signals konnten diese Bewegungsmuster mit gezielt positionierten Berührungen nachgeahmt werden. Das blieb allerdings auf eine maximale Entfernung von 40 mm beschränkt, was den Praxisnutzen des Angriffs stark einschränkt.

Mit Hilfe des „GhostTouchs“ und den damit vorgeblichen Berührungen konnten in Angriffsszenarien verschiedene Bedrohungen umgesetzt werden, wie etwa das Einschleusen von Malware. Kennen Angreifende die Telefonnummer des Opfers, können sie zum Beispiel eine Nachricht schicken, die einen bösartigen Link enthält. Zeigt das Telefon dann eine Benachrichtigung für die eingegangene Nachricht an, können per „GhostTouch“ die Benachrichtigungen geöffnet und der Link angeklickt werden, um etwa die im Link enthaltene Malware herunterzuladen.

Darüber hinaus können Angreifende über WiFi oder Bluetooth eine heimtückische Verbindung herstellen. So lässt sich das Handy etwa mit einer Bluetooth-Maus steuern oder ein Man-in-the-Middle-Angriff durchführen, mit dem beispielsweise die Kommunikation abgefangen werden kann. Auch können über „GhostTouch“ Anrufe entgegengenommen werden, so dass damit ein Lauschangriff gestartet und das Opfer abgehört werden kann.

Neun der zwölf getesteten Smartphone-Modelle ließen sich manipulieren

Obwohl die modernen Bildschirme gründlichen elektromagnetischen Tests unterzogen werden und über ein abschirmendes Anti-Interferenz-Design verfügen, konnten auf neun der zwölf getesteten Smartphone-Modelle gezielte, kontaktlose Berührungen erzeugt und somit Angriffe realisiert werden. Dies zeigt, dass die Funktionalität selbst modernster Touchscreens unter bestimmten Voraussetzungen und mit der richtigen Ausrüstung manipuliert werden kann und man ihnen nicht blind vertrauen darf.

Die Forschungsergebnisse zum „GhostTouch“ werden auf der diesjährigen USENIX Security Konferenz vorgestellt, die zwischen dem 10. und 12. August in Boston stattfindet.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unserem Schwesterportal Security-Insider.

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