Länderübergreifende Zusammenarbeit

Mit eGovernment in der Cloud 1,8 Milliarden Euro sparen

30.03.2011 | Redakteur: Manfred Klein

Herr Häfner, in Rheinland-Pfalz hat man beste Erfahrungen nicht nur mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit, sondern auch mit der IT-Konsolidierung gemacht. Welche Einsparungen lassen sich so realisieren?

Häfner: Durch die zentrale Steuerung der IT-Aktivitäten in der rheinland-pfälzischen Landesverwaltung haben wir in den vergangenen fünf Jahren eine weitgehend interoperable und kostenmäßig optimierte IT-Infrastruktur für die Landesverwaltung geschaffen. Darauf sind wir stolz. Diesen Weg werden wir weitergehen.

Durch Synergien im Rechenzentrum können wir die verlagerten Serversysteme mittlerweile für etwa die Hälfte der Kosten als vorher dezentral in den Ressorts betreiben, und dazu noch mit einer besseren Qualität. Dies ermöglicht bei mittlerweile rund 500 migrierten Systemen ein deutliches Einsparpotenzial.

Herr Benz, bleiben dergleichen Kooperationen auf die Landesebene beschränkt oder können sie auf die kommunale Ebene ausgedehnt werden? Wenn ja, wie lässt sich das bewerkstelligen? Wie gehen Sie dabei in Baden-Württemberg vor?

Benz: Selbstverständlich lässt sich gute Zusammenarbeit auch mit der kommunalen Ebene praktizieren. Wir pflegen in Baden-Württemberg beim eGovernment einen regelmäßigen Informations- und Erfahrungsaustausch mit den kommunalen Spitzenverbänden und den Organisationen der kommunalen Datenverarbeitung. Gemeinsame eGovernment-Standards beschließen wir auch gemeinsam. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Herr Westerfeld, Sie haben den viel zu teueren IT-Einsatz in der Öffentlichen Verwaltung kritisiert und sich für eine umfassende IT-Konsolidierung ausgesprochen. Wie ließe sich eine solche Konsolidierung Ihrer Meinung nach umsetzen und welche Kosteneinsparungen könnten damit erzielt werden?

Westerfeld: Sie haben das Thema Cloud Computing ja bereits angeschnitten. Nach K. Rangan (Merrill Lynch 2008) werden die Rechenzentrumskapazitäten durchschnittlich nur zwischen fünf und 20 Prozent ausgenutzt. Das gilt auch für die Rechenzentren der Öffentlichen Verwaltung. Die Spitzenlast von Applikationen in den Rechenzentren liegt im Vergleich zur Durchschnittslast etwa zwischen dem Faktor 2 und 10 (Quelle: Armbrust, M. et al.: A View of Cloud Computing. Communication oft he ACM, Vol. 53, No. 4, April 2010).

Daher kann allein mit Cloud-Computing-Techniken eine Konsolidierung der IT in der Öffentlichen Verwaltung erreicht werden. Nimmt man die möglichen Skaleneffekte und Standardisierungspotenziale hinzu, so können viele neue Herausforderungen wie Open Government und Online-Prozess-Portale daraus finanziert werden.

Bei einem IT-Volumen des Bundes, der Länder sowie der Kommunen von mehr als 18 Milliarden Euro jährlich sollten zehn Prozent Einsparung durch einen gemeinsamen Kooperationswillen möglich sein.

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posted am 30.03.2011 um 10:00 von merger


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