Vernetzte Augen Mexico-Stadt unterstützt Sicherheitsinitiative „MiCalle“ mit cloudbasiertem Videomanagement

Autor / Redakteur: Rishi Lodhia* / Ira Zahorsky

Je größer eine Stadt, desto mehr Brennpunkte hat sie. Eine zentrale Videoüberwachung hilft, diese im Auge zu behalten. Die Megalopolis Mexiko-Stadt geht diese Aufgabe seit einiger Zeit an und installierte rund 58.000 Cloud-Videokameras.

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Mexico-Stadt hat 58.000 Cloud-Videokameras für die Überwachung des öffentlichen Raums aufgestellt, um mehr Sicherheit zu gewährleisten.
Mexico-Stadt hat 58.000 Cloud-Videokameras für die Überwachung des öffentlichen Raums aufgestellt, um mehr Sicherheit zu gewährleisten.
(Bild: © Byelikova Oksana - stock.adobe.com)

Große Datenmengen von Videoaufzeichnungen helfen, das Verkehrsaufkommens an Knotenpunkten zu überprüfen, Parkplatzangebote zu verwalten sowie Besucherströme an frequentierten Plätzen zu untersuchen und zu steuern. Alternativ haben sie öffentliche Plätze, an denen illegal Müll entsorgt wird, oder umweltrelevante abgelegene Standorte, etwa der städtischen Wasserwerke, im Blick.

Für eine intelligente Stadt analysieren Cloud-Plattformen die von den Kameras übermittelten Information sehr effektiv. Sie spielen zunehmend eine wichtige Rolle, um Gebäude, Straßen oder Plätze zu überwachen und auf Vorfälle schnell zu reagieren: So lassen sich im Ernstfall die verschiedenen Akteure, wie die Stadt, Betreiber von Gebäuden oder Ersthelfer oder auch einzelne Bürger, die Hilfe benötigen, vernetzen. Für die langfristige Prävention entsteht eine geographische Sicherheitslage der Stadt, um etwa Polizeikräfte besser verteilen zu können.

Offen für alle

Ein Beispiel für den schnellen Ausbau einer wirksamen, effizienten und zukunftssicheren Überwachung des öffentlichen Raumes ist die Hauptstadt von Mexiko. Die Behörden der Megalopolis mit 8,9 Millionen Einwohnern im eigentlichen Stadtgebiet suchten eine neue Struktur zur Videokontrolle von Plätzen und Stadtteilen, um die Initiative für ein Mehr an Sicherheit im öffentlichen Raum „MiCalle“ („Meine Straße“) zu unterstützen.

Passanten sollten über die Smartphone-App CDMX oder über einen Notfallknopf an einem Mast mit Kamera, dem Totem, Notrufe senden. Ebenso auch Taxifahrer über eine mobile Kamera im Auto. An Körpern getragene Geräte von Einsatzkräften waren ebenfalls anzubinden. Adressat der Aufzeichnungen war an die zentrale Anlaufstelle „C5“ (Centro de Comando, Control, Cómputo, Comunicaciones y Contacto Ciudadano de la Ciudad de México – Zentrale für Kommando, Kontrolle, Computing, Kommunikation und Bürgerkontakt).

Um die große Zahl an Systemen und die drahtlose Netzwerkinfrastruktur samt Plattform zu implementieren und das Material zentral zu sichten sowie zu verwalten, wurde der Einsatz Cloud-basierter Videomanagementsysteme überprüft.

Blick aus der Wolke

Zunächst wählten die Verantwortlichen unter anderen das Angebot des mexikanischen Anbieters von Cloud-Implementierungen, Omnicloud, für erste Tests aus. Dessen Vorschlag fußt auf einer SaaS-basierten Physical-Security-Information-Management (PSIM)-Software. OmniView betreibt die Schnittstelle zur C5-Zentrale, während Eagle Eye Networks neue Kameras und eine Videomanagement-Plattform liefert, um die aufgenommenen Inhalte zu betrachten. Eine offene, auf der Representational-State-Transfer- (RESTful) Architektur aufbauende Schnittstelle versendet die aufgezeichneten Videosequenzen, um das Geschehen automatisiert und mit Künstlicher Intelligenz zu überwachen. Für den Fall, dass ein Auto eine festgelegte Grenzlinie überschreitet, lassen sich Alarme festlegen: Dabei werden Kfz-Typ, Farbe, Nummernschild und damit berechtigte Personen erkannt. Die intelligente Plattform unterscheidet ein einfahrendes Fahrzeug auch von einem sich bewegenden Baum und minimiert Fehlalarme.

Für die Analyse nutzen zum Beispiel Ermittler ein Big-Data-Framework, um zeitreihenbasierte Daten zu erstellen. Außerdem können sie aufgezeichnete Inhalte durchsuchen, indexieren und abrufen. Ergänzende Informationen lassen sich an das Material anhängen.

Schnell in Etappen eingerichtet

An den ersten Tests beteiligten sich die Stadt Mexiko, OmniCloud und die Nachbarschaften in den Stadtvierteln. Hier überprüften die Betreiber, ob ein solches Netz unter den örtlichen Gegebenheiten funktioniert. Dafür wurden innerhalb weniger Tage fünf Wireless-Totems in Betrieb genommen. Die Testinstallationen verfügten wie die später aufgebauten Modelle für den Ernstfall über einen Panikknopf. Sie übertrugen über den eingebauten 4G-Router die Bilder von zwei Indoor-Outdoor-Kameras durchgängig verschlüsselt an die Management-Plattform. Als Infrastruktur wurde C5, eine externe Cloud, vorgeschlagen, um die Verfügbarkeit, eine akzeptable Fehlertoleranz und ein dreifach redundantes Speichern des Filmmaterials zu gewährleisten. Diese konnte C5 mit der eigenen IT-Infrastruktur nicht abbilden. Der Cloud-Standort sollte zudem die Integrität der Informationen garantieren und den Datenschutz unterstützen.

Installation der Totems vor Ort in Mexico City
Installation der Totems vor Ort in Mexico City
(Bild: OmniCloud)

Nach der erfolgreichen Testinstallation entschieden sich alle Beteiligten für das vorgeschlagene System. Einsatzbereite Installationskits stellten Omnicloud und Eagle Eye Networks. Die Stadt steuerte Strom, Panikknöpfe, rote Alarmleuchten und die 4G-Router der Totems bei. Rund 200 Installateure von externen Dienstleistern bauten die Systeme für Omnicloud auf. Dank der sofort möglichen Funktionschecks waren die Systeme nach einem Ortstermin sofort einsatzbereit. Um die Schnelligkeit und die Qualität zu sichern, mussten zwei Dienstleister zu Anfang des Projekts ausgetauscht werden. Auch wurden die Wünsche der Anwohner oder Immobilienbesitzer berücksichtigt: Nur 20 Prozent der Kameras konnten an existierenden Gebäuden angebracht werden, der Rest an Totems. Eigentlich war ein umgekehrtes Verhältnis vorgesehen.

Weitsichtig

Totem für eine Testinstallation in Mexico City
Totem für eine Testinstallation in Mexico City
(Bild: Omnicloud)

Bereits in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 wurden 12.270, bis Ende 2020 58.000 Kameras installiert und an die Plattform angebunden. Anstelle von Glasfaser trat nun eine drahtlose 4G-LTE-Backbone-Plattform. Sollte dieser Dienst ausfallen, läuft das Netzwerk im Bedarfsfall unter 3G. In der Zukunft kann es auf 5G umgestellt werden und die Bilder können höher aufgelöst bei gleichbleibenden Kosten übertragen werden. Die Anzahl der Vorort-Systeme lässt sich bis zu einer gewissen Menge noch erhöhen, ohne dass die Netzinfrastruktur erweitert werden muss. Dank der Speicherkapazität in der Cloud lassen sich die Videos nicht nur sieben, sondern 30 Tage vorhalten. Für die Stadt entfällt der Betrieb der Telekommunikationsanlagen. Auch ist sie nicht mehr an einen bestimmten TK-Anbieter gebunden.

Das neue System trägt seinen Teil zum Erfolg der Sicherheitsinitiativen in der mexikanischen Hauptstadt bei: Im Rahmen eines seit sieben Jahre laufenden Gesamtprojekts sank die Kriminalitätsrate um 58, die der Autodiebstähle um 56 Prozent. Die Reaktionszeit der Polizei reduzierte sich von zwölf auf zwei Minuten und die Höhe der Versicherungsprämien in der Stadt um 30 Prozent.

*Der Autor, Rishi Lodhia, ist Managing Director EMEA bei Eagle Eye Networks.

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