Medizintechnik

Mensch oder Maschine? – Skepsis bei neuen Technologien

| Autor: Ann-Marie Struck

Neue Technologien werden in den nächsten Jahren verstärkt im Gesundheitssektor genutzt
Neue Technologien werden in den nächsten Jahren verstärkt im Gesundheitssektor genutzt (Bild: Minerva Studio - Fotolia)

Ein Roboter führt eine Operation am Herzen durch – eine Szene, die mittels neuerer Technologien in der Medizin in absehbarer Zeit möglich wäre. Obwohl Deutsche Innovationen im Gesundheitssektor nicht abgeneigt sind, gibt es dennoch Bedenken.

In einer aktuellen Studie von VMware über Künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT) oder Blockchain in der Gesundheit wurden 2.000 Verbraucher über ihr Vertrauen in neue Technologien gefragt. Demnach schlägt Mensch immer noch Maschine. 61 Prozent der Deutschen würden einen menschlichen Chirurgen einem Roboter vorziehen, selbst wenn es den anschließenden Heilungsprozess beschleunigen würde.

Es herrscht immer noch Misstrauen in neue Technologien, obwohl die Deutschen bei alltäglichen Szenarien der Nutzung neuer Technologie nicht abgeneigt sind und deren Potential durchaus erkannt wird. Beispielsweise stehen 65 Prozent der Befragten einer Beobachtung der Vitalwerte von Krankenhauspatienten mithilfe eins digitalen Armbandes offen gegenüber. Die Mehrheit der Befragten (68 %) befürworten auch den Einsatz von neuen Technologien, um dadurch älteren Familienangehörigen die Möglichkeit zu geben, so länger in ihrem Zuhause zu bleiben. Zudem glauben 32 Prozent der Deutschen an die Verbesserungsmöglichkeiten durch Künstliche Intelligenz in der medizinischen Versorgung.

Überblick: Die Erwartungen der Deutschen hinsichtlich neuer Technologien
Überblick: Die Erwartungen der Deutschen hinsichtlich neuer Technologien (© vmware)

Eine Sache der Kontrolle

Ein Grund für die vorsichtige Nutzung neuer Technologien liegt in der Abneigung der Verbraucher, die Kontrolle über gewisse Lebensbereiche abzugeben, so die Studie. Zum Beispiel wollen nur 20 Prozent die Kontrolle über ihre Ernährung an technische Hilfsmittel abgeben, auch wenn die gesundheitlichen Vorteile groß sind. In diesem Punkt lassen sich große Unterschiede zwischen den Altersgruppen erkennen. Denn 40 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren sind eher dazu bereit, die Kontrolle über ihr Ernährung abzugeben, wenn sie daraus einen Nutzen ziehen können, als Menschen über 55 Jahren (14 %). Eine Begründung dafür liegt an dem allgemeinen Gefühl des Kontrollverslust durch Technologien, was 39 Prozent der Befragten bestätigen.

Schutz der Persönlichkeit

Eine weitere Ursache für das Misstrauen ist das Thema Datenschutz. Der Umfrage zufolge fühlen sich 42 Prozent aller Teilnehmer unwohl dabei, exakte Daten über sich in Bezug auf Ernährung, Sport und Lifestyle an ihren Arzt zu übermitteln. Bestärkt wird dieses Gefühl durch die Unsicherheit der Verbraucher, nicht genau zu wissen, wer Zugriff auf ihre persönlichen Daten hat und wozu sie genutzt werden (63 %).

Missverständnisse aus dem Weg räumen

Obwohl neueste Technik täglich genutzt wird, herrscht weiterhin noch ein großer Aufklärungsbedarf. Ergebnisse der Studie zeigen, dass 45 Prozent der deutschen Verbraucher unter Künstlicher Intelligenz einen Roboter verstehen. Dabei handelt es sich um einen intelligenten Sprachcomputer, der eigenständig Entscheidungen treffen und lernen kann. Durch diesen Lernprozess kann er neue Dienstleistungen und Erfahrungen schaffen. Diese Fehlannahme geht aus der Unwissenheit der Menschen über KI, IoT und Blockchain hervor.

Ein Beispiel dafür sind Wearables wie FitBit-Armbänder. Diese werden von 11 Prozent der Befragten bereits genutzt, jedoch herrscht Unsicherheit über die Funktionsweise, und nicht einmal die Hälfte ist sich bewusst, dass sie damit Technologien wie KI oder IoT nutzen.

Zukunft des Gesundheitssektors

IoT oder KI bieten großes Potential für den Gesundheitssektor und werden in den nächsten Jahren verstärkt zum Einsatz kommen. Aktuell wird viel im Bereich KI geforscht. In den USA startete bereits ein Pilotprojekt, in dessen Rahmen Künstliche Intelligenz Chirurgen per Sprachsteuerung während der Operationen begleitet. Die KI unterstützt Ärzte dabei, indem sie Krankheiten und Verletzungen zeitgleich analysiert und Hinweise gibt.

Voraussetzung für die Nutzung solcher Möglichkeiten ist neben Transparenz und Datensicherheit von Gesundheitseinrichtungen auch Vertrauen sowie die Aufklärung der Verbraucher.

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