Projekt des Normenkontrollrats

Mehr Zeit für Patienten statt für Bürokratie

| Redakteur: Ira Zahorsky

Statement Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

Seit Jahren weisen uns die zahnärztlichen Kollegen auf die kontinuierlich steigenden bürokratischen Belastungen in ihren Praxen hin. Unsere aktuelle große Jugendstudie zeigt, dass 79 Prozent unserer angehenden Zahnärztinnen und Zahnärzte „Bürokratie“ für den unangenehmsten Aspekt ihres späteren Berufslebens halten, der für 47 Prozent sogar dagegen sprechen könnte, eine eigene Praxis zu gründen. Daher sind wir dankbar, dass es im Projekt „Mehr Zeit für Behandlung“ gelungen ist, die wesentlichen Beteiligten im Gesundheitswesen zusammenzubringen. Denn endlich bestand die Chance, der „gefühlten“ Bürokratie konkrete Zahlen entgegenzustellen, indem die Bürokratiebelastungen von niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten nach einer anerkannten Methode mit Hilfe des Statistischen Bundesamts (destatis) gemessen wurden, um hier an konkrete Abbauvorschläge zu knüpfen.

Aus Sicht der Bundeszahnärztekammer besteht sowohl bei den Vorgaben zur Einrichtung und zum Betrieb von Röntgeneinrichtungen, vor allem aber bei der Aufbereitung von Medizinprodukten ein erhebliches Optimierungspotenzial. Mit unseren Abbauvorschlägen haben wir versucht, die Bürokratieschraube ein wenig zurückzudrehen, ohne bei zentralen Themen wie der Hygiene oder bei der Patientensicherheit Abstriche zu machen.

Als nun Herr Catenhusen im Sommer dieses Jahres an die Projektbeteiligten mit der bereits zu Beginn angekündigten Standortbestimmung herantrat, habe ich mich einerseits sehr über diesen Schritt gefreut, war andererseits auch etwas ernüchtert. Denn, um es offen zu sagen: In den vergangenen zwei Jahren seit Erscheinen unseres Abschlussberichts haben wir mit unseren Kernforderungen nicht viel erreichen können. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen vor allem daran, dass wir die zuständigen Stellen in den einzelnen Bundesländern von unseren Vorschlägen überzeugen müssen.

Andererseits wurde uns von Anfang an klargemacht, dass Bürokratieabbau ein kontinuierlicher Prozess ist und es nur in regelmäßigen Gesprächen möglich ist, konkrete Entlastungen zu erzielen. Gerade bei der Umsetzung von Vorgaben auf Bundesebene in den Ländern und Kommunen brauchen wir zudem die Bereitschaft, bürokratiearme „Best-Practice-Lösungen“ zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen. Mit anderen Worten: Wir brauchen den Dialog und den Willen aller Beteiligten, um gemeinsam mit der Selbstverwaltung den Bürokratieabbau und effizientes Handeln im Gesundheitswesen weiter voranzutreiben.

Mit Unterstützung der Projektpartner werden wir nun erneut in Gespräche mit den Überwachungsbehörden der Länder eintreten. Und ich bin zuversichtlich, dass unsere guten Argumente dieses Mal tragen werden.

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