Zusammenarbeit zwischen Politik, Behörden und Industrie

Mehr Nachhaltigkeit bei der IT-Beschaffung

| Autor / Redakteur: Doris Albiez* / Susanne Ehneß

Das Einkaufsvolumen der Öffentlichen Verwaltung ist ein mächtiger Hebel, um einen Nachhaltigkeitswandel zu bewirken
Das Einkaufsvolumen der Öffentlichen Verwaltung ist ein mächtiger Hebel, um einen Nachhaltigkeitswandel zu bewirken (© cienpies - stock.adobe.com)

Behörden und Verwaltungen haben beim Einkauf von Hard- und Software nicht nur eine wichtige Vorbildfunktion, sondern auch den nötigen Einfluss auf die Marktteilnehmer, um für einen geringeren ökologischen Fußabdruck zu sorgen. Eine Einschätzung von Doris Albiez.

Machen wir uns nichts vor: Jeder, der einkauft, ist mitverantwortlich dafür, ob und inwieweit bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen Raubbau an der Umwelt betrieben wird, Ressourcen verschwendet oder Menschen ausgebeutet werden. Das gilt für private Haushalte ebenso wie für ­Unternehmen, Behörden und Kommunen.

Marktmacht

Gerade öffentliche Auftraggeber sind hier in der Pflicht, einerseits angesichts ihres gesellschaftspolitischen Auftrags, vor allem aber auch aufgrund ihrer schieren Marktmacht. So wird allein in Deutschland jedes fünfte IT-Gerät von öffentlichen Auftraggebern beschafft. Bis 2021 werden Behörden und Verwaltungen in der EU voraussichtlich 45 Milliarden Euro für neue IT ausgeben. Damit hat die Öffentliche Hand nicht nur eine wichtige Vorbildfunktion, sondern auch den nötigen Einfluss auf die Marktteilnehmer, um für einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck zu sorgen. Das Einkaufsvolumen der Öffentlichen Verwaltung ist ein mächtiger Hebel, um einen echten Nachhaltigkeitswandel zu bewirken.

Günstig statt nachhaltig

Im Alltag geht der grüne Aspekt beim IT-Einkauf jedoch allzu gerne unter: So ergab eine Analyse der Europäischen Kommission, dass nach wie vor mehr als die Hälfte der Aufträge allein nach den Anschaffungskosten vergeben wird.

Dabei hat die EU selbst ein Rahmenwerk geschaffen, das eine umweltfreundlichere Einkaufspolitik erlaubt. Bereits 2014 sorgte eine Überarbeitung der Europäischen Richtlinie für die öffentliche Auftragsvergabe dafür, dass bei Ausschreibungen weitere Kriterien – allen voran die Frage der Nachhaltigkeit – berücksichtigt werden können. Der Anschaffungspreis als bis dato wichtigste und nicht selten alleinige Grundlage wurde gekippt.

Die meisten EU-Mitgliedstaaten haben diese Richtlinie seit etwa zwei Jahren auch in nationales Recht umgesetzt. Die Rahmenbedingungen sind also vorhanden, damit die Öffentliche Verwaltung ökologischer und sozial verträglicher einkauft. Trotzdem nutzen viele Stellen diese Möglichkeit bisher nicht.

Wenn Freiwilligkeit allein also nicht funktioniert, ist es an der Zeit, über verpflichtende Regelungen nachzudenken, die dafür sorgen, dass ökologische Aspekte bei der Beschaffung in jedem Fall berücksichtigt werden. Dies würde für einen echten Paradigmenwechsel sorgen – und den Anstoß geben für ein Umdenken bei allen Beschaffungsprozessen.

Auch Anbieter in der Pflicht

Die Öffentliche Hand und ihr Einkaufsverhalten sind allerdings in der gesamten Diskussion nur die eine Seite der Medaille – auch die IT-Anbieter selbst stehen hier in der Pflicht. „Nachhaltigkeit by ­Design“ sollte bei jedem Produkt die Leitlinie sein. Der Grundsatz einer grüneren IT bedeutet dabei ein bewusstes Hinwenden zu mehr Ökologie im kompletten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zum Recycling und der Entsorgung.

Die Autorin: Doris Albiez
Die Autorin: Doris Albiez (© Dell)

Es gibt zudem eine einfache Faustregel: Je länger ein Gerät im Einsatz ist, desto besser ist es für die Umwelt. Damit dies gelingt, müssen Hersteller dafür sorgen, dass Hardware für zukünftige Anforderungen aufgerüstet werden kann, um fortlaufende Neuanschaffungen zu vermeiden. Zudem müssen Anwender einen einfacheren Zugang zu Ersatzteilen erhalten, damit wieder mehr repariert und weniger ausgetauscht wird.

Und auch beim Recycling müssen wir besser werden: Wenn man sich einmal vor Augen führt, dass eine Tonne an Festplatten 800-mal mehr Gold enthält als die gleiche Menge an abgebauten Golderzen, sieht man, wie wichtig allein ein geschlossener Rohstoff-Kreislauf und das Recycling sind. Hier ist vor allem die IT-Industrie gefordert, jeden Schritt zu optimieren.

Dialog

Bei der Vergabe von IT-Aufträgen sollte also von allen Beteiligten ein stärkeres Bekenntnis zu ökologischen und sozialen Aspekten eingefordert werden. Dazu braucht es einen fortlaufenden Dialog und ­eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Politik, Behörden und Industrie, um Richtlinien und Abläufe zu vereinfachen und so unnötige bürokratische Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Ein Anfang dazu ist gemacht. Nun ist es an uns allen, unser Bewusstsein zu schärfen und entsprechend zu handeln. Wir müssen begreifen, wie wichtig es ist, mit der Erde und ihren Ressourcen so umzugehen, dass auch zukünftige Generationen einen intakten Lebensraum vorfinden.

*Die Autorin: Doris Albiez, Senior Vice President & General Manager, Dell Technologies Deutschland

Die Analyse der EU-Kommission „Eine funktionierende öffentliche Auftragsvergabe in und für Europa“ finden Sie hier als PDF.

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