Redaktionsbeirat II

Mehr Kommunikation und Marketing für eGovernment

| Redakteur: Manfred Klein

Volker Kadow von der PDV-Systeme GmbH meinte dazu: „Anmerken möchte ich aber, dass eine umfassende Bestandsaufnahme der laufenden Prozesse ebenfalls zu einer Sensibilisierung führen könnte. Wenn den Unternehmen bewusst würde, welche Kosten die bestehenden Prozesse verursachen, dann könnte auch dies dazu beitragen, dass die Unternehmen auf schlankere und effizientere Prozesse und eGovernment drängen.“

Dazu erklärte Abele: „Solche Untersuchungen gibt es ja. Und die Prozesskosten sind in weiten Teilen, zumindest aber bei den Bundesprozessen, bekannt. Alle diese Prozesse sind ja in die Untersuchung zu Bürokratiekosten und -lasten der Unternehmen aufgenommen worden. Da kann man das alles nachlesen. Woran es bisher fehlt, das sind klare Zielsetzungen, die es ermöglichen, die in den verschiedenen Prozessen steckenden Belastungen zu reduzieren. Aber die breiten Datenerhebungen haben wir. Diese Informationen liegen alle dem Statistischen Bundesamt vor. Auch der Normenkontrollrat kennt die entsprechenden Zahlen. Es fehlt einzig und allein an konkreten Programmen zur Reduktion dieser Prozesskosten. Und der Normenkontrollrat hat ja auch schon erkannt, dass sein Glück weniger darin liegt, Normen abzuschaffen, sondern eher darin, über moderne Prozesse die tatsächlich bei Unternehmen entstehende Last zu reduzieren.“

Dr. Stephan Klein, Geschäftsführer der Bremen Online Services, bewertete die Situation so: „Mir fällt da – jedenfalls im Moment – nur ein einziger Geschäftsvorfall ein, der von der Antragsstellung über die Bearbeitung bis hin zum Versand des Bescheides komplett elektronisch eingereicht und abgewickelt wird. Das ist der Emissionshandel des Umweltbundesamtes. Vielleicht gibt es ja mehr, mir fällt aber nur dieser eine Fall ein.“

„Was kann man nun daraus lernen? Da wir nicht nur wesentliche Teile des Programms entwickelt, sondern auch den Support übernommen haben, haben wir damals gedacht: O Gott, wenn jetzt die 2.000 Unternehmen, die das betrifft, genauso unfreundlich sind wie die Rechtsanwälte, für die wir jahrelang einen ähnlichen Support durchgeführt haben ... Das war aber überhaupt nicht so. Die Unternehmen haben uns zwar fast durchgängig gesagt, das mache jetzt aber wirklich zusätzlich Aufwand. Es waren aber nicht wenige Firmen darunter, die sich zur Abwicklung des Emissionshandels sogar einen gesonderten Computer angeschafft haben, der über eine eigene Leitung ans Internet angeschlossen wurde, sodass von einer Kostensenkung erst einmal gar keine Rede sein konnte. Aber darüber hat sich auch niemand beschwert. Dafür kamen die Unternehmen mit ganz konkreten technischen Fragen. Zum Beispiel, welchen Kartenleser sie einsetzen sollten.“

Häufig, so Stephan Klein, hätten die Unternehmen sogar mit Bewunderung reagiert. Nach dem Motto: „Boah, da ist die Verwaltung aber modern, davon können wir uns mal eine Scheibe abschneiden!“

Stephan Klein dazu weiter: „Die Erkenntnis, die ich daraus für mich ziehe, lautet: Der Gesetzgeber muss sich trauen, solche Projekte auch vorzuschreiben, dann macht die Industrie da auch mit!“

Fazit

Das Beiratsmitglied Dirk Arendt ergänzte dazu: „Ich glaube auch, dass wir eine neue Bestandsaufnahme nicht brauchen. Solche Bestandsaufnahmen gibt es mittlerweile zuhauf. Die Berichte des Normenkontrollrats sind übrigens wirklich lesenswert. Ich kann ein bisschen berichten, wie das praktisch zuging. Wir haben uns damals bei FOKUS sehr lange mit dem Thema Prozessoptimierung befasst. Eines der Themen, die wir damals für das Gutachten des Normenkontrollrates untersuchten, war die Optimierung des BAföG-Prozesses. Wenn man dann mit den Leuten spricht, die den Prozess beschrieben haben, dann holen die ihre Juristen dazu und ihre Leute aus den Fachabteilungen – und weil sich diese Gruppen üblicherweise untereinander nicht über solche Dinge austauschen, kommt das Projekt nicht von der Stelle.“

Arendt resümiert: „Die Öffentliche Verwaltung muss eGovernment nicht nur nach außen aggressiver vertreten, sie muss auch ihre eigenen Entscheidungsprozesse deutlich optimieren.“

Dieser Einschätzung schlossen sich alle anwesenden Beiräte an. Darüber hinaus forderten sie Politik und Verwaltung aber auch dazu auf, für eGovernment und schlanke Verwaltungsprozesse die Werbetrommel zu rühren.

Dazu nochmals Dirk Arendt: „Wir brauchen keine weitere Bestandsaufnahme, sondern wir brauchen mehr Marketing und Kommunikation für unsere Lösungen.“

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