Redaktionsbeirat II

Mehr Kommunikation und Marketing für eGovernment

| Redakteur: Manfred Klein

Erst bei der BASF sei es dann zu einem Meeting mit Vorstandsvertretern gekommen. Dabei seien vor allem die Aufwände zur Sprache gekommen, die das Unternehmen in Bezug auf die Erfüllung der Meldepflichten habe. Das Interessante bei diesen Gesprächen sei gewesen, so Tschichholz, dass die Wirtschaft einen Status quo akzeptiere, der eigentlich in Bezug auf die Effizienz völlig inakzeptabel sei. Und die Wirtschaft glaube nicht, dass es möglich sei, einen Veränderungsprozess in Zusammenarbeit mit den Öffentlichen Verwaltungen erfolgreich anzustoßen.

Matthias Kammer bestärkte die Runde in dieser Einschätzung: „Genau das habe ich in der Arbeitsgruppe III des Nationalen IT-Gipfels erlebt. Die BASF ist in diesem Arbeitskreis ja auch vertreten, und das Unternehmen hat das Thema Meldepflichten auch dort angesprochen und nachgefragt, ob eine Vereinfachung dieser Prozesse via eGovernment möglich sei. Damit war die von mir schon angesprochene Nachfrage plötzlich da. Plötzlich gab es nicht nur einen Business Case, die Vertreter der BASF konnten auch die möglichen Einsparungen eines modernisierten Prozesses vorrechnen. So führte dann eines zum anderen, sodass wir nun mit dem Prozessdatenbeschleuniger eine erfolgreiche eGovernment-Anwendung vorweisen können.“

Jon Abele von BearingPoint ergänzte dazu: „Es wird immer dann sehr, sehr kompliziert, wenn man den Kunden fragt, was er eigentlich möchte. Das liegt daran, dass der Kunde naturgemäß nur seine Einzelsicht sieht. Fordert man ihn dazu auf, sich an einer solchen übergreifenden Lösung – wie etwa dem Prozessdatenbeschleuniger – zu beteiligen, so heißt das nichts anderes, als ihn dazu aufzufordern, dass er sich nicht nur zum Nutzen seines eigenen Unternehmens engagiert, sondern auch für seine Mitbewerber. Ich glaube daher, wir dürfen diese Diskussion nicht immer so sehr vom Status quo her führen, sondern wir müssen Veränderungs- und Nutzenpotenziale aufzeigen.“

„Was mich im Augenblick umtreibt, ist der Widerspruch zwischen der Aussage der EU-Kommission, dass in Europa mit Open Data 40 Milliarden Euro Potenzial zu heben sind, und der Reaktion von Politik und Verwaltung auf diese Aussage. Fragt man nämlich in Deutschland – egal ob im Bund oder in den Ländern, gleiches gilt auch für die meisten Berater –, mit welchen Daten sich denn dieses Geschäftspotenzial realisieren ließe, bekommt man kaum befriedigende Antworten. Meine Folgerung aus diesen beiden Beobachtungen: Der Staat ist gefragt, wenn es darum geht, Wirtschaftsentwicklungen zu dynamisieren und Innovationen anzuschieben. Und er muss sich entsprechend engagieren“.

„Denn ich bin der festen Überzeugung“, so Abele weiter, „dass in dem Moment, wo es attraktive Angebote von staatlicher Seite gibt – zum Beispiel im Bereich Open Data –, die Wirtschaft darauf mit interessanten Geschäftsideen reagieren wird.“

Man könne von der Wirtschaft schließlich kaum erwarten, dass sie Geschäftsideen schon im Voraus parat habe. Insofern agiere die EU-Kommission hier sehr viel weiser als die nationalen Regierungen oder auch die Bundesländer, weil sie erkannt habe, dass man Innovationen dadurch voranbringen könne, indem der Staat entsprechende Angebote schafft.

Abeles Fazit: „Ansonsten bin ich absolut der Meinung von Matthias Kammer und von Willi Kaczorowski. Es hat noch nie groß etwas gebracht, zu fragen, was der Bürger will oder was eigentlich die Unternehmen möchten. Sie wollen es einfacher, schneller und komfortabler. Man weiß doch, zumindest in groben Zügen, was die Wirtschaft möchte. Aber man kann Innovationen stimulieren. Und genau das ist auch mein Plädoyer: dafür mehr zu tun!“

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