Virtuelle Desktop-Infrastruktur (VDI) als Wegbereiter

Mehr Einsatzmobilität für die Mitarbeiter

| Autor / Redakteur: Hadi Stiel / Susanne Ehneß

Was ändert sich durch die VDI gegenüber zuvor?

Dirk Struck, Leiter der Produktentwicklung bei Materna
Dirk Struck, Leiter der Produktentwicklung bei Materna (Bild: Materna)

Struck: Die VDI ist Teil des Backends und hat somit Auswirkungen auf die IT-Architektur mit den Anwendungen und Daten, auf die die Mitarbeiter Zugriff erhalten sollen. Das heißt, die Errichtung einer VDI sollte immer im Gesamtkontext der bestehenden IT-Architektur gesehen werden. Das beginnt damit, dass nahezu alle Teilbereiche der IT ins Projekt einbezogen werden sollten. Die Herausforderung besteht darin, sämtliche Systeme und Prozesse (betriebliche Abläufe und IT Services) innerhalb der VDI und der IT-Architektur, die durch die VDI beeinflusst wird, derart zu harmonisieren, dass sie übergreifend funktionieren.

Viele dieser Prozesse sollten über zu definierende Übergabepunkte und Schnittstellen automatisiert ablaufen. Nur so wird die VDI später gut beherrschbar und wirtschaftlich betreibbar sein. Natürlich müssen auch die IT-Teams an einem Strang ziehen und für das neue Desktop-Service-Konzept dieses Zusammenspiel verinnerlichen. Auch das Lizenz-Management ändert sich mit der Einführung einer VDI. Es ist eng mit dem VDI-Betriebsmodell verbunden, was der Organisation übrigens erhebliche Lizenzkosteneinsparungen gegenüber zuvor einbringen kann. Durch die Zentralisierung der persönlichen Systemumgebungen und ihre Verteilung an die Endgeräte steigt zwangsläufig der Kapazitäts- und Verfügbarkeitsanspruch an die IT-Architektur sowie an die lokalen und Weitverkehrsverbindungen.

In diesen Abschnitten können also gegebenenfalls zusätzliche Investitionen und Aufwendungen anfallen. Erst eine fundierte Gesamtbetrachtung offenbart, ob und wo im Einzelnen technische sowie betriebliche Veränderungen an IT-Abläufen und IT-Services anfallen.

Was ändert sich, trotz neuer VDI, für die Organisation nicht?

Struck: Die Migration der Applikationen, auf die die Mitarbeiter Zugriff erhalten sollen, erfolgt über dieselben Verfahren. Auch die Zugriffe auf die Applikationen werden wie zuvor vorrangig über Gruppenprofile und die darin hinterlegten Rechte gesteuert. Die Mitarbeiterdaten können weiterhin in der Personalabteilung gepflegt werden, um an dieser Schnittstelle effizient die zentrale Benutzerverwaltung mit dem Rechtemanagement für die Zugriffskontrolle aufzusetzen. Selbst starke Authentisierungsverfahren wie mittels Smartcard können beibehalten werden, sofern die mobilen Endgeräte den Einsatz solcher Karten erlauben. Es kann dennoch sein, dass die eine oder andere Client-Applikation ausgetauscht werden muss, wenn sie nicht die neue Client-Betriebsform unterstützt.

Also mehrheitlich doch ein Wandel in technischer wie in betrieblicher Hinsicht. Wie sollte den damit einhergehenden Risiken begegnet werden?

Struck: Dafür empfiehlt sich die Einrichtung eines Piloten in einem überschaubaren Rahmen, beispielsweise mit einer bestimmten Anzahl an Endgeräten, Applikationen und den dazugehörigen Speichermedien. Dann können vorab die Applikationspakete geprüft werden, ob sie die neue Client-Betriebsform unterstützen. Die Qualität der Integration der VDI in die IT-Architektur kann innerhalb des Piloten ebenso auf den Prüfstand gestellt werden. Konfigurationsvorgaben und Checklisten für Funktions- und Leistungstests unterstützen darin, Varianten und Voreinstellungen durchzuspielen und so für die VDI die bestmögliche Kapazitätsausschöpfung und Verfügbarkeit innerhalb der IT-Architektur zu erreichen. Auch Aspekte der Betriebs- und Zugriffssicherheit können im Rahmen des Piloten gezielt aufgegriffen und praxisnah ausgetestet werden, einschließlich möglicher Ausfall-Szenarien.

Darüber hinaus kann im Rahmen der Pilot-Installation hinterfragt werden, inwieweit die darin eingebundenen Mitarbeiter das neue Betriebskonzept akzeptieren und die Administratoren damit zurechtkommen. Mit diesem Wissen kann etwaigen Vorbehalten und Lücken frühzeitig und gezielt entgegengewirkt werden. Mit den praxisnahen Erkenntnissen und Erfahrungen aus dem überschaubaren Piloten ist die Organisation bestens auf die Einführung der VDI vorbereitet.

Worauf sollte noch geachtet werden, damit die Erwartungen an die VDI aufgehen?

Struck: Wichtig ist eine modulare Gestaltung der entwickelten Gesamtlösung. Von ihr profitiert die Organisation nicht nur bei künftigen Technologiewechseln. Mit einer konsequent modularen Gestaltung lassen sich Servern, Speichersystemen und dem Netzwerk eigene Virtualisierungsbereiche flexibel zuweisen und klare Übergabepunkte und Schnittstellen herausbilden, über die Prozesse kostensparend automatisiert werden können.

Das Interview führte Hadi Stiel

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