nPA: Von 0 auf 8.500.000 in zwölf Monaten Mehr eGovernment mit dem neuen Personalausweis

Redakteur: Gerald Viola

Bis zu 55.000 neue Personalausweise händigen Behörden den Bundesbürgern täglich aus. Heute, am ersten Geburtstag der Identitätskarte im Scheckkartenformat, haben 8,5 Millionen Deutsche den Ausweis. Nach einer Phase des Sondierens entdecken nun neben den Kommunen auch die Unternehmen das Potenzial der vielseitig einsetzbaren Karte.

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nPA-Lamination bei der Produktion in der Bundesdruckerei
nPA-Lamination bei der Produktion in der Bundesdruckerei
( Archiv: Vogel Business Media )

Und der neue Personalausweis ist auch ein Glücksfall für die Bundesdruckerei: Denn das erste volle Geschäftsjahr unter dem Eigentümer Bundesrepublik Deutschland stand ganz im Zeichen der Einführung des neuen deutschen Personalausweises. Der Umsatz kletterte um 12 Prozent auf 348,7 Millionen Euro.

Ulrich Hamann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesdruckerei: „Eine große Herausforderung bestand darin, die Komplexität der enorm heterogenen kommunalen IT-Landschaft mit elf unterschiedlichen Behördenanwendungen verschiedener Hersteller sowie Dutzende kommunaler Rechenzentren und IT-Dienstleister gemeinsam mit allen Beteiligten zu koordinieren und zu meistern. Beantragung, Bestellung und Produktion laufen inzwischen reibungslos. In den nächsten Jahren geht es darum, Wirtschaft und Verwaltung das Potenzial zu verdeutlichen, das vor allem in den Online-Funktionen des Ausweises liegt.“

Der neue Personalausweis ist in vielerlei Hinsicht mit weltweit einzigartigen Leistungs- und Sicherheitsmerkmalen ausgestattet und ermöglicht höchsten Schutz der eigenen Identität auch in der Online-Welt. In die Entwicklung sind zahlreiche Innovationen aus der Forschungsabteilung der Bundesdruckerei eingegangen, wie beispielsweise die Technologie der Farbpersonalisierung Innosec Fusion.

Etwa 50.000 Ausweise können täglich in der eigens entwickelten Produktionsstrecke der Bundesdruckerei gefertigt werden. Die Gesamtbearbeitungszeit von der Beantragung bis zur Ausgabe durch die Behörde dauert rund drei bis vier Wochen. Die reine Produktionszeit der Dokumente beträgt durchschnittlich etwa 6 Arbeitstage.

Kein anderer Staat bietet bisher ein ähnlich effizientes und sicheres Konzept

Heute bieten 31 öffentliche Institutionen und Unternehmen Leistungen an, bei denen die sichere Identifizierung online mit dem Ausweisdokument erfolgt. „Kein anderer Staat bietet bisher ein ähnlich effizientes und sicheres Konzept – Deutschland nimmt hier eine Vorreiterrolle ein“, sagt Alexander Schmid, Leiter des Kompetenzzentrums neuer Personalausweis und Partner bei BearingPoint.

Die deutsche Wirtschaft und die Verwaltung hätten die Potenziale erkannt. Die Nachfrage nach innovativen Einsatzmöglichkeiten des Ausweisdokuments sei in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten des neuen Personalausweises zu überprüfen. Die Fragen und Ideen, die an uns herangetragen werden zeigen ganz deutlich: das Innovationspotential ist enorm“, sagt Schmid.

In der Wirtschaft setzt die Versicherungsbranche verbreitet auf das Konzept. Auch Banken sehen für Kunden verstärkt den Nutzen des neuen Personalausweises, zum Beispiel um ein Konto ohne zusätzliches Post-Ident Verfahren online zu eröffnen. Der Ausweis bietet Unternehmen neue Möglichkeiten, Service und Sicherheit für ihre Kunden zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu reduzieren.

„Die Entwicklung hat sich in den letzten Monaten dynamisiert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, planen zunehmend mehr Unternehmen im Finanzbereich, ihren Kunden den Vertragsabschluss medienbruchfrei im Internet anzubieten“, so BearingPoint.

Vorreiter Deutsche Rentenversicherung und Kraftfahrtbundesamt

Gegenüber der Verwaltung könnten sich Bürger ein Jahr nach der Einführung bei zehn Bundesbehörden, Kommunen, Städten und Gemeinden online ausweisen. So zum Beispiel bei der Deutschen Rentenversicherung.

Wer den neuen Personalausweis besitzt, kann den Stand der eigenen Rente jederzeit im Internet abfragen. Was früher einen zeit- und kostenintensiven Prozess in der Verwaltung ausgelöst hat, wird nun medienbruchfrei und elektronisch direkt übertragen.

Ähnliches bietet das Kraftfahrtbundesamt: Hier können Interessierte ihren aktuellen Punktestand online einsehen. „Das ist ein enormer Schritt für die Verwaltungsmodernisierung. Unzählige staatliche Datenbestände können den Bürgern durch die sichere Authentifizierung künftig online zugänglich gemacht werden. Die Bevölkerung profitiert von transparenteren Prozessen, mehr Bürgernähe sowie einem deutlichen Effizienz- und Sicherheitsgewinn,“ so Schmid.

„Nach einem Jahr neuer Personalausweis steht in Deutschland eine neue, sichere Infrastruktur zur Authentifizierung im Internet zur Verfügung, die sowohl für die Wirtschaft und die Verwaltung, letztendlich aber vor allem für Bürger und Kunden Nutzen bietet.“

Zukunftsweisende Projekte für Wirtschaft und Verwaltung geplant

Der neue Personalausweis bietet in Summe zahlreiche Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle- und Prozesse. Das Spektrum der geplanten Maßnahmen ist breit: So werden die Anwendungen des neuen Personalausweises künftig auch über mobile Endgeräte nutzbar sein. Hier sei die IT-Wirtschaft gefordert: Softwareanbieter müssten die Online-Ausweisfunktion in ihre Systeme integrieren, Lesegeräte würden von den Herstellern zukünftig auch in Tastaturen und Notebooks integriert sein.

Open Government sei auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene auf dem Vormarsch. Auch im Bereich der politischen Partizipation eröffne der neue Personalausweis Bürgern und Unternehmen mit der sicheren Online-Identität neue Möglichkeiten der Beteiligung. Erste Schritte gehe die Stadt Berlin.

Bürger sollen sich zukünftig mit dem neuen Personalausweis online für Bürgerbegehren registrieren können. Für die Verwaltung reduziert sich der bisherige Aufwand zur Verifikation der Unterschriften. Auch die Beteiligung von Anwohnern in staatlichen Großvorhaben wie zum Beispiel Flughafen- oder Bahnhofsbauten ist vorstellbar.

Auch De-Mail profitiere vom Konzept und konnte auf Basis der Authentifizierung mit dem neuen Personalausweis auf den Weg gebracht werden. Anders als herkömmliche eMails ermöglicht De-Mail den sicheren elektronischen Austausch rechtsgültiger Nachrichten und Dokumente. BearingPoint: „De-Mail und der neue Personalausweis schließen damit eine Sicherheitslücke für Bürger und Behörden beziehungsweise für Kunden und Unternehmen.“

Drei Viertel der Nutzer sind zufrieden

Ein Jahr nach der Einführung des neuen Personalausweises sind fast drei Viertel der Besitzer mit ihrer neuen Karte zufrieden, zitiert der Branchenverband Bitkom aus einer repräsentativen Umfrage: 35 Prozent der nPA-Besitzer gaben sogar an, sehr zufrieden zu sein. Nur knapp ein Viertel äußerte sich eher unzufrieden (21 Prozent) oder sehr unzufrieden (zwei Prozent).

Insgesamt ist die Bevölkerung hinsichtlich des neuen Dokuments gespalten. 45 Prozent der Bundesbürger stehen ihm grundsätzlich positiv gegenüber, 44 Prozent lehnen ihn ab, zehn Prozent sind unschlüssig.

„Diejenigen, die den nPA nicht aus eigener Erfahrung kennen, sind besonders skeptisch“, sagte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. 28 Prozent haben Angst vor Datenklau, jedem fünften ist er zu teuer, und jeder sechste sieht keinen persönlichen Nutzen. „Politik und Wirtschaft müssen weiterhin aktiv um Vertrauen für den neuen Personalausweis werben. Dann lassen sich die Bürger vom Sinn dieses Projekts überzeugen“, so Kempf.

Die Voraussetzungen dafür stünden gut: Nur jeder zehnte derjenigen, die den nPA noch nicht nutzen, lehnt ihn grundsätzlich ab. Die Gründe, warum in etwa 90 Prozent der Fälle noch der alte Personalausweis eingesetzt wird, sind allerdings meist sehr praktischer Natur. Die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) sagt, ihr alter Ausweis sei noch nicht abgelaufen.

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