eGovernment-Benchmark 2017

Mehr eGovernment!

| Autor: Manfred Klein

EU-Kommission macht Druck bei eGovernment
EU-Kommission macht Druck bei eGovernment (© v.poth - stock.adobe.com)

Europas eGovernment wird erwachsen: Services, die Bürger auch mobil nutzen können, nehmen zu, und die Online-Verfügbarkeit von Behördendiensten schreitet voran. So die zentralen Ergebnisse der 14. Benchmark-Messung europäischer eGovernment-Dienste.

Der von der EU-Kommission in Auftrag gegebene eGovernment-Benchmark 2017 zeigt, dass der ­öffentliche Sektor in Europa immer mehr Online-Dienste anbietet. Aber während Länder die Online-Verfügbarkeit öffentlicher Dienste quantitativ erhöht haben, sind vor allem qualitative Maßnahmen – etwa transparentere Zustellverfahren und die Vorabbefüllung von Online-Formularen mit personenbezogenen Daten – erforderlich, um das Gesamtnutzererlebnis digitaler Dienste zu verbessern.

Deutliche Fortschritte in Europa

Insgesamt bewege sich die eGovernment-Leistung in Europa jedoch in die richtige Richtung, so die Autoren. So seien gute Fortschritte bei der Verbesserung der mobilen Nutzbarkeit erzielt worden: 2017 sind mehr als die Hälfte (54 Prozent) der angebotenen Dienste für die mobile Nutzung geeignet, im Vergleich zu 27 Prozent im Jahr 2015. Die Nutzerorientierung der europäischen öffentlichen Dienste erreiche einen Durchschnitt von 85 Prozent, was auf ein ausgereiftes Niveau der Online-Verfügbarkeit von Diensten und von Interaktions- und Feedbackmöglichkeiten zwischen Bürgern und öffentlichen Verwaltungen hinweise.

Und die erweiterte Umsetzung der EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt (electronic IDentification Authentication and Trust Services, kurz eIDAS) dürfte die Verfügbarkeit von Informationen und Diensten für EU-Bürger bei Unternehmensgründungen oder Studienaufenthalten im Ausland noch weiter erhöhen, so die Autoren.

Niels van der Linden, Principal Consultant und Project Lead bei Capgemini, fasst zusammen: „Die 2017 eGovernment-Benchmark-Studie zeigt positive Signale auf, und die jüngste Ministererklärung von Tallinn ist ein Beleg dafür, dass der öffentliche Sektor die digitale Transformation ernst nimmt. Regierungen müssen nun die Art und Weise ihrer Organisation in Frage stellen, ihre Beamten weiterqualifizieren und generell offener werden, öffentlichen Mehrwert aus ­digitalen Dienste zu erzeugen und von ihm zu profitieren.“

Der digitale Binnenmarkt gleich um die Ecke?

Die Verwirklichung des digitalen Binnenmarktes könnte jährlich 415 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaft beitragen, Arbeitsplätze schaffen und öffentliche Dienstleistungen erheblich verbessern. Vor diesem Hintergrund stimmt es positiv, dass die Autoren festhalten können, dass die Vision des digitalen Binnenmarktes weiter Gestalt annimmt.

Die Kluft zwischen der Bereitstellung von Diensten für nationale und ausländische Nutzer werde kleiner, da mittlerweile drei von fünf (60 Prozent) Online-Diensten länderübergreifend verfügbar sind. Auch die Nutzbarkeit für grenzüberschreitende Dienstleistungen habe sich verbessert. Dies zeige, dass Bürger und Unternehmen Zugang zu erweiterten Online-Hilfe-, Support- und Beschwerdefunktionen hätten.

Der kontinuierliche Austausch bewährter Verfahren ermögliche es Behörden in ganz Europa zudem, voneinander zu lernen, um ihre Online-Dienste weiter zu verbessern.

Deutschland holt messbar auf

Transparenz spielt eine wichtige Rolle für Akzeptanz von eGovernment und staatliches Agieren im Allgemeinen. Deutschland bleibt hier hinsichtlich einer transparenten Verwaltung weiterhin stark und zeigt Ergebnisse weit über den europäischen Durchschnittswerten. Marc Reinhardt, Leiter des Public Sector bei Capgemini in Deutschland, meinte dazu: „Die Ergebnisse untermauern, wie wertvoll tiefer greifende Transparenzgesetze wie die der Bundesländer Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz für den Ausbau der Transparenz in ­Behörden und im weiteren Sinne für die Verwirklichung des Open-Government-Gedankens sind. In Deutschland zeigen sich Fortschritte in den Lebenslagen Arbeit und Unternehmensgründung, mit einer stetigen Steigerung sowohl der Quantität von Online-Service-­Angeboten als auch der Qualität – gekennzeichnet insbesondere durch nutzerfreundlichen mobilen Zugang und Transparenz in der Erbringung der Dienstleistung.“

Trotz der vielen positiven Ergebnisse fordern die Autoren, dass jetzt intelligentere und offenere eGovernment-Dienste folgen müssten, um den positiven Trend zu verstärken.

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