Der neue Personalausweis Mehr Effizienz für Bürger, Wirtschaft und Behörde

Autor / Redakteur: Sven Mulder / Manfred Klein

Seit dem 1. Mai können Anbieter von Diensten für den neuen Personalausweis ihre Anträge für Berechtigungszertifikate beim Bundesverwaltungsamt einreichen. Das Einsatzspektrum des neuen Personalausweises ist vielfältig und hebt den Dialog zwischen Behörden, Unternehmen und Bürgern auf eine neue Ebene.

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Komfortabel und sicher – der neue Personalausweis (Quelle: BMI)
Komfortabel und sicher – der neue Personalausweis (Quelle: BMI)
( Archiv: Vogel Business Media )

Als erstes Unternehmen hat Fujitsu beim Bundesverwaltungsamt einen Antrag gestellt – für sein Angebot „Fujitsu Online Shop Deutschland“.

Deutschland setzt mit dem neuen Personalausweis weltweit Maßstäbe. Dank des Einsatzes spezieller Identitäts- und Signaturtechnologien sind mit dem neuen Personalausweis erstmals sichere Identitätsnachweise im Internet möglich. Damit erobert er im Gegensatz zum ePass auch das Internet und bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Dazu zählen Online-Behördengänge, -Shopping und -Banking ebenso wie die Nutzung diverser anderer privatwirtschaftlicher Dienste.

Um das enorme Potenzial des neuen Ausweisdokuments zu erschließen, testen bis Ende Oktober rund 3.000 Probanden die vom Bundesministerium des Innern (BMI) ausgewählte Services. Die so gewonnenen Erfahrungswerte kommen nach einer erfolgreichen Testphase allen Unternehmen und Behörden in Deutschland und Europa zugute.

Im Rahmen dieses Anwendungstests integriert Fujitsu als erstes Unternehmen den neuen Personalausweis in eine eCommerce-Plattform. Seit März 2010 können Probanden in Deutschland unter shop.fujitsu.com mit dem neuen Personalausweis im „Fujitsu Online Shop Deutschland“ Produkte bestellen und deren Lieferung nachverfolgen, nachdem sie sich identifiziert und registriert haben. Die Identitätsfunktion des neuen Personalausweises wird dabei direkt in den Online-Bestellprozess integriert. Damit lässt sich schnell, effizient und sicher die Identität und Geschäftsfähigkeit des Käufers auf datenschutzkonforme Weise feststellen. Das Ergebnis sind personalisierte Dienstleistungen sowie schnellere Bestellvorgänge. Fujitsu setzt das Projekt gemeinsam mit Partnern wie OpenLimit um. Alle Partner nutzen dabei ausschließlich zertifizierte Software- und Hardware-Komponenten, die internationalen Standards entsprechen. Dadurch lassen sich die Funktionen später bei Bedarf auch problemlos auf internationaler Ebene einsetzen.

Ab November 2010 können alle Inhaber des neuen Personalausweises die Shop-Plattform als Standard-Angebot nutzen. Die dafür benötigten Komponenten wie zum Beispiel externe Kartenleser oder Desktop-PCs und Notebooks mit integriertem Lesegerät sind im Online-Shop von Fujitsu erhältlich. Fujitsu beabsichtigt, das IT-Sicherheitskit zusammen mit Notebooks und Desktop-Systemen anzubieten und damit den Inhabern des neuen Personalausweises die Nutzung deutlich zu erleichtern.

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Diensteanbieter – was nun?

Trifft eine Behörde oder ein Unternehmen die strategische Entscheidung, künftig Dienste für den neuen Personalausweis anzubieten, muss zunächst die technische Grundlage für die Einbindung geschaffen werden. Die zentrale Rolle kommt dabei dem sogenannten eID-Server zu. Er ist sozusagen die vertrauenswürdige Instanz im Internet und übermittelt dem jeweiligen Diensteanbieter – beispielsweise einem Shop – die erforderlichen Daten aus dem Personalausweis.

Fujitsu hat auf der CeBIT 2010 den weltweit ersten Server dieser Art präsentiert. Dieser nutzt unter anderem die Basistechnologien von OpenLimit und der Bundesdruckerei. Anbieter können den eID-Server entweder direkt bei sich im Rechenzentrum installieren oder ähnlich wie eine Software-as-a-Service-Lösung als sogenannten eID-Service beziehen. Nach der technischen Implementierung müssen die innerbetrieblichen Prozesse auf die neue Form der Interaktion mit den Geschäftspartnern abgestimmt werden.

Auskunft nur bei Berechtigung

Unternehmen, die Funktionen für den neuen Personalausweis in ihre Online-Shops einbinden wollen, unterstützt Fujitsu unter anderem mit den im Anwendungstest gewonnenen Erfahrungswerten sowie mit einem umfangreichen Portfolio an Beratungs- und Integrationsleistungen und zertifizierten technischen eID-Komponenten.

Die Einsatzmöglichkeiten des neuen, elektronischen Personalausweises sind nicht zuletzt deswegen so vielfältig, weil er bei eBusiness- und eGovernment-Diensten die gegenseitige elektronische Authentifizierung von Diensteanbieter und Bürger ermöglicht.

Dabei stellt er sogenannte Bürgerclient sicher, dass die Bürger die Funktionen des neuen Personalausweises in vollem Umfang nutzen können. Darüber hinaus ermöglicht es diese kostenfreie Anwendersoftware, die Identität eines Nutzers zweifelsfrei nachzuweisen. Dabei legt der Anwender selbst fest, welche Daten er übermitteln möchte. Neben dem Schutz der elektronischen Identität sorgt die Software auch dafür, dass personenbezogene Daten auf sichere Weise übertragen und verarbeitet werden. Der Diensteanbieter muss sich ebenfalls gegenüber dem Nutzer mittels eines Berechtigungszertifikats ausweisen. So steigt das Vertrauen in die Authentizität des Diensteanbieters und damit in den Datenschutz, denn ohne eine solche Berechtigung erfolgt keine Übermittlung der Daten.

Der neue Personalausweis enthält neben den Identitätsdaten wie Name, Geburtsdatum oder Wohnort auch zwei weitere wichtige Funktionen, die Altersverifikation und die Pseudonymfunktion. Die Altersverifikation dient dazu, das Alter einer Person zuverlässig prüfen zu können, ohne Personendaten zu übermitteln. Der neue Personalausweis gibt dabei ausschließlich Auskunft darüber, ob ein bestimmtes Alter erreicht ist oder nicht. Diese Funktion kann zum Beispiel auch an Automaten zum Einsatz kommen.

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Eingebauter Datenschutz

Die Pseudonymfunktion kommt ebenfalls ohne die Übermittlung von Personendaten aus. Die Identität der Person wird durch ein Pseudonym dargestellt. Dabei errechnet der neue Personalausweis zusammen mit dem ihm vorliegenden Zugriffszertifikat des anfragenden Diensteanbieters eine bestimmte Kennung, die reproduzierbar nur zwischen diesen beiden Komponenten, dem Personalausweis und dem Zugriffszertifikat, erzeugt wird. Auf diese Weise erkennt ein Diensteanbieter den Inhaber des Personalausweises ohne dessen genaue Personendaten wieder.

Im Gegensatz zur Verwendung herkömmlicher Cookies werden hier die gesetzlichen Datenschutzvorgaben eingehalten. Die Pseudonymfunktion erfüllt alle Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes, das ausschließlich eine zweckbezogene Datenerhebung und -speicherung vorsieht und einen sektorübergreifenden Datenaustausch verbietet. So erhöht diese Funktion die Glaubwürdigkeit der Diensteanbieter.

Damit ist die gegenseitige Authentifizierung von Nutzer und Unternehmen beziehungsweise Behörden online möglich. Zudem erhöht die eingesetzte Verschlüsselungstechnik die Sicherheit: Erstmals entscheidet nicht mehr die Software auf dem eigenen Rechner über die Zugriffsberechtigung, sondern einzig der Chip auf dem Personalausweis.

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Effizientere Zusammenarbeit

Der neue, elektronische Personalausweis verbessert die Zusammenarbeit von Bürger, Unternehmen und Behörde weiter. Gleichzeitig gibt er Unternehmen und der Öffentlichen Verwaltung in Deutschland Technologien an die Hand, mit denen sie ihre eigenen Geschäftsabläufe effizienter gestalten können.

Darüber hinaus setzen Projekte wie der neue Personalausweis und dessen Anwendungstest nicht nur die Vereinbarungen der EU-Mitgliedsstaaten zu mehr Zusammenarbeit um, sondern geben darüber hinaus auch Impulse für die Beschäftigungssicherung am Technologiestandort Deutschland und für eGovernment an sich.

Das Projekt ist weltweit einzigartig. Verwenden Unternehmen und Behörden bei der Umsetzung ausschließlich nach internationalen Standards zertifizierte Komponenten, lassen sich die Funktionen später auch ohne Probleme auf internationaler Ebene nutzen. So können sich die in Deutschland entwickelten Konzepte und Technologien zum Exportschlager entwickeln.

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