Interview „Mehr Augenmerk auf kleinere Behörden“

Redakteur: Gerald Viola

2.000 Installationen in den Öffentlichen Verwaltungen weltweit: SAP setzt auf Erfahrung und Wachstum im Öffentlichen Bereich. In acht der deutschen Bundesländer ist die Softwareschmiede in den Verwaltungen aktiv. In Baden-Württemberg haben die Abgeordneten dank SAP jetzt direkten Zugriff auf die Informationen des Landeshaushalts.

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Ralph-Peter Rembor
Ralph-Peter Rembor
( Archiv: Vogel Business Media )

Mithilfe des neuen und bisher bundesweit einmaligen Systems können die Politiker auf die Daten der Haushalts- und Stellenplanung, auf die Landeshaushaltsrechnung, auf Berichte zu Einnahmen und Ausgaben des Etats sowie auf eine Übersicht auf den Schuldenstand des Landes zugreifen. eGovernment Computing sprach mit Ralph-Peter Rembor, Leiter des SAP-Geschäftsbereich Public Services.

Herr Rembor, das Informationssystem für die Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg – woher kommt die Idee und welche Vorteile sollen die Abgeordneten durch seinen Einsatz haben?

Rembor: Eine wichtige Grundlage ist die schon bestehende lange und intensive Zusammenarbeit zwischen dem Land Baden-Württemberg und der SAP. Baden-Württemberg war eines der ersten Bundesländer, das SAP für die IT-seitige Gestaltung seiner betriebswirtschaftlichen und haushalterischen Prozesse gewählt hat.

IT-technisch ist das „Ländle“ gerade im Umfeld der Führungsinformationssysteme mit führend. Insofern lag die Idee nahe, auf Basis der eingesetzten SAP Business Intelligence-Lösungen (SAP BI) das Thema „Info-System für die Abgeordneten“ anzugehen.

Der offenkundigste Vorteil dieses neuen Systems ist, dass alle Abgeordneten durch den Zugriff auf die aktuellen Zahlen des Haushaltsplanes jederzeit einen Soll-Ist-Vergleich anstellen können – auch von den jeweiligen Abgeordnetenbüros aus. Von dieser Möglichkeit werden sie und damit auch die politische Debatte im Landtag profitieren.

Welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen mussten vor der Realisierung geschaffen werden?

Rembor: Die technischen Voraussetzungen für das Projekt waren überschaubar. Dank seines im Finanzministerium angesiedelten, hochprofessionell arbeitenden SAP Customer Competence Center (SAP CCC) verfügt das Land Baden-Württemberg über eine profunde Fach- und Sachkenntnis.

Durch den Einsatz der jeweils aktuellen Versionen der SAP BI-Lösung und des SAP Enterprise Portals konnte dann der einfache Zugriff auf das SAP-Intranet-Portal unter Berücksichtigung des Nutzungs- und Zugriffskonzeptes garantiert werden.

Schon umfangreicher waren allerdings die organisatorische Voraussetzungen: Zunächst einmal mussten alle Haushaltspläne des Landes – inklusive der Anmerkungen – unter erheblichem Aufwand aufbereitet und übernommen werden.

Außerdem musste unter den Abgeordneten und ihren Mitarbeitern die Akzeptanz für das neue SAP-System geschaffen werden. Nach den durchgeführten Schulungen bin ich aber zuversichtlich, dass letzten Endes alle Abgeordneten das neue System schätzen und seine Vorteile zur Geltung bringen werden.

Das baden-württembergische Informationssystem für Landtagsabgeordnete dient ja weniger der Verwaltung, als der politischen Entscheidungsfindung. Welche Projekte schweben der SAP in dieser Richtung für die Zukunft vor, und wo gibt es bereits ähnliche „politische“ Projekte, die auch in Deutschland realisiert werden könnten?

Rembor: Es stimmt, dass das neue Infosystem nicht allein der nüchternen ökonomischen Analyse betriebswirtschaftlicher und haushalterischer Kennzahlen dient. Denn Politik definiert sich in erster Linie über Wahlerfolge als sichtbarem Ausdruck getaner politischer Arbeit. Woran es bislang allerdings weitgehend mangelt, sind IT-basierende Führungsinformationssysteme, die politischen Mehrwert messbar und dokumentierbar machen. Das wollen wir ändern helfen. Bei SAP unterstützen wir den am politischen Mehrwert orientierten Ansatz mit den Möglichkeiten von SAP BI, SAP Balanced Scorecards oder auch SAP Programm Management. Auf diese Weise wollen wir dazu beitragen, dass das Beispiel Baden-Württembergs bald möglichst weiträumig Schule macht. Erste konkrete Schritte in diese Richtung hat bereits das Land Hessen gemeinsam mit SAP unternommen. Interesse besteht aber auch vonseiten anderer Bundesländer.

Seit mehreren Jahren definiert SAP den Öffentlichen Sektor als Fokus-Branche: Wo steht Ihr Unternehmen in diesem Bereich weltweit, in Europa und in Deutschland? Welche Ziele verfolgen Sie mittelfristig?

Rembor: Die bisherigen Ergebnisse bestätigen uns in der Entscheidung, dem Öffentlichen Sektor besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Schließlich werden mittlerweile rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes der SAP in dieser Branche erzielt. Diesen Weg wollen wir fortsetzen und weiterhin zweistellig wachsen.

Dazu werden wir unser Lösungsangebot in zwei Richtungen ausbauen:

Inhaltlich wollen wir über die rein administrativen Prozesse hinaus spezifische Fachaufgaben steuern helfen, wie sie beispielsweise in Zusammenhang mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie, in Sicherheitsbehörden oder im Gesundheitswesen anfallen.

Außerdem werden wir unser Augenmerk künftig vermehrt auf Behörden kleiner und mittlerer Größe richten. Hierfür müssen wir unsere Lösungen auf diese Zielgruppe zuschneiden und unsere Partner entsprechend einbinden.

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(ID:2015023)