eGovernment 2.0:

Mehr als eine Vision

02.12.2006 | Autor / Redakteur: Jon Abele / Gerald Viola

Am 13. September 2006 hat das Bundeskabinett die eGovernment-Strategie „eGovernment 2.0“ als Teil des Regierungsprogramms „Zukunftsorientierte Verwaltung durch Innovationen“ beschlossen. Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat damit fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wesentliche Grundpfeiler für die künftige deutsche eGovernment-Entwicklung gesetzt.

Doch was sind die Anforderung an eine eGovernment-Strategie des Bundes? Das Ziel muss es sein, sich auf die Veränderungen zu konzentrieren, die für einen leistungsfähigen und unternehmens- wie bürgerfreundlichen Standort Deutschland maßgeblich sind. Das bedeutet:

  • Die Konzentration auf wesentliche Aufgaben, die nicht im Rahmen des Tagesgeschäfts behördenintern optimiert werden können.
  • Eine Prozessoptimierung über Zuständigkeits- und Behördengrenzen hinweg, die auch grundlegende Veränderungen zur Folge haben kann.
  • Die zentralen Probleme anzupacken. Hierzu gehören Authentifizierungsverfahren für jeden Bürger sowie Prozessketten, die Wirtschaft und Verwaltung wirklich integrieren.
  • Die Förderung von behördenübergreifender und medienbruchfreier Arbeitsteilung und Zusammenarbeit wie beispielsweise Shared Service Center in der Verwaltung.

Gemessen an diesen Kriterien ist festzustellen, dass sich die aktuelle deutsche eGovernment-Strategie sehen lassen kann, erfüllt sie doch bereits viele der Kriterien.

Fokussierung als Erfolgsgarant

Um den Modernisierungsprozess in der Verwaltung und den Standort Deutschland durch eGovernment zu fördern, hat die Bundesregierung sich im Bereich eGovernment auf vier Handlungsfelder konzentriert, die bis 2010 gezielt ausgebaut werden:

  • Portfolio: Bedarfsorientierter qualitativer und quantitativer Ausbau des eGovernment-Angebots des Bundes: Auch wenn BundOnline2005 offiziell beendet ist, besteht Konsens darüber, dass bei den bereits online gestellten Dienstleistungen des Bundes weitere Maßnahmen notwendig sind, um Nutzung und Nutzen zu steigern.
  • Prozessketten: Elektronische Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Verwaltung durch gemeinsame Prozessketten: Hier nimmt sich das BMI eines Zuständigkeitsproblems an: Denn häufig ließen sich Prozesse sehr viel effizienter und effektiver organisieren. Dies betrifft etwa die geschlossene Logistikkette und die sichere Lebensmittelkette. Aufgrund der Vielzahl von Prozessbeteiligten mit beschränkten Zuständigkeiten kam es hier bisher jedoch noch zu keiner Optimierung.
  • Identifizierung: Einführung eines elektronischen Personalausweises und die Erarbeitung von eIdentity-Konzepten: Schon 1999 hat BearingPoint in einer Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie empfohlen, den Personalausweis als Signaturkarte zu gestalten. Die Auswirkungen sind vielfältig: So kann zum Beispiel künftig jeder eBay-Nutzer einfach Sicherheit über die wirkliche Identität seiner Geschäftspartner erhalten. Auch Behördengänge, die eine persönliche Unterschrift verlangen, wie die Beantragung eines polizeilichen Führungszeugnisses, werden entfallen, und die Vielzahl von Karten mit PIN / TAN-Verfahren werden entbehrlich.
  • Kommunikation: Sichere Kommunikationsinfrastruktur für Unternehmen, Verwaltungen und Bürger: Jeder Bürger erhält neben seiner postalischen Adresse auch eine sichere Adresse im Internet und die Grundlagen zur dauerhaften und sicheren Ablage elektronischer Dokumente und anderer Daten für Bürger wird geschaffen. Mit diesen vier Handlungsfeldern konzentriert sich die Strategie auf die maßgeblichen Entwicklungen der nächsten Jahre und greift die Defizite des derzeitigen deutschen eGovernment-Status’ konsequent auf. Getreu dem Motto „Klasse statt Masse“ liegt der Fokus auf maßgeblichen Bereichen. Ziel ist es, durchgängige Lösungen zu schaffen, den Wirtschaftsstandort Deutschland durch Prozessintegration und Überwindung des Zuständigkeitsproblems zu stärken, das Authentifizierungsproblem zu lösen sowie die Nutzung und den Nutzen von eGovernment zu erhöhen.

Die geforderte Förderung von behördenübergreifender und medienbruchfreier Arbeitsteilung und Zusammenarbeit findet sich auch in der Strategie zur Modernisierung der Verwaltung wieder.

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