eHealth

Megatrend Telemedizin

| Autor / Redakteur: Peter Reinhardt / Ira Zahorsky

Wird schon bald alles, was digitalisiert werden kann, digitalisiert sein?

Der Markt ist also bereit. Damit ist es an der Zeit, seitens der Industrie entsprechend Lösungen und Produkte anzubieten. Klar, dass sich die Anbieter elektromedizinischer Geräte intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Überraschender ist da schon, dass längst auch Anbieter analoger Produkte und deren Zulieferer das Thema Telemedizin für sich entdecken. So ist beispielsweise Raumedic, klassischerweise Kunststoffverarbeiter für die Medtech-Industrie, heute Inverkehrbringer von Hirndrucksensoren.

Stellvertretend für den Konzern B. Braun erklärt Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender des Branchenprimus’ Aesculap, voll von der Digitalisierungswelle erfasst zu sein. An eine Aufspaltung in eine digitale und eine analoge Welt glaubt er indes nicht. So sieht das auch Manfred Beeres, Pressesprecher des BV-Med. Auch er denkt nicht, dass man künftig zwischen analoger und digitaler Medtech-Welt unterscheiden wird. „Es wird keinen Produktbereich geben, der nicht irgendwie von der Digitalisierung betroffen sein wird.“ Es gehe nicht nur um die Produkte selbst, sondern beginne schon bei der Entwicklung und dem Prototyping und reiche über die Digitalisierung bis zur Produktion nach Industrie 4.0. Nicht zu vergessen: medizinische Apps, eProcurement, eInvoicing und Big-Data-Anwendungen sowie kognitive Systeme.

Alles, was digitalisiert werden kann, wird also auch digitalisiert werden? Aktuell sind davon noch nicht alle Unternehmen betroffen. Die aktuelle Herbstumfrage des BV-Med spiegelt das wie folgt wieder: Nur 41 Prozent der teilnehmenden Medtech-Unternehmen geben an, dass ihre Produkte und Dienstleistungen sehr stark beziehungsweise stark von der Digitalisierung betroffen sind. Die Hälfte der Unternehmen bezeichnet sich dagegen als kaum betroffen.

Telemedizinische Zusammenarbeit zwischen den Behandlern

Große Fortschritte verspricht sich Beeres durch bessere und günstigere Sensoren: „Hüftimplantate geben künftig Informationen zum Verschleiß, Pflaster teilen das Wundversorgungsstadium mit etc.“ Vielleicht ist der Verband hier aber auch etwas zu optimistisch. Robin Bähr, Marketingleiter Deutschland bei der Paul Hartmann AG, sieht jedenfalls einen Unterschied zwischen stärker technisch geprägten Gütern wie Hüftimplantaten und Verbrauchsgütern. „Potenzial zur Digitalisierung der Wundbehandlung sehen wir vor allem im Bereich der Unterdruckwundtherapie. Andere Produkte zeigen dieses Potenzial aktuell noch nicht.“ Denkbar wäre alleine, dass Sensorik in Pflastern, Wundauflagen und Binden langfristig gesehen zur Diagnostik zum Einsatz komme. Aber auch das sei aktuell noch kein Thema.

Ergänzendes zum Thema
 
Telemedizin: Wichtige Adressen und Termine

Vielmehr sieht Bähr in diesem Produktsortiment Möglichkeiten für die telemedizinische Zusammenarbeit zwischen den Behandlern. „In der Versorgung bilden sich immer mehr Netzwerke. Das ist auch gerade bei der Wundversorgung wichtig.“ Kliniken und andere ärztliche Kompetenzzentren vernetzen sich mit Pflegediensten und Hausärzten in der Region. Ziel ist der Datenaustausch und darauf basierend besser abgestimmte Therapien. Stichwort: Digitalisierte Behandlungspfade. Welche Wundbehandlung ist erfolgreich, welche weniger? Entsprechende statistische Auswertungen ebnen Krankenkassen den Weg zu „Pay per Performance“. Damit beschäftigt sich auch Hartmann. Ziel ist, allen Patienten in der Fläche eine spezialisierte Behandlung zuteilwerden zu lassen. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, erklärt Bähr.

Monitoringsysteme zum Checken von Gesundheitsdaten

Dennoch gibt es auch bei dem Spezialisten für die Wundversorgung Bereiche, in denen konkret am Thema Telemedizin gearbeitet wird. Hartmann differenziert dafür nach den verschiedenen Sortimentsgruppen. So gibt es schon längst „Monitoringsysteme zum Checken von Gesundheitsdaten“, zum Beispiel zum Messen von Blutdruck oder Fieber. Diese Daten Ärzten online zur Verfügung zu stellen, damit beschäftigt sich das Unternehmen in Heidenheim. Die Endverbraucher jedenfalls seien bereit, diese Möglichkeiten zu nutzen. Insofern sieht Bähr hier durchaus, dass bisher analoge und digitale Produkte zusammenwachsen. Und kündigt an: „Daran arbeiten wir für das nächste Jahr.“

Und wie steht es um das einfachste aller Medizinprodukte, den Spatel? Klassisch aus Holz gefertigt, gibt es ihn immer häufiger auch aus Kunststoff. Aber eben nach wie vor analog. Einer der wenigen deutschen Hersteller, die solche Produkte heute überhaupt noch führen, ist Troge Medical in Hamburg. Gegenüber Devicemed erklärt Geschäftsführer Thomas Tilgner: „Das ist für uns ein auslaufendes Produkt und wird nicht weiterentwickelt.“ Es kann wohl nicht alles digitalisiert werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal Devicemed.

Inhalt des Artikels:

  • Seite 1: Megatrend Telemedizin
  • Seite 2: Wird schon bald alles, was digitalisiert werden kann, digitalisiert sein?
Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44358803 / Telemedizin/Mobility)