Medizintechnik

Medizin ganz persönlich

| Autor / Redakteur: Christa Friedl / Udo Schnell

OP-Managementsysteme ermöglichen eine zentrale Steuerung aller Geräte und einen digitalen Zugriff auf alle präoperativen Patientendaten. Damit sollen Operationen schneller und sicherer werden.
OP-Managementsysteme ermöglichen eine zentrale Steuerung aller Geräte und einen digitalen Zugriff auf alle präoperativen Patientendaten. Damit sollen Operationen schneller und sicherer werden. (Bild: Messe Düsseldorf)

Eine Therapie für alle – diese Zeiten scheinen vorbei. Durch Digitalisierung und individualisierte Produktion wird Medizintechnik zunehmend personalisiert. Die enge Kopplung von Maschinenbau und Medizin macht Produkte passgenau, mobil und intuitiv.

Seit einigen Jahren macht das Schlagwort „personalisierte Medizin“ von sich reden. Die Pharmaindustrie verfolgt damit eine klare Strategie: Durch Diagnose genetischer und zellulärer Besonderheiten eines Patienten soll erkannt werden, ob ein bestimmtes Medikament, beispielsweise gegen Krebs, überhaupt in Betracht kommt oder ob es eher zu schlimmen Nebenwirkungen führt.

Außerhalb der Pharmalabors ist das Schlagwort eher vage definiert. Genau genommen geht es nicht um Therapien oder Geräte für den Einzelnen. Gemeint ist vielmehr eine auf variable Parameter ausgerichtete Medizin – beispielsweise mit Sensoren, die kontinuierlich Daten direkt am Patienten erfassen, mit neuen Methoden zum Herstellen präziser Implantate oder auch mit Produktionsprozessen, die Einzelteile wirtschaftlich fertigen.

Durch diese Entwicklungen, so die Hoffnung, werden Therapien, Geräte und Prozesse schneller und effektiver, außerdem mobil und intuitiv.

Digitalisierung und Automatisierung

Die wesentlichen Treiber sind Digitalisierung und Automatisierung. Big Data erlaubt die Vernetzung von Geräten und Aggregaten und die Speicherung und Übertragung nahezu beliebig großer Datenpakete. Vor allem die Miniaturisierung durch Fortschritte bei Mikrosystemtechnik und Nanotechnik gilt als einer der Haupttrends einer Individualisierung.

Smart Systems, also die intelligente Integration vieler Einzelkomponenten, ermöglichen Systeme mit mehr Funktionen in immer kleiner werdenden Bauteilen. Sie können an den Patienten, aber auch an Ärzte, Personal oder Dienstleister angepasst werden.

„Die Medizintechnik ist eine bedeutende Abnehmerbranche für den Maschinenbau und durch die Personalisierung wird sie künftig noch deutlich wichtiger“, betont Niklas Kuczaty von der 2014 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik im VDMA. In der AG beteiligen sich 14 Fachbereiche – von Antriebstechnik und Werkzeugmaschinen bis hin zu Robotik und Software.

Das Know-how der Spritzgießmaschinenhersteller beispielsweise ist unverzichtbar für die Produktion individueller Implantate aus Kunststoff. Komponenten aus der Antriebs- und Fluidtechnik sind in komplexen, digital gesteuerten Geräten verbaut.

Der deutsche Maschinenbau ist für den Medizintechnikmarkt gut vorbereitet, sagt Kuczaty. Das gilt seiner Meinung nach sowohl für die Qualität der Produkte als auch für die Herausforderungen durch Digitalisierung und Vernetzung. „Da haben wir aus anderen Branchen und den Entwicklungen durch Industrie 4.0 schon viel gelernt.“

Für die Fertigung individueller Medizintechnik besteht eine der Herausforderungen darin, Einzelteile präzise und zugleich wirtschaftlich herzustellen. Der Healthcare-Zulieferer Gerresheimer Medical Plastic Systems hat vergangenes Jahr in seinem Technical Competence Center in Wackersdorf eine Small-Batch-Produktion in Serienqualität aufgebaut. Für die Fertigung stehen elf Spritzgießmaschinen und projektspezifische Montageanlagen wie Fügeautomaten, Klebevorrichtungen oder Anlagen zum Ultraschallschweißen bereit. Die Small-Batch-Produktion ermöglicht klinische Muster bis hin zur Kleinserie.

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