Pharmazie online

Medikamente online kaufen

| Autor: Ann-Marie Struck

Medikamenten-Versandhandel: bequemes Schnäppchen oder gefährliches Unterfangen?
Medikamenten-Versandhandel: bequemes Schnäppchen oder gefährliches Unterfangen? (© Leigh Prather - stock.adobe.com)

Die Möglichkeiten des Internets sind groß. Es werden Kleider, Möbel, Getränke und nun auch Medikamente online gekauft. Über die Hälfte der Deutschen haben bereits online Arzneimittel bestellt. So die Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2019“.

Online-Shopping ist aus dem Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile hat beinahe schon jeder einmal etwas im Internet bestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben technischen Geräten, Kleidung und anderen Dingen, gehören nun auch Medikamente in den Online-Shopping-Korb. Das ist Ergebnis des „Healthcare-Barometers 2019“, eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern.

Die Studie hat ergeben, dass 66 Prozent der Deutschen bereits rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Arzneimittel im Internet bestellt haben. 10 Prozent planen das künftig zu tun. Nur 24 Prozent der Umfrage-Teilnehmer lehnen das Online-Angebot und bleiben beim Kauf in der Apotheke vor Ort.

Interessanterweise sind es nicht die Digital-Natives, die die Online-Apotheke nutzen. Die Hälfte aller Befragten im Alter über 55 Jahren haben bereits öfters den Medikamentenversand benutzt. In der Altersklasse zwischen 18 bis 34 Jahren haben nur 37 Prozent eine Online-Apotheke konsultiert.

Das Wachstum des Apotheken-Versandhandels spiegelt das Einkaufsverhalten der Verbraucher wider, meint Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. „Dass die Bundesregierung das Verbot des Online-Handels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gekippt hat, das ursprünglich im Koalitionsvertrag vorgesehen war, wird dem Versandhandel mit Medikamenten weiteren Auftrieb geben", so Burkhardt.

„Allerdings ist es wichtig, dass es weiterhin ein Netz aus Apotheken vor Ort gibt, die eine flächendeckende Versorgung gewährleisten. Diese Präsenzapotheken müssen gestärkt werden.“

Preisvergleich

Die verschreibungspflichtigen Medikamente waren zwar Gegenstand der politischen Debatte, doch im Mittelpunkt des Interesses der Verbraucher stehen freiverkäufliche Produkte aus der Apotheke. Zum Vergleich: 64 Prozent der Bürger haben bereits rezeptfreie Medikamente online bestellt, verschreibungspflichtige nur 28 Prozent.

Burkhardt erklärt sich diesen Trend mit dem Preisvergleich: „Rezeptfreie Arzneimittel unterliegen keiner Preisbindung, sodass Online-Apotheken mit günstigen Angeboten punkten können. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten können ausländische Versender allenfalls mit Rezeptboni locken, dafür müssen die Bürger ihr Rezept einsenden.“

Diese Annahme bestätigen auch die Zahlen. 76 Prozent der Befragten geben an, dass tatsächlich der Preis über die Auswahl der Online-Apotheke entscheidet. Weitere Auswahlkriterien sind die Höhe der Versandkosten und des Mindestbestellwertes (71 Prozent). Des Weiteren spielen die Bezahlmöglichkeiten (66 Prozent) sowie gut erkennbare Abbildungen und Beschreibungen (59 Prozent) für die Nutzer eine Rolle. Als Gründe für eine Ablehnung des Online-Medikamentenversands werden die fehlende Beratung, die langen Lieferzeiten oder das Misstrauen in den Versandhandel genannt.

Angst vor Produktpiraterie

Das Thema Vertrauen spielt im gesamten Gesundheitsbereich eine wichtige Rolle und bildet den Hauptgrund für die Nutzung der Apotheken vor Ort. Denn mehr als jeder Zweite hat Angst vor gefälschten Medikamenten bei Bestellungen von Versandhändlern aus dem EU-Ausland. Bei der Apotheke im Ort äußern nur 10 Prozent bedenken.

81 Prozent der Umfrage-Teilnehmer fürchten schwere Nebenwirkungen bei illegalen Arzneimitteln sowie ein ausbleibende Heilwirkung. Außerdem haben 79 Prozent Angst vor allergischen Reaktionen.

Der Medikamentenversand aus dem Ausland birgt aufgrund unterschiedlicher Standards mehr Risiken. Deutsche Medikamentenversender müssen die gleichen Standards wie niedergelassene Apotheken einhalten. Das gilt nicht für das EU-Ausland. Zudem fehlt den Kunden online die oftmals nötige Beratung, wie den Hinweis auf Wechselwirkungen zwischen Präparaten.

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