Momentaufnahme zur OZG-Umsetzung

Magische 1.000 Tage

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Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes
Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes
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Nutzerorientierung steht zurecht ganz oben auf der Prioritätenliste bei der OZG-Umsetzung. Schließlich muss – salopp gesagt – „der Wurm dem Fisch, und nicht dem Angler schmecken". Mit Blick auf die verbleibende Zeit und die große Zahl der umzusetzenden Leistungen sollte man sich nun auch am Nutzen orientieren. Lieber weniger Prozesse umsetzen, diese dann aber durchgehend digital – mit Anbindung an die Fachverfahren – und nicht nur mit Fokus auf das Front-End. Nur so sind wirkliche Vorteile mit Blick auf Effizienz und Modernisierung zu erzielen.

Aufwendige Umsetzungen für wenig nachgefragte Leistungen kosten Zeit und Geld, bringen aber kaum Vorteile. Orientierung am Nutzen für die Verwaltungsarbeit bedeutet dann aber eben, sich auf die TOP 100 oder TOP 200 Leistungen zu konzentrieren. Wenn wir den Nutzen für Bund, Länder und Kommunen noch weiter steigern wollen, müssen wir auch über zentral auf Bundes- oder Landesebene verfügbare, einfach nachnutzbare Services nachdenken. Dies wäre sicher im Interesse vieler Kommunen – die ja auch Anwender und Nutzer sind.

Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin Initiative D21 e.V

Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin Initiative D21 e.V
Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin Initiative D21 e.V
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Die Bundesregierung setzt mit dem OZG ein Mammutprojekt um – eines, das überfällig war und das nicht nur die Verwaltung, sondern das ganze Land modernisiert. Ob bis 2022 alle Leistungen fertig werden? Das ist und bleibt sehr ambitioniert. Die Frage nach der Quantität ist die eine – relevanter ist aus meiner Sicht aber die Qualität. Denn am Ende müssen wir den Erfolg oder Misserfolg digitaler Verwaltungsleistungen über einen simplen Faktor messen: Nutzerzahlen. Ob die BürgerInnen die Leistungen annehmen, darüber entscheiden vor allem drei Faktoren:

  • 1. Leichter technischer Zugang ohne Barrieren und durchgängige Prozesse ohne Medienbruch.
  • 2. Simple, moderne Nutzerführung mit Prozessen, die aus Sicht der NutzerInnen gedacht sind und nicht aus der Verwaltungsperspektive.
  • 3. Echter Mehrwert digitaler Leistungen gegenüber den analogen – in der Regel Zeitgewinn.

Mag sein, dass Zeit und Ressourcen nicht ausreichen, um bis 2022 für alle Dienste diesen hohen Standard zu erfüllen. In dem Fall sollten wir die Prioritäten auf Leistungen legen, die besondere Relevanz für die Menschen haben. Dann bin ich sicher, dass sie diese auch gerne annehmen und das OZG ein Erfolg wird.

Marc Reinhardt, Leiter Public Sector bei Capgemini in Deutschland

Marc Reinhardt, Leiter Public Sector bei Capgemini in Deutschland
Marc Reinhardt, Leiter Public Sector bei Capgemini in Deutschland
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„Gemäß den Aussagen unserer aktuellen IT-Trends-Studie bleibt die Zeitleiste spannend. Demnach genießt die OZG-Umsetzung in den Verwaltungen zwar Priorität, aber erst ein Bruchteil aller Verwaltungsleistungen waren Anfang 2020 digital verfügbar. Das Tempo muss also deutlich verschärft werden. Der aktuelle Ansatz von Bund und Ländern sieht das aber auch vor: Man möchte erst sauber planen und Vorgehensweisen erproben, um dann umfassend und mit hoher Geschwindigkeit auszurollen.

Noch offen ist, wie die Nachnutzung erfolgen kann. Doch das Thema ist erkannt und wird analysiert. Es wird vermutlich nicht nur das eine Nachnutzungsmodell geben. Einige Verwaltungsleistungen können besser zentral entwickelt und betrieben werden, anderen wird man mit dezentralen zum Beispiel durch föderiert ausgelegte containerbasierte IT-Architekturen besser gerecht.

„Was bei der Fixierung auf den gesetzlichen Auftrag zu kurz kommt, ist das, was sich bei den Behörden im Hintergrund abspielt. Natürlich müssen öffentliche Dienstleistungen künftig digital und nutzerfreundlich verfügbar sein. Doch dies ergiebt nur Sinn im Einklang mit dem „OZG 2.0“, sprich der Modernisierung von Fachverfahren und Prozessen. Diese sollte parallel anlaufen – wie viele Länder und Behörden es eh bereits heute schon tun.“

Hans Josef Vogel, Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg

Hans Josef Vogel, Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg
Hans Josef Vogel, Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg
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„So traurig und fatal der Auslöser ist: Der neuartige Corona-Virus mobilisiert schon jetzt mehr und neue Kräfte, die Online-Zugänge der Öffentlichen Verwaltung bis Ende 2022 zu schaffen, vor allem aber auch die nachfolgenden verwaltungsinternen Prozesse durch digitale Technik schneller, einfacher und transparenter zu gestalten. Online-Zugänge nach außen sind allein zu wenig für eine digitale Verwaltung.

Gleichzeitig sollten wir den Esten folgen und konsequent anfangen, die herkömmliche antragsbezogene Verwaltung zu einer anlassbezogenen proaktiven Verwaltung umzubauen, die ihre Dienste nicht nur digital, sondern automatisiert anbietet.“

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