Vom Grundsatzproblem zur schrittweisen Lösung: Führungskräfte diskutierten Erfolgsfaktoren für Modernisierungsprojekte

30.09.2013

150 Führungskräfte aus dem öffentlichen Sektor sprachen beim 13. Kongress „Innovatives Management“ der MACH AG in Lübeck über die aktuellen Herausforderungen der Verwaltungsmodernisierung. Eröffnungsredner Bodo Hombach forderte zum Lösen von Blockaden den geduldigen Abbau von ...

150 Führungskräfte aus dem öffentlichen Sektor sprachen beim 13. Kongress „Innovatives Management“ der MACH AG in Lübeck über die aktuellen Herausforderungen der Verwaltungsmodernisierung. Eröffnungsredner Bodo Hombach forderte zum Lösen von Blockaden den geduldigen Abbau von Interessengegensätzen und eine pragmatische Reformpolitik.

Lübeck. „Unsere Probleme sind meist Grundsatzprobleme und deshalb größer als sie wirklich sind. Vorgeschlagenen Lösungen misstrauen wir ausdauernd und hingebungsvoll – erst recht, wenn sie uns zu einfach erscheinen“, stellte Bodo Hombach, früherer Kanzleramtschef und heute Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP), zu Beginn der Veranstaltung fest. Welche Hemmnisse für Modernisierungsprojekte – im Großen wie im Kleinen – existieren und wie Lösungen zum Abbau dieser Hürden aussehen können, war eine der Grundsatzfragen, die sich durch den Kongress zog. Hombach forderte: „Wo die institutionelle Legitimation durch Dialog-Verweigerung verlorenging, kann sie nur durch Kommunikation und Diskurs zurückgewonnen werden.“

Genau diese Aspekte standen beim diesjährigen Innovativen Management wieder im Mittelpunkt. „Wenn Führungskräfte aus dem Public Sector sich bereichsübergreifend austauschen, wenn Bundesverwaltungen mit Kommunen oder Landesverwaltungen mit Hochschulvertretern diskutieren, dann ist das nicht nur hochspannend, sondern auch konstruktiv-belebend“, zeigte sich MACH-Vorstand Rolf Sahre zufrieden.

Über die Herausforderungen öffentlicher Projekte und die geforderten Fähigkeiten, um bei schwierigen Vorhaben zum gewünschten Erfolg zu kommen, diskutierten Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, Christoph Verenkotte, Präsident des Bundesverwaltungsamtes, Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein und Projektexperte Thomas Sadewasser. Dabei blieb es umstritten, wie viel Pragmatismus Projektabläufe in der Verwaltung benötigen, um Vorhaben im Budget- und Zeitrahmen umzusetzen – und welche Hindernisse dem im Wege stehen. Die Runde war sich allerdings einig, dass ein ungeschöntes Berichtswesen oft nicht existiere, so dass mangelnde Transparenz gleichzeitig zu mangelnder Konsequenz führe.

Auch im Forum E-Government stand ein Projekt auf dem Prüfstand – nämlich das der elektronischen Verwaltung. Prof. Dr. Michael Breidung, Eigenbetriebsleiter IT- und Organisationsdienstleistungen der Landeshauptstadt Dresden, Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, Beate Lohmann, Abteilungsleiterin O im Bundesministerium des Innern und Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich diskutierten mit Stefan Engel-Flechsig, Leiter des Forums elektronische Rechnung in Deutschland (FeRD), über Chancen und Grenzen der elektronischen Verwaltung. Die Herausforderung dabei: Die Stärken der deutschen Verwaltung erhalten – und diese gleichzeitig modernisieren. Standardisierungen – technisch, organisatorisch und rechtlich – helfen, gerade komplexere Prozessketten bereichs- und verwaltungsübergreifend elektronisch abzubilden. Hierzu ist es schon allein wegen der angespannten Haushaltslage wichtig, dass alle gemeinsam arbeiten und im Sinne des Ziels – zufriedene Bürger und schlanke Verwaltungsprozesse – kooperieren, anstatt parallele „Inseln“ zu entwickeln. Dabei müssen zum einen alle Mitarbeiter und Beteiligten mitgenommen und Überzeugungsarbeit geleistet werden, zum anderen müssen individuelle Ausgestaltungen des Standards möglich bleiben.

Die den Fortschritt einerseits hindernde andererseits aber auch notwendig machende Situation der öffentlichen Finanzen wurde in zwei Vorträgen genauer unter die Lupe genommen: Prof. Dr. Dietrich Budäus, Universität Hamburg (em.) sprach zum Thema „Öffentliche Finanzen zwischen Intransparenz und Verschuldungsillusion“. Budäus machte deutlich, dass teilweise eine Tendenz zur Problemverschiebung und nicht zur wirklichen Problemlösung vorherrscht. Dr. Ulrich Keilmann, Leiter der Überörtlichen Prüfung kommunaler Körperschaften beim Präsidenten des Hessischen Rechnungshofs, berichtete über den Kommunalen Schutzschirm in Hessen. Als Erfolgsfaktoren des Projekts unter Nutzung der doppischen Schuldenbremse konnte er die rechtzeitige und explizite Einbindung der Beteiligten und die Berücksichtigung individueller Situationen ausmachen.

Eine weitere große Herausforderung, zu der noch keine ausreichenden Lösungsansätze existieren, ist der demografische Wandel. Er betrifft zwar nicht nur die Verwaltungen, sondern die gesamte Gesellschaft, allerdings trifft er den öffentlichen Sektor mit größerer Härte. Wie zukunftsweisende Organisation und vorausschauendes Personalmanagement aussehen könnten, erörterten Margarete Heidler, ehemalige Bürgermeisterin und nun Partnerin im ifp Köln, Dr. Roland Kischkel, Kanzler der Bergischen Universität Wuppertal, Ulrich Mohn, Referatsleiter Recht und Verfassung beim Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie Brigitta Nickelsen, Direktorin für Unternehmensentwicklung und Betrieb bei Radio Bremen. Dabei wurde klar, dass Privatisierung keine Lösung darstellt, da hierdurch erfahrungsgemäß die Kosten sogar steigen. Stattdessen muss es gelingen, mit weniger Bürokratie Personalgewinnung und -entwicklung neu zu denken. Anleihen an Unternehmen und ihr Selbstverständnis als Marke seien dabei erste Schritte zu einer attraktiveren Corporate Identity des Public Sectors.

Den mittlerweile schon fast obligatorischen Blick über die Landesgrenzen hinweg warf in diesem Jahr Denise Schumann, stv. Abteilungsleiterin Recht & Steuern der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm. Sie zeigte wie pragmatisch und konsequent das Thema  E-Government in Schweden umgesetzt wird –  Personennummer, elektronische Signatur und Service-Verpflichtung sind dabei nur einige Beispiele.

MACH-Vorstand Dr. Eike Schmidt resümierte: „Gerade wegen der vielen Grundsatzprobleme und Hemmnisse braucht es Mut zur Übernahme von Verantwortung bei Projekten wie der Verwaltungsmodernisierung. Mut, das Richtige zu tun – auch wenn es vordergründig nicht populär ist – und es gut zu erklären. Sowie die Bereitschaft, die eigenen Interessen auch einmal zurückzustellen.“

Das nächste Innovative Management findet am 25. September 2014 in Lübeck statt.

Medienpartner des Kongresses sind die Fachzeitschriften Behörden Spiegel, eGovernment Computing, innovative VERWALTUNG sowie Kommune 21.