Interview

Leitbilder des New Public Management müssen auch bei der Beschaffung gelten

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Viele Beschaffungsexperten in den Verwaltungen sagen, ihnen seien durch das Vergaberecht und durch die föderale Struktur Deutschlands enge Grenzen gezogen. Sie teilen diese Einschätzung nicht. Weshalb?

Bergmoser: Gegen diese These spricht schon, dass das Pensum eines strategischen Einkaufs sich überwiegend auf die vor- und nachgelagerten Phasen öffentlicher Auftragsvergaben bezieht: Entscheidungen zu Leistungstiefe, Standardisierung, Optimierung der Logistik, Marktaktivierungen und zu Qualitätsmerkmalen von Gütern und Dienstleistungen werden durch das Vergaberecht kaum reglementiert. Unsere Beratungspraxis bestätigt dies ausdrücklich. Gewiss sind weitere Reformen im Vergaberecht, zum Beispiel im Hinblick auf eine diskriminierungsfreie Verhandlungsmöglichkeit der Vergabestellen, wünschenswert. Dies steht aber einem Paradigmenwechsel hin zu einem strategischen Einkauf nicht im Wege.

Nach dem Willen der Europäischen Union soll in den Mitgliedsstaaten schon in den nächsten Jahren ein großer Teil des Beschaffungswesens elektronisch abgewickelt werden. Der Handlungsbedarf der Öffentlichen Hand ist also groß. Welche Projekte muss die Verwaltung als nächstes angehen?

Bergmoser: eVergabelösungen senken sowohl behördeninterne Prozesskosten, als auch die Bürokratiekosten der Bieter. eProcurement-Lösungen können ihr Potenzial besonders dann entfalten, wenn ein hoher Intergrationsgrad mit den Enterprise-Resource-Planning-Systemen erreicht wird. Hier sollte die eigentliche Priorität liegen: Ein wirksamer strategischer Einkauf ist auf eine Verarbeitung der Bestell- und Rechnungsdaten auf höchstem Qualitätsniveau angewiesen. Diese müssen nach den Bedürfnissen der Beschaffungssteuerung und damit nach Management-Grundsätzen aufbereitet werden. Unser Eindruck aus der Praxis ist es, dass trotz vorhandener ERP-Systeme die Einkaufsdaten entweder nach Struktur und Trennschärfe unzulänglich sind oder nicht zur Steuerung verwendet werden.

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