Interview

Leitbilder des New Public Management müssen auch bei der Beschaffung gelten

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Die Studie nennt die Vergabestellen die Stiefkinder der Verwaltungsreform. Wie müsste also das Beschaffungswesen der Öffentlichen Hand reformiert werden?

Bergmoser: Zunächst müssen strategische Einkaufsorganisationen geschaffen werden, die in der Lage sind, aus eigener Fachkompetenz heraus den Wertschöpfungsbeitrag einzelner Bedarfskategorien zu optimieren. In erster Linie geht es jedoch um die Verankerung des Einkaufs in der Verwaltungssteuerung. Die Leitbilder des New Public Management lassen sich dabei auch auf den Einkauf anwenden: Zieltransparenz, neues Rollenverständnis, Qualitätsmanagement, funktionale Prozessbilder und – nicht zuletzt – eine adäquate Personalentwicklung der Einkaufsprofis sind dazu notwendig.

Welche Rolle spielt die Technik bei der Realisierung des Einsparungspotenzials? Ist es mit dem Einsatz von eProcurement-Systemen und Beschaffungsplattformen schon getan?

Bergmoser: Zweifelsohne bietet eProcurement als instrumentelle Neuerung großes Optimierungspotenzial. Dieses sollte im öffentlichen Einkauf unbedingt genutzt werden. Das Problem liegt jedoch woanders: Es bringt wenig Verbesserung, in einer Flächenverwaltung von den regionalen Dienststellen geltend gemachte Bedarfe zwar elektronisch zu bestellen, nicht aber inhaltlich zu koordinieren. Ohne schlüssige Warengruppen- und Lieferantenstrategien besteht die Gefahr, dass die elektronischen Sortimente zu breit gehalten sind, oder dass der Wettbewerb einzelner Anbieter künstlich eingeschränkt wird. Ein eProcurement, das nicht in eine Gesamtstrategie eingepasst ist, kann sogar Prozesse zum Nachteil der Organisation zementieren. Erst wenn eProcurement dazu beiträgt, die Kosten von Prozessabläufen abzusenken, kann es sein großes Potenzial entfalten.

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