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Krankenhaus 4.0 – sind wir schon bereit?

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Smartes Krankenhaus

War die zunehmende Vernetzung von Daten, Geräten und Objekten in Krankenhäusern bislang vor allem sehr administrativ, abrechnungsgetrieben und von gesetzgeberischen Vorgaben gesteuert, kommen die neuen Impulse für ein Krankenhaus 4.0 mehr und mehr von Patienten, Ärzten, Pflegekräften und anderen Krankenhausmitarbeitern. Im privaten Alltag allzeit gut vernetzt, ausgestattet mit Gesundheits- und Fitness-Apps, die über Smart Watch, Smart­phone oder Wearables dokumentieren, überprüfen und daran erinnern, dass und ob man sich genug bewegt und trinkt, treffen sie im Krankenhaus aktuell noch auf eine geradezu analoge Welt, die sich eher auf der technischen Entwicklungsstufe der ersten Dekade der 2000er-Jahre befindet (siehe Abbildung).

Das angestrebte „Krankenhaus 4.0“ definiert sich durch anwender- und patientenzentrierte, web- und cloudbasierte Anwendungen, Apps und Hardware mit hoher ­Integration. Beispiele für solche Technologien im Gesundheits­wesen sind sogenannte Wear­ables, also Hardware, die eng am Körper getragen wird und die unterschiedlichste Vitalwerte (Puls, Blutdruck, Blutzucker etc.) erfassen, speichern und weiterleiten, sodass diese Werte überall auf mobilen Devices verfügbar sind. Eine sinnvolle Verwendung solcher Technologien im Krankenhaus würde zunächst das Vorhandensein einer elektronischen Patientenakte voraussetzen.

An diesem Beispiel der elektronischen Patientenakte kann man den Übergang von „Krankenhaus 3.0“ zum „Krankenhaus 4.0“ gut verdeutlichen. Die elektronische Patientenakte gehört noch in die Kategorie 3.0., da sie ein „System zur Unterstützung von klinischen Abläufen“ ist (siehe Definition in der Abbildung). Erst wenn diese über Web-/Cloud-Services oder mit hochintegrierten Endgeräten erweitert wird, kann von der Stufe „4.0“ gesprochen werden. Dies ist etwa dann der Fall, wenn die mobile Visite durch Tablets am Bett des Patienten durchgeführt wird. Dafür ist jedoch eine vollständige W-LAN-Ausleuchtung notwendig, über die noch längst nicht jedes Krankenhaus verfügt.

Weniger als zehn Prozent der Krankenhäuser haben heute eine ­flächendeckende elektronische ­Patientenakte – ob mobil oder nicht – im Einsatz. Es gilt also vielerorts erst einmal die Hausaufgaben aus der Ära 3.0 zu erledigen, um den Sprung zu 4.0 effizient zu vollziehen.

IT-Upgrade für das ­Krankenhaus

Theoretisch ist vieles bereits seit einem Jahrzehnt machbar. Die ­Prozesse in den Krankenhäusern müssen „nur“ weiterentwickelt und umgesetzt werden. Die Dynamik in der notwendigen Entwicklung kommt schon längst nicht mehr nur vom Gesetzgeber, sondern seitens der Patienten und Krankenhausmitarbeiter, die in einer Welt voller Smartphones und Tablets längst vernetzt leben und ihr ­digitales Dasein nicht mehr mit Betreten des Krankenhauses aufgeben wollen.

Warum, wird sich mancher Patient schon gefragt haben, bekomme ich meine Patientenakte nicht auf einem Stick mit nach Hause? Ich kann ohne großen Aufwand von der Arbeit aus über mein Smartphone bei mir zu Hause das Licht anschalten oder die Heizung aufdrehen, werden sich so manche Ärzte und Pflegekräfte denken, und muss dann im Krankenhaus Stunden damit zubringen, Papierberge zusammenzustellen, um sie wenig später im Haus wieder zu suchen. Damit wächst der Druck seitens der Patienten und der Mitarbeiter, das Krankenhaus 4.0 endlich anzugehen und aus technischer Sicht in der zweiten Dekade der 2000er-Jahre anzukommen.

Eine enorme Chance bietet sich vor allem durch einen Faktor: War die IT traditionell sehr abrechnungslastig, ist sie mittlerweile sehr nah am Patienten und erfährt damit auch bei den Ärzten eine ­hohe Akzeptanz.

Denn eine mobile Visite mit Tablet ist schlicht komfortabler und effizienter, als wenn man auf unzähligen Papierbögen Befunde, Werte etc. eintragen muss. Sämtliche patientenbezogene Informationen können transparent dokumentiert und jederzeit hochverfügbar gemacht werden.

Und während sperrige Röntgenbilder wohl nur dann als Ausdruck mitgenommen werden, wenn es wirklich dringend vonnöten ist, sind sie via mobilem Device am ­Patientenbett jederzeit schnell und bequem aufrufbar, selbst „nur“ zur unterstützenden Erklärung für den Patienten, der ebenfalls bereits den Umgang mit Tablets und Co. verinnerlicht hat. Unter Experten gilt die mobile Visite nicht umsonst als der wichtigste Punkt bei der Umsetzung eines Krankenhauses 4.0.

Lösungsvorschlag

Aber wie soll das bei all den Spar­zwängen funktionieren? Die Politik setzt die Rahmenbedingungen schließlich so eng, dass derzeit täglich Krankenhaus-Abteilungen oder sogar ganze Kliniken geschlossen werden müssen.

Hier hilft nur eine klar definierte und zielgerichtete IT-Strategie mit einem daraus abgeleiteten konkreten „IT-Bebauungsplan“. Aktuell handeln die IT-Verantwortlichen oft noch reaktiv auf ad-hoc-Anforderungen und subjektive Bedürfnisse im Krankenhaus. Dies führt in der Regel nicht zu einem optimalen Einsatz der IT-Ressourcen und nicht zu einem kontinuierlichen und zielgerichteten Ausbau der Krankenhaus-IT.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die privaten Krankenhäuser. Obwohl diese im gleichen Finanzierungssystem wie die frei-gemeinnützigen und die kommunalen Krankenhäuser stecken, sind sie den anderen bei der Umsetzung von 4.0-Strategien oftmals weit ­voraus.

Die privaten Krankenhäuser agieren hier sehr viel strategischer und haben genaue IT-Entwicklungspläne, die sie konsequent umsetzen. Und genau hier liegt der Schlüssel zum Erfolg, um selbst mit einem engen IT-Budget in die Champions League der „smarten Krankenhäuser“ zu kommen: ein strategischer Schritt nach dem ­anderen, um die Ära 3.0 effizient und zukunftsgerichtet zu Ende zu bringen und sich dann nach und nach den Anforderungen an das Krankenhaus 4.0 stellen.

Es lohnt sich, mit allen Beteiligten, also mit der Geschäftsführung, den Chefärzten, der Pflegedienstleitung, den IT-Verantwortlichen und weiteren Führungskräften des Krankenhauses in einen intensiven Dialog zu gehen, um die tatsächlichen Bedürfnisse insbesondere der klinisch Tätigen zu ermitteln und eine abgestimmte und konsentierte IT-Entwicklungsplanung zu verabschieden. Hierzu ­eigenen sich z. B. IT-Strategieklausuren, in denen auch die konkrete Umsetzungsplanung der festgelegten Strategiebausteine beschlossen und im Rahmen eines „IT-Bebauungsplanes“ definiert wird.

Der Autor: Dr. Armin P. Wurth
Der Autor: Dr. Armin P. Wurth
(Bild: PRO-KLINIK)

Auf dieser Grundlage können dann die Geschäftsführung und die IT-Verantwortlichen diese Planung fokussiert und auch bei knappen Mitteln zielführend umsetzen. Oftmals sind erfahrene Berater bei diesem Prozess als Moderatoren oder als Umsetzungsbegleiter hilfreich, insbesondere, wenn die internen Ressourcen hierfür fehlen oder wenn die Akzeptanz bei den verschiedenen Berufsgruppen erhöht werden soll.

Der Autor: Dr. Armin P. Wurth, Geschäftsführer derPRO-KLINIK Krankenhausberatung.

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